Vermisste Studentin in der Türkei getötet? Gouverneurs-Sohn rückt in den Fokus


Vermisste Studentin in der Türkei getötet? Schwere Anschuldigungen gegen Gouverneurs-Sohn erhoben

Stand: 08.09.2026, 07:49 Uhr

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Seit sechs Jahren gilt die junge Studentin Gülistan Doku in der Türkei als vermisst. Nun zieht der Fall weiter Kreise, der Sohn des ehemaligen Gouverneurs wird schwer belastet.

Ankara – Wo ist die vermisste Gülistan Doku aus der Türkei? Noch immer ist unklar, was der jungen Studentin im Januar 2020 genau zugestoßen ist. Doch mittlerweile sitzen mehr als 30 Personen in Untersuchungshaft. Ein nun in den USA festgenommener und verhörter Mann erhebt zudem schwere Anschuldigungen. Der Mann habe in dem Verhör angegeben, dass ein anderer Mann auf die junge Frau geschossen habe. Bei ihm soll es sich seinen Angaben zufolge um den Sohn des damaligen Gouverneurs handeln.

Die erste Etappe endet im wunderschönen Istanbul.

Der Fall der vermissten Studentin zieht in der Türkei weite Kreise. Hier Istanbul im Bild. (Symbolbild) © IMAGO / imagebroker

Wie die dpa nun unter Berufung auf die oppositionsnahe Nachrichtenagentur Anka berichtet, wurde der Mann, der nun festgenommen und verhört wurde, zuvor über Interpol per sogenannter „Red Notice“ gesucht. Er wurde daraufhin in den USA festgenommen und vom FBI verhört. Mit einer „Red Notice“ kann ein Land dazu auffordern, eine Person ausfindig zu machen und vorläufig festzunehmen. Ein internationaler Haftbefehl ist das allerdings nicht.

Festgenommener Mann beschuldigt Sohn des damaligen Gouverneurs der Provinz Tunceli

Bei dem Verhör habe der Mann den Angaben zufolge den Sohn des damaligen Gouverneurs der Provinz Tunceli beschuldigt. Der nun festgenommene Mann will sich mit ihm im Auto befunden haben, als dieser auf die Studentin Gülistan Doku schoss, hieß es. Er habe ihm anschließend geholfen, die Leiche in den Kofferraum zu legen. Bereits zuvor hatten Behörden vermutet, dass die junge Frau getötet wurde. Im Januar 2020 war die damals 21-Jährige verschwunden. Die Ermittlungen sollten schon zu den Akten gelegt werden, doch neue Erkenntnisse führen immer wieder zu Verhaftungen.

Die junge Studentin gilt zwar nach wie vor als vermisst, doch sitzen mittlerweile zahlreiche Personen wegen des Zusammenhangs mit dem Verschwinden in Untersuchungshaft. Inzwischen seien es mehr als 30 Personen, darunter der damalige Gouverneur der Provinz Tunceli, Tuncay Sonel. Gegen ihn bestehe unter anderem der Verdacht, Beweismittel vernichtet, verheimlicht oder verändert zu haben, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu im April. 

Gouverneure werden in der Türkei von der Zentralregierung in Ankara ernannt. Sonel war Anadolu zufolge zwischen 2017 und 2020 Gouverneur von Tunceli. Zuvor war schon sein Sohn wegen des Vorwurfs der vorsätzlichen Tötung verhaftet worden. 

Und auch ein Polizeitaucher wurde kürzlich verhaftet. Bei ihm bestehe der Verdacht der „Beweismittelverfälschung“, meldete Anadolu. Laut den Angaben wurde auch gegen einen ehemaligen Polizisten mit dem Vorwurf ermittelt, Daten vom Telefon der Studentin gelöscht zu haben. Ermittelt wurde auch gegen einen Arzt, dieser könnte Krankenhausunterlagen gelöscht haben, sowie gegen den damaligen Freund der Studentin. 

In Frankreich sorgt währenddessen der Fall des kleinen Émile weiter für Aufsehen. Zunächst galt der Junge als vermisst. Doch auch nach dem Auffinden seiner Leiche bleibt unklar, was dem Kind zugestoßen ist. Quellen: dpa, Anadolu, Anka (jl)