Cannabis-Konzern Synbiotic meldet Insolvenz für zwei Tochterfirmen an


Vom Boom zum Absturz: Cannabis-Konzern verliert fast alles und schickt zwei Töchter in die Insolvenz

Stand: 04.08.2026, 22:31 Uhr

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Synbiotic schickt zwei Tochterfirmen in die Insolvenz. Umsatzrückgänge und Rechtsunsicherheit belasten das CBD-Geschäft. Cannabis bleibt Kerngeschäft.

Münster – Ein börsennotiertes Unternehmen, zwei Tochterfirmen, ein Insolvenzantrag: Der Cannabis-Anbieter Synbiotic hat angekündigt, seine Gesellschaften Solidmind und Lean Labs Pharma in die Insolvenz zu schicken. Wie das Fachportal Apotheke Adhoc berichtet, sollen die entsprechenden Anträge beim Amtsgericht Münster gestellt werden. Damit trifft es zwei Unternehmen, die im deutschen CBD- und Hanfmarkt bislang eine feste Größe waren.

Die Gründe für den Schritt liegen laut einer Mitteilung von Synbiotic klar auf der Hand. Demnach seien teils erhebliche Umsatzrückgänge im Geschäft mit CBD- und Hanfprodukten sowie die anhaltende rechtliche Unsicherheit in diesem Marktsegment ausschlaggebend gewesen. Beides habe zu einer angespannten Liquiditätslage bei den beiden Gesellschaften geführt. Damit zeigt sich ein Muster, das in der jungen Cannabisbranche keine Seltenheit ist. Ein Marktsegment mit hohem gesellschaftlichem Bekanntheitsgrad trifft auf unklare rechtliche Rahmenbedingungen, was Unternehmen in wirtschaftliche Bedrängnis bringen kann, selbst wenn die grundsätzliche Nachfrage vorhanden ist.

Umsatzrückgänge als zentraler Auslöser: Konzern zieht sich aus der Finanzierung zurück

Der Insolvenzantrag ist zugleich Teil einer größeren Restrukturierung. Synbiotic hat nach eigenen Angaben beschlossen, die finanzielle Unterstützung der beiden Tochtergesellschaften nicht fortzusetzen. Ziel sei es, weitere Mittelabflüsse zu vermeiden und die verfügbaren Ressourcen auf die strategischen Kernaktivitäten des Konzerns zu konzentrieren, teilte das Unternehmen mit. Diese Entscheidung folgt einer Logik, die viele Unternehmen in wirtschaftlich angespannten Marktphasen anwenden: Statt weiter in verlustreiche Geschäftsbereiche zu investieren, konzentrieren sie sich auf jene Sparten, die tatsächlich Erträge liefern. Und genau hier liegt der eigentliche Kern der Geschichte, denn Synbiotic ist keineswegs in allen Geschäftsfeldern gleichermaßen betroffen.

Während CBD- und Hanfprodukte für Probleme sorgen, sieht die Lage im Kerngeschäft anders aus. Laut Unternehmensangaben entfielen zuletzt rund 60 Prozent des Umsatzes von Synbiotic auf medizinisches Cannabis. Jeweils 20 Prozent kamen aus dem Geschäft mit CBD- und Hanfprodukten. Solidmind vertrieb dabei unter anderem die Marke Hempamed, Lean Labs Pharma fungierte als vorgelagerte Entwicklungssparte für neue Produkte.

Ein Joint mit Cannabis.

Der Cannabis-Konzern Synbiotic schickt zwei Tochterfirmen wegen Umsatzrückgängen und rechtlicher Unsicherheit in die Insolvenz. © Friso Gentsch/dpa

Wie ernst die Lage insgesamt ist, zeigt ein Blick auf die Geschäftszahlen. Der Jahresabschluss für 2025 liegt noch nicht vor, doch die Erwartungen des Managements haben sich deutlich verschlechtert. Zuletzt rechnete die Führung nur noch mit einem Umsatz von rund 17 Millionen Euro und einem Verlust von etwa 1,5 Millionen Euro. Zuvor waren noch 30 Millionen Euro Umsatz und ein Gewinn von 1,7 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden. Die Korrektur spiegelt sich auch am Kapitalmarkt wider. Die Aktie von Synbiotic hat in den vergangenen zwei Jahren rund 90 Prozent an Wert verloren, seit ihrem Hoch im Jahr 2021 sogar 98 Prozent. Synbiotic selbst kündigte an, die Auswirkungen der Insolvenzanträge auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns derzeit zu prüfen. Über wesentliche weitere Entwicklungen wolle man im Einklang mit den gesetzlichen Anforderungen informieren.

Erwartungen nach unten korrigiert: Ein Markt zwischen Nachfrage und Unsicherheit

Nach Angaben des Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen haben in Deutschland rund 16 Millionen Menschen in ihrem Leben mindestens einmal Cannabis konsumiert. Der Markt ist also groß, gesellschaftlich jedoch weiterhin ambivalent. Cannabinoidbezogene Probleme sind nach Alkohol die zweithäufigste Hauptdiagnose in der Suchthilfe. Im Jahr 2024 wurden zudem mehr als 2500 Krankenhausfälle wegen akuter Intoxikationen oder Vergiftungen mit Cannabinoiden registriert.Einerseits steht also eine breite gesellschaftliche Bekanntheit und Nachfrage nach Cannabisprodukten. Auf der anderen Seite ein sensibles regulatorisches Umfeld, andauernde gesundheitspolitische Debatten und erhebliche Unsicherheit darüber, welche Marktsegmente langfristig wirtschaftlich tragfähig bleiben.

Für die Cannabisbranche insgesamt ist der Fall ein Beispiel dafür, wie unterschiedlich sich die einzelnen Marktsegmente entwickeln. Während medizinisches Cannabis als vergleichsweise etabliert gilt, bleibt der Markt für CBD- und Hanfprodukte weiterhin von wirtschaftlicher und rechtlicher Unsicherheit geprägt. Ob sich diese Segmente langfristig stabilisieren, dürfte auch von künftigen regulatorischen Entscheidungen, ergo der Merz-Regierung, abhängen. (Quellen: Apotheke Adhoc, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen)(ls)