„Viele Situationen in jeder Hinsicht extrem“: Münchner Grünen-Politiker schnuppert bei der Bundeswehr rein


Stand: 25.10.2026, 20:30 Uhr

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Ein Grüner in Camouflage: Fabian Sauer bei der Bundeswehr.

Ein Grüner in Camouflage: Fabian Sauer bei der Bundeswehr. © Bundeswehr

Ein Münchner Grünen-Politiker hat eine Woche bei der Bundeswehr verbracht – inklusive Häuserkampf und scharfer Munition. Welche Erfahrungen er dabei gemacht hat, verrät er im interview.

München – Einmal das Business-Outfit gegen den Kampfanzug tauschen: Die Bundeswehr lädt in Hammelburg regelmäßig Zivilisten zu einer Info-Woche ein. Manager, Journalisten oder Politiker bekommen als Oberleutnant der Reserve Einblicke ins Soldaten-Leben. Fabian Sauer (36), Münchner Grünen-Chef, war dabei. Wir haben nachgefragt, wie er‘s fand.

Herr Sauer, Sie sind Grüner – die Partei hat eine pazifistische Tradition. Jetzt waren Sie rund eine Woche lang bei der Bundeswehr. Ist das nicht ein Widerspruch?

Ich finde nicht. Es geht um einen neuen Pragmatismus, den wir bei den Grünen erleben. Wir stellen leider fest, dass wir in einer Zeit leben, in der sich unser Land selbst gegen fremde Aggressoren verteidigen können muss. Es ist für mich alternativlos, sich dagegenzustellen.

Sie haben damals nicht gedient, sondern Zivildienst geleistet.

Ja, ich war einer der letzten Jahrgänge, die gemustert wurden. Zur Bundeswehr zu gehen, fand ich damals nicht wirklich attraktiv. In der Gesellschaft herrschte nicht das Gefühl, dass es zum Ernstfall kommen könnte und jede und jeder gebraucht würde.

Würden Sie sich heute anders entscheiden?

Schwer zu sagen. Nach der Woche bei der Bundeswehr steht aber fest: Ich könnte es mir besser vorstellen, mich länger einzubringen.

Ist es als Politiker nicht einfach, zu sagen: Ich mache eine Woche bei der Bundeswehr mit – aber wenn es hart auf hart kommt, bin ich raus?

Wir hatten in der Woche viele Gespräche über Verwundungen und Tod. Es wurde nicht ausgeblendet, dass der Beruf des Soldaten bedeutet: Ich setze mein Leben aufs Spiel. Spätestens, wenn Sie mit dem G36 am Schießstand liegen und scharfe Munition in der Waffe haben, läuft es einem schon kurz kalt den Rücken runter. Da habe ich vor meinem inneren Auge meinen Mann, meinen Neffen, meine Familie gesehen und gedacht: Wenn das jetzt echt wäre, dann musst du reagieren.

Könnten Sie sich trotzdem vorstellen, etwa an Reserveübungen teilzunehmen?

Ja, das kann ich mir vorstellen. Aber ich muss ehrlich sagen: Wenn jetzt morgen eine kriegerische Auseinandersetzung ausbrechen würde, wüsste ich nicht, ob ich sagen würde: Ich gehe an die Front.

Was war die härteste Erfahrung?

Die eindrücklichsten Übungen waren die Einführungen in den Häuserkampf. Man ist in voller Montur mit schusssicherer Weste und Helm ausgestattet. Dann geht es darum, in einem fiktiven Ort ein Haus einzunehmen. Gerade dieses unbekannte Terrain, nicht zu wissen, was hinter der nächsten Tür oder Ecke wartet, war das Forderndste. Und dann ist das Schießen fast noch das Wenigste – obwohl es ein besonderer Moment ist, wenn man weiß: Da wird jetzt scharf geschossen. Ich habe hier eine Waffe in der Hand, mit der ich Menschen töten kann.

Was hat Sie neben der militärischen Ausbildung beeindruckt?

Man hat sehr wenig Schlaf. Man merkt dadurch, wie anstrengend das Ganze auch im Kopf ist. Dazu kommen ein völlig unbekanntes Umfeld und Abläufe, eine spezielle Form der Kommunikation und viele Situationen, die in jeder Hinsicht extrem sind – man war trotzdem immer respektvoll miteinander. Selbst in Ausnahmesituationen gab’s eine wahnsinnige Kameradschaft.

Was bleibt nach dieser Woche?

Ich bin froh, dass ich die Bundeswehr jetzt besser verstehe. Das ist sehr wertvoll. Aber wenn wir über Tod und Verwundung sprechen, kann ich nur unterstreichen: Wir sollten hoffen, dass es niemals zu einem Krieg kommt. Es ist furchtbar. Aber wir können das heutzutage leider nicht mehr selbst entscheiden. Umso besser ist es, wenn ich jetzt weiß: Ich kann ein bisschen ruhiger schlafen, weil ich tolle Leute kennengelernt habe, die den Beruf ausüben.