Verlängerung für Generation vier – Fahrbericht: Mercedes-Benz GLE 450e 4Matic


Stand: 08.10.2026, 14:18 Uhr

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Bereits zum zweiten Mal frischt Mercedes die GLE-Reihe auf

Bereits zum zweiten Mal frischt Mercedes die GLE-Reihe auf © Mercedes-Benz

Bereits zum zweiten Mal frischt Mercedes die GLE-Reihe auf. Besonderes Augenmerk erhält dabei der Plug-in-Hybrid. Ausgedient hat dort der Vierzylinder, die rein elektrische Reichweite von mehr als 100 Kilometern bleibt.

SP-X/Colorado. Der GLE ist ein Amerikaner mit deutschem Herz – und ein lukrativer dazu. Gebaut wird das Oberklasse-SUV im Südstaaten-Werk Tuscaloosa, die USA sind zugleich sein wichtigster Markt. Weil dort die Förderung für E-Autos weitgehend gestrichen wurde, löst Mercedes die vierte Generation seiner Cashcow nicht wie geplant zugunsten des EQE SUV ab, sondern treibt sie mit einem zweiten Facelift ein weiteres Mal auf die Weide – mit frischer Optik, modernem Infotainment und rund 40 Prozent überarbeiteter Teile. Das größte Update erhält dabei ein Modell, das zwischen den Welten reitet: der Plug-in-Hybrid GLE 450e ab rund 95.200 Euro. 

Während die vier übrigen Antriebe der variantenreichen Palette – ein Sechszylinder-Diesel in zwei Leistungsstufen, ein Reihen-Sechszylinder- sowie ein V8-Benziner – gezielt weiterentwickelt wurden und durchweg als Mildhybride mit 48-Volt-Startergenerator vorfahren, erhält der Plug-in-Hybrid als meistgekauftes System ein komplett neues Layout. Dabei mustert Mercedes den teils überforderten Zweiliter-Vierzylinder aus, der zum großen SUV passte wie ein Pony vor die Postkutsche. Das neue Konzept setzt auf einen optimierten Drei-Liter-Reihensechszylinder, dazu kommen 40 kW mehr Systemleistung. 

Basis ist der überarbeitete Reihensechszylinder aus dem GLE 450. Ein neuer, leistungsfähigerer elektrischer Zusatzverdichter baut schon bei niedrigen Drehzahlen Ladedruck auf, bevor der Abgasturbolader richtig anspricht. Hinzu kommen ein Zylinderkopf mit strömungsoptimierten Ein- und Auslasskanälen, eine angepasste Einlassnockenwelle sowie ein verfeinertes Brennverfahren. 

Im GLE 450e leistet der Reihensechszylinder 240 kW/326 PS, sein Drehmomentmaximum von 540 Nm liegt zwischen 2.200 und 4.250 Touren an. Darunter überbrückt die am Getriebe montierte E-Maschine das geringfügige Drehmomentdefizit. Mit 135 kW/184 PS und 480 Nm ist sie deutlich kräftiger als die 100-kW-Einheit des Vorgängers 400e und rund achtmal so stark wie der Startergenerator der Mildhybride. Gemeinsam kommen beide auf eine Systemleistung von 320 kW/435 PS, das Drehmoment liegt bei maximal 680 Nm. 

Mit Strom versorgt wird der E-Motor aus einem Akku mit 25,7 kWh Nettokapazität, der für mehr als 100 km elektrische Reichweite gut ist und sich an der Schnellladesäule in knapp einer halben Stunde von 10 auf 80 Prozent füllen lässt. Zusätzliche Dämmung an Kardantunnel, Stirnwand und Motorabdeckung sorgt dafür, dass sich der Sechszylinder beim Zuschalten kaum bemerkbar macht.  

Mit 4,92 Metern Länge, gut zwei Metern Breite und 1,79 Metern Höhe ist der GLE ein stattliches Auto, fährt sich aber keineswegs wie ein Truck. Dabei bringt der 450e stattliche 2,78 Tonnen auf die Waage. Das sind rund 100 Kilogramm mehr als der Vierzylinder-Vorgänger. Im Handling fällt das aber kaum ins Gewicht. Klar ist allerdings auch: Für Kurvenräubereien ist er nicht gemacht. Und wer es doch übertreibt, wird von gutmütigem, leicht beherrschbarem Untersteuern eingebremst. 

Seine größte Stärke bleibt ohnehin der Komfort: Mit der optionalen Luftfederung gleitet er gelassen über lange Überlandetappen, Querfugen und Bodenwellen kommen kaum bei den Insassen an – selbst auf den bis zu 22 Zoll großen Rädern, 20 Zoll sind hierzulande das Minimum. Erst die kurzen Stöße der Waschbrettpiste eines Schotterwegs bringen die Technik an ihre Grenzen und lassen es im Innenraum hörbar rumpeln. Zugleich hält das Fahrwerk den Aufbau auch in zügig gefahrenen Kurven weitgehend ruhig. Die Lenkung ist angenehm gewichtet und passt zum Charakter des großen SUV, für sportliche Ambitionen fehlt ihr allerdings etwas Rückmeldung.  

Die Neungang-Automatik sortiert die Gänge unauffällig und bringt die Kraft über den serienmäßigen Allradantrieb geschmeidig auf den Asphalt. Am leisesten ist der Plug-in naturgemäß im Elektromodus, doch auch wenn der Benziner zuschaltet, bleibt es ruhig: Der Reihensechser fügt sich spürbar harmonischer ein als der Vierzylinder des Vorgängers. Auch Windgeräusche hält der GLE dank fein abgestimmter Außenspiegel und sorgfältig ausgeführter Dichtungen wirkungsvoll draußen – ein ausgesprochen leiser Cruiser. 

Äußerlich erkennt man den Neuen vor allem an der Front. Der Kühlergrill ist gewachsen, ein Chromrahmen sorgt für einen markanten Auftritt. Zwei horizontal angeordnete Stern-Signets in den Scheinwerfern prägen die neue Lichtsignatur. Technisch legt Mercedes beim Licht ebenfalls nach: Das optionale Digital-Licht arbeitet nun mit Mikro-LED-Technik, leuchtet eine rund 40 Prozent größere Fläche aus und benötigt dabei bis zu 50 Prozent weniger Energie. Auf Wunsch projiziert es Führungslinien und Warnsymbole auf die Straße, das Ultra-Range-Fernlicht reicht bis zu 600 Meter weit. 

Weil das Infotainment gegenüber jüngeren Mercedes-Modellen zuletzt etwas angestaubt wirkte, holt der GLE mit seinem zweiten Facelift auch innen auf. Jetzt spannt sich serienmäßig der MBUX Superscreen über das Cockpit. Unter der durchgehenden Glasfläche sitzen drei 31,2-Zentimeter-Displays, eines davon für den Beifahrer, der darauf auch während der Fahrt Videos streamen darf. Der KI-gestützte Sprachassistent führt nun komplexere Dialoge und navigiert wird auf Basis von Google Maps. Zurück ist zudem das Lenkrad mit Wippe und Walze statt der fummeligen Touchflächen.  

Das nun serienmäßige Panorama-Schiebedach und die neuen, ovalen Lüftungsdüsen in der Ambientebeleuchtung sorgen für ein lichteres, moderneres Ambiente. Platz gibt es vorne wie hinten reichlich, im 450e kostet der Akku allerdings Stauraum: Statt 630 wie bei den übrigen Varianten fasst der Kofferraum nur 485 Liter. Auch die optionale dritte Sitzreihe bleibt dem Plug-in verwehrt, er ist ausschließlich als Fünfsitzer zu haben. 

Wem das klassische SUV zu bieder ist, der greift zum GLE Coupé, auf das rund 30 Prozent der GLE-Verkäufe entfallen. Mit seiner abfallenden Dachlinie und den Stern-Signets in den Heckleuchten tritt es deutlich expressiver auf. Auch technisch ist es auf mehr Dynamik getrimmt: Der Radstand ist 6 Zentimeter kürzer, die Lenkung direkter übersetzt. AMG-Line-Optik innen wie außen, Sportsitze und ein Nappa-Sportlenkrad gehören zur Serie. Erstmals ist für das Coupé zudem ein Augmented-Reality-Head-up-Display zu haben, das Navigationspfeile scheinbar direkt auf die Fahrbahn projiziert. Die Motorenauswahl ist allerdings schmaler: Neben den beiden Dieseln gibt es nur den 450e, der dank der etwas günstigeren Aerodynamik mit 3,1 Litern plus 21 kWh/100 km einen Tick sparsamer ist als das SUV. 

Mercedes-Benz GLE 450e 4Matic – Technische Daten: 

Fünftüriges, fünfsitziges Oberklasse-SUV; Länge: 4,92 Meter, Breite: 2,01 Meter (mit Außenspiegel: 2,17 Meter), Höhe: 1,79 Meter, Radstand: 3,00 Meter, Kofferraumvolumen: 485 Liter 

Plug-in-Hybridantrieb mit 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Benziner (240 kW/326 PS) und Elektromotor (135 kW/184 PS), Systemleistung: 320 kW/435 PS, Drehmoment bei Systemleistung: 680 Nm, Allradantrieb, 9-Gang-Automatik, Akkugröße: 25,7 kWh (netto), 0-100 km/h: 5,6 s, Vmax: 240 km/h, Normverbrauch: 10,4 l/100 km (bei entladener Batterie) bzw. 3,2-3,9 l/100 km plus 22-23 kWh/100 km (gewichtet), CO2-Ausstoß: 88-73 g/km (gewichtet), elektrische Reichweite: bis zu 106 km, Ladeleistung: bis 60 kW (DC), 11 kW (AC), Ladedauer: DC 10-80% in 29 min, AC 0-100% in 2h45min. 

Preis: ab ca. 95.200 Euro 

Mercedes-Benz GLE 450e 4Matic – Kurzcharakteristik 

Warum? Weil der kultivierte Sechszylinder souverän und dank E-Unterstützung auch sparsam arbeitet. 

Warum nicht? Weniger Nutzraum und kein Siebensitzer 

Was sonst? BMW X5 50e xDrive, Audi Q7 60 TFSI e 

Wann kommt er? ab sofort 

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit SPS Spot Press Services.