Vier Wochen nach der Leipziger Drohnenattacke: Der Kanzler deutet auf Putin


Stand: 30.08.2026, 17:30 Uhr

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Mit dem gescheiterten Anschlag auf den Leipziger Flughafen hat der Kreml ein Stoppschild ignoriert. Die Bundesregierung muss reagieren. Mit kühlem Kopf, aber bestimmt. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Lange, manche sagen zu lange, hat sich die Bundesregierung Zeit gelassen, Russland offiziell der Drahtzieherschaft für den Drohnenangriff auf den Leipziger Flughafen zu bezichtigen. Der Kanzler brauchte von seinen Geheimdiensten Beweise. Und Ruhe, um sich seine Antwort genau zu überlegen.

Wenn die Bundesregierung ihre Karten richtig ausspielt, wird Wladimir Putin seine unverschämten Übergriffe schnell bereuen, kommentiert Georg Anastasiadis.

Wenn die Bundesregierung ihre Karten richtig ausspielt, wird Wladimir Putin seine unverschämten Übergriffe schnell bereuen, kommentiert Georg Anastasiadis. © Gavriil Grigorov/dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP

Jetzt, vier Wochen später, stehen die Zeichen auf Sturm: Vor dem EU-Außenministertreffen am Dienstag will Friedrich Merz den Kreml eines hybriden Angriffs auf die deutsche Infrastruktur beschuldigen. Die Bundesbürger dürfen sich auf ein gewaltiges Spektakel gefasst machen: mit Ausweisungen russischer Diplomaten, neuen Brüsseler Sanktionen gegen Moskau. Und einem vor Wut fauchenden Putin-Regime.

Putins Regime soll „bezahlen“ – eine gute Nachricht für die Ukraine

„Sie werden dafür bezahlen“, hat der Kanzler angekündigt. Er muss nun handeln: mit kühlem Kopf, aber bestimmt, um Deutschland und Europa nicht als Papiertiger dastehen zu lassen. Dazu gehört, Moskaus Provokation für alle sichtbar zu machen, so wie es CIA-Direktor Ratcliffe mit seiner bewusst öffentlich inszenierten Moskaureise getan hat.

Doch der höchste Preis, den der Kanzler Putin für dessen unverschämte Übergriffe auferlegen kann, ist mehr deutsche Hilfe für die Ukraine, vor allem mehr Unterstützung bei der Raketenabwehr. Damit die tapferen Menschen in Kiew und anderen ukrainischen Städten den erbarmungslosen Angriffen im Winter nicht mehr so schutzlos ausgeliefert sind, wie sie es in diesem Sommer waren. Russland muss merken, dass sich seine Ausweitung des hybriden Krieges gegen Westeuropa nicht auszahlt. Das ist die militärische Seite.

Deutschland darf sich von Putin nicht einschüchtern lassen

Doch die „Sicherheitswende“, von der in Berlin nach dem Leipziger Drohnenüberfall alle sprechen, erfordert viel umfassendere Antworten: Die Öffentlichkeit braucht mehr Resilienz. Früher hätte man gesagt: starke Nerven. Putin will uns einschüchtern, mit Attacken wie in Leipzig, mit Sabotage, Fehlinformationen und Hackerangriffen, mit immer neuen Atomdrohungen gegen die Ukraine.

Deutschland braucht die Sicherheitswende. Da ist noch viel zu tun, nicht nur bei der Bundeswehr

All das sind hybride Kriegsakte, aber unterhalb der Schwelle eines klassischen Angriffs auf die NATO. Den wird Putin nicht riskieren. Mit seinem Psycho-Krieg hofft er aber, ihm gewogene Parteien im Westen stärken zu können. Darin ist der Kremlherrscher viel erfolgreicher als an der Front, wo sich die Eroberung der Ukraine für ihn immer mehr zum Desaster entwickelt. Moskau wird, gerade vor den Wahlen im Osten, den diplomatischen Krieg um die Leipzig-Drohnen nutzen, um seine Angstkampagne zu intensivieren.

Für eine „Zeitenwende 2.0“ braucht es noch mehr

In Deutschland ist für die „Zeitenwende 2.0“ noch viel zu tun. Dazu gehört auch das Eingeständnis, dass eine Kuschel-Bundeswehr und Freiwilligen-Fragebögen nicht die passenden Antworten sind auf die neuen Bedrohungen. Und: Schulen, Krankenhäuser, Verkehrsbetriebe, sie alle müssen sich für mögliche Störungen wappnen.

So wie ein Land zur Abschreckung äußerer Gegner Soldaten und Waffen braucht, braucht eine wehrhafte Demokratie eine funktionierende Zivilverteidigung als innere Front gegen einen Aggressor. Die Debatte über all dies dürfte diese Woche mit neuer Wucht losbrechen.