„Vermurkste“ EU-Verordnung zu Verpackungen: Handel rechnet ab und spricht von „Chaos“


Stand: 14.08.2026, 13:53 Uhr

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Die EU hat neue Regeln für Verpackungen verabschiedet. Der deutsche Handel sieht massive Mängel in der Verordnung und warnt.

Berlin – Die Europäische Union wollte den Verpackungsmüll im Binnenmarkt vereinheitlichen – doch zum Start der neuen Regeln herrscht in der deutschen Wirtschaft helle Aufregung. Der Handelsverband Deutschland (HDE) übt massive Kritik an der neuen EU-Verpackungsverordnung, die seit Mittwoch (12. August) in weiten Teilen gilt. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth spricht offen von einer „vermurksten Verordnung“ und warnt vor einem „Umsetzungschchaos“.

Zollbeamte überprüfen Paket am DHL-Hub am Flughafen Leipzig/Halle. (Archiv)

Zollbeamte überprüfen Paket am DHL-Hub am Flughafen Leipzig/Halle. (Archiv) © Jan Woitas/dpa

Einen Tag vor dem Inkrafttreten der Verordnung zog der HDE eine bittere Bilanz. Trotz Leitlinien und mehrfacher Erläuterungsversuche seitens der EU-Kommission seien für die Betriebe noch immer wesentliche Fragen zu Zuständigkeiten und Pflichten ungeklärt. „So können die Unternehmen nicht arbeiten. Wir brauchen verlässliche und rechtssichere Vorgaben, die eindeutig umsetzbar sind“, forderte Genth.

Neue EU-Regeln für Verpackungen sorgen für Unsicherheit – Handel warnt drastisch

Besonders kritisch sieht der Verband die Klassifizierung der Materialien. Es sei für Produzenten oft nicht ersichtlich, welcher Verpackungsart ihr Rohmaterial am Ende zugerechnet werde. Damit bleibe völlig unklar, wer für die Lizenzierung und die notwendigen Konformitätserklärungen verantwortlich ist. Genth kritisierte ein Versäumnis der EU-Kommission: Die Gesetzgebung sei zunehmend nicht mehr in der Lage, so gestaltet zu werden, dass sie in der Praxis funktioniere.

Dass die Sorgen des Handels begründet sind, zeigen aktuelle Berichte von Merkur.de. Wegen der neuen bürokratischen Hürden haben erste kleine Händler bereits Konsequenzen gezogen und den Versand in andere EU-Länder vorerst eingestellt. Die Unsicherheit ist so groß, dass ein EU-Beamter den betroffenen Firmen sogar den bizarren Rat gab, die neuen Regeln und Export-Stopps schlichtweg zu ignorieren, während er die Mitgliedstaaten aufforderte, zunächst keine Strafen zu verhängen.

Auch die Vorsitzenden der CDU/CSU-Gruppe im EU-Parlament, Niclas Herbst und Angelika Niebler warnten: Der Verkauf über Grenzen hinweg könnte sich insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen nicht mehr lohnen, wie der MDR berichtet.

Angesichts dieser Herausforderungen fordert der HDE nun Nachsicht von den Behörden. Man setze darauf, dass die zuständigen Stellen auf Bundes- und Landesebene die „besonderen Herausforderungen für die Unternehmen berücksichtigen“, so Stefan Genth. Die Unternehmen dürften nicht die Leidtragenden einer "von der EU-Kommission vermurksten Verordnung“ sein. Das harte Fazit des Handelschefs: „Die ursprüngliche und richtige Idee, Verpackungsvorschriften im EU-Binnenmarkt einheitlich zu gestalten, scheint angesichts dieses Umsetzungschaos unrealistischer denn je.“ (Verwendete Quellen: Mitteilung HDE, dpa, mdr) (rjs)