Vier Dinge, die Menschen mit einem hohen EQ in Gesprächen niemals machen


Stand: 23.08.2026, 06:22 Uhr

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Wie hoch ist der EQ meines Gegenübers? Ein Emotionsforscher erklärt, welche Sprachmuster im Gespräch wirklich etwas verraten.

Frankfurt – Wenn von Intelligenz die Rede ist, denken die meisten Menschen zuerst an Kopfrechnen, Vokabeltests oder knifflige Logikrätsel – an all das, was sich in Zahlen und Punkten ausdrücken lässt. Doch ein hoher Intelligenzquotient sagt wenig darüber aus, ob jemand in einem Streit die richtigen Worte findet oder seinen Freunden ansieht, dass sie Redebedarf haben. Dafür ist eine andere Form von Klugheit gefragt: die emotionale Intelligenz.

Ein junges Paar sitzt auf der Couch

Bei emotionaler Intelligenz geht es darum mit den eigenen Gefühlen und den Emotionen anderer richtig umzugehen. (Symbolfoto) © YAY Images/Imago Images

Emotionale Intelligenz beschreibt die Fähigkeit, Gefühle zu erkennen, mit ihnen umzugehen und diese angemessen zum Ausdruck zu bringen. Das Pendant zum Intelligenzquotienten wird emotionaler Quotient (EQ) genannt. Im Alltag zeigt sie sich weniger in dem, was Menschen fühlen, als in dem, was sie sagen. Manche Sätze und Aussagen fallen im Gespräch auf und lassen vermuten, dass jemand seine eigenen Emotionen oder die des anderen nur schwer einordnen kann.

Emotionsforscher erklärt, welche sprachlichen Muster auf einen niedrigen EQ hindeuten

Aber lässt sich ein niedriger EQ tatsächlich an einzelnen Aussagen ablesen? Dirk Eilert winkt an dieser Stelle ab. Er ist Emotionsforscher, Autor sowie Mimik- und Körpersprache-Experte. „Es gibt keine einzelnen Sätze, anhand derer man zuverlässig einen ‚niedrigen EQ‘ erkennen kann. So einfach funktioniert psychologische Diagnostik nicht“, sagt Eilert der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Jeder Mensch sagt unter Stress einmal etwas Unreflektiertes, Abwertendes oder Ungeschicktes.“

Aussagekräftiger seien wiederkehrende Muster. „Sie können Hinweise darauf geben, in welchem Bereich der emotionalen Kompetenz jemand noch Entwicklungsbedarf hat“, sagt der Experte. In seinem sogenannten C-FEP-Modell unterscheidet Eilert vier Kernfunktionen der Emotionsverarbeitung: die Wahrnehmung eigener Emotionen, die Wahrnehmung der Emotionen anderer, die Regulation von Emotionen und den emotionalen Ausdruck. Entlang dieser vier Bereiche lassen sich typische sprachliche Muster beschreiben.

1. Eigene Emotionen wahrnehmen und differenzieren

Im ersten Bereich geht es um die Wahrnehmung der eigenen Gefühle: Wie gut können Menschen erkennen und benennen, was in ihnen gerade passiert? „Forschung zur emotionalen Differenzierung zeigt, dass es einen Unterschied macht, ob wir unsere Gefühle nur grob oder sehr präzise wahrnehmen können“, sagt Eilert.

Problematisch werde es, wenn jemand dauerhaft kaum benennen kann, was er fühlt. Aus Enttäuschung, Beschämung, Besorgtheit, Erschöpfung oder Wut wird ein unpräzises „Mir geht‘s einfach schlecht“ oder „Keine Ahnung, was mit mir los ist“. Sätze wie diese können darauf hindeuten, dass der Zugang zu den eigenen emotionalen Zuständen wenig ausgeprägt ist. Auch Formulierungen wie „Ich bin nicht emotional“ sind laut dem Emotionsforscher ein Hinweis für fehlendes Selbstverständnis: „Emotionale Prozesse gehören grundlegend zu unserem Menschsein. Die Frage ist deshalb weniger, ob wir Emotionen haben, sondern wie gut wir sie wahrnehmen und bewusst einordnen können.“

2. Emotionen anderer wahrnehmen und verstehen

Im zweiten Bereich geht es um die Gefühle anderer. Sätze wie „Jetzt stell dich nicht so an“ oder „Du bist viel zu empfindlich“ bewerten eine Reaktion und erklären sie zum Problem, bevor überhaupt versucht wurde, sie zu verstehen. „Perspektivübernahme beginnt dagegen mit der Frage: Was könnte dazu führen, dass diese Situation für diesen Menschen gerade so bedeutsam ist?“, sagt Eilert.

Emotionen folgen keiner objektiven Norm. Sätze wie „Das ist doch kein Grund, traurig zu sein“ deuten darauf hin, dass es der Person schwerfällt, sich in ihr Gegenüber hineinzuversetzen und zu erkennen, dass derselbe Auslöser bei unterschiedlichen Menschen völlig unterschiedliche Emotionen hervorrufen kann. Eilert ist in diesem Punkt wichtig: „Empathie bedeutet nicht Zustimmung. Ich kann verstehen, warum ein Mensch so fühlt, ohne dabei seine Einschätzung oder sein Verhalten teilen zu müssen.“

3. Mit Emotionen flexibel umgehen

Teil der emotionalen Intelligenz ist auch, wie sehr ich mich von meinen Gefühlen leiten lasse: Kann ich beeinflussen, wie ich mit meinen Emotionen umgehe, oder übernimmt die Emotion die vollständige Steuerung? Wer keine ausgeprägte Emotionsregulation hat, macht schnell andere für die eigenen Emotionen verantwortlich. Im Streitgespräch können dann Sätze wie „Du machst mich wütend“ fallen. Laut Eilert geht es darum, zwischen Gefühl und Handlung eine Wahlmöglichkeit zu schaffen: „Natürlich kann das Verhalten eines anderen eine Emotion auslösen. Entscheidend ist aber, wie ich anschließend damit umgehe.“

Auch Formulierungen wie „Ich muss das jetzt sofort loswerden“ können auf eine fehlende Selbstregulation hindeuten, besonders dann, wenn jedes Gefühl unmittelbar ausagiert werden muss. „Emotional kompetent zu sein bedeutet, weder Emotionen zu unterdrücken noch ihnen immer sofort zu folgen“, sagt Eilert. Es gehe darum, mit der Situation angemessen umgehen zu können.

4. Emotionen passend ausdrücken

Der vierte Bereich betrifft den Ausdruck der Emotionen. „Ich sage eben immer, was ich denke“ und „So bin ich eben“ sind Sätze, die nach Ehrlichkeit klingen, aber häufig die Verantwortung für die eigene Wirkung abgeben. „Emotionale Ausdruckskompetenz bedeutet nicht weniger Klarheit, sondern Klarheit plus soziale Passung“, sagt Eilert. Persönlichkeit erklärt einen Teil unseres Verhaltens, sie nehme dem Menschen aber nicht die Möglichkeit zur Anpassung.

Emotional kompetente Kommunikation berücksichtigt laut dem Emotionsforscher immer auch die Wirkung. Wer beispielsweise auf Kosten anderer einen Witz macht und diese mit dem Satz „Das war doch nur Spaß“ abtut, stelle ausschließlich die eigene Absicht in den Vordergrund.

Ob jemand einen hohen oder niedrigen EQ hat, lässt sich nicht an einzelnen Sätzen festmachen. Entscheidend sind die Muster, die sich über längere Zeit zeigen. Wer dauerhaft die eigenen Gefühle nicht benennen kann, die Emotionen anderer abwertet oder die Verantwortung für sein Verhalten nach außen verlagert, zeigt Lücken in der emotionalen Kompetenz. Diese Lücken lassen sich schließen und der Anfang ist simpel: hinhören. Bei anderen, aber vor allem auch bei sich selbst. (Quelle: eigene Recherche)