Vom Stolpern und Schweben: Hamburger Jazz-Trio Panimo spielt Tourabschluss in Eschwege
Stand: 20.10.2026, 08:13 Uhr
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Das Hamburger Jazz-Trio Panimo aus Gitarrist Lucas Kemmler, Kontrabassist Timon Krämer und Schlagzeuger Henning Katz hat seine Tour im Eschweger E-Werk beschlossen.
Eschwege – Auf Glatteis gerät jeder Schritt zur Rhythmusfrage. Erst recht, wenn man eine Gitarre zur U-Bahn trägt und nur noch im Schildkrötentempo vorankommt. Für das Hamburger Trio Panimo wird daraus ein Stück: „Schnee“. Die musikalische Inspiration liegt bisweilen direkt vor der Haustür. Man muss nur aufpassen, dass man nicht auf ihr ausrutscht.
An der nötigen Trittsicherheit fehlt es den drei Musikern jedenfalls nicht. Gitarrist Lucas Kemmler, Kontrabassist Timon Krämer und Schlagzeuger Henning Katz verbinden bei ihrem Tourabschluss im Eschweger E-Werk eingängige Melodien mit komplexen Harmonien und Rhythmen. Auf Einladung des Jazz-Clubs zeigen sie, wie viel gestalterischer Raum in dieser kleinen Besetzung steckt. Die intime Clubatmosphäre passt zu den eigenwilligen jungen Stimmen.
Panimo bietet melodischen Halt, ohne musikalische Sicherheit zu versprechen. Eine Melodie bietet Orientierung, ohne schon zu verraten, wohin ein Stück führt. Panimos Experimentierlust lädt dazu ein, diesen Wegen zu folgen. Wie intensiv sich die Musiker selbst darauf einlassen, zeigt ihre körperliche Präsenz. Zeitweise wirken sie beinahe entrückt. Ihre Konzentration ist sichtbar, ohne zur Pose zu werden. „Val di Mello“ eröffnet das erste Set, gefolgt von „Cerro Torre“, dem Titel des Debütalbums, und „The Hunt“. Der Up-Tempo-Swing „Expresso“ setzt einen stilistischen Akzent, bevor „Treibholz“ den ersten Teil beschließt.
Nach der Pause erzählen die Musiker von den erstaunlich unfeierlichen Anlässen ihrer Stücke. Für musikalischen Einfallsreichtum braucht es offenbar keinen bedeutungsschweren Gegenstand. „Heimleuchten“ etwa entstand nach einer Stadtführung in Eutin. Dort erfuhren sie von einem historischen Beruf: Menschen bei Kerzenschein nach Hause zu begleiten. Zu „Avash Avash“, albanisch sinngemäß „Immer mit der Ruhe“, erzählen sie von einer klemmenden Frankfurter Hoteltür, die schließlich ausgebaut werden musste. Ein praktischer Geduldstest beim vorangegangenen Tourstopp zur Clubnacht des Deutschen Jazzfestivals.
Mit „Schnee“ und „Platzregen“ folgt eine kleine Wetterkunde in zwei Sätzen. Das vorsichtige Vorankommen auf Glatteis findet seinen Ausdruck im Rhythmus. Bei „Platzregen“ zieht Henning Katz besondere Aufmerksamkeit auf sich: Sein Schlagzeugspiel erhält spontanen Zwischenapplaus. Danach folgt „Tagtraum“, diesmal ohne Erläuterung. Die Geschichten können das Hören anregen. Festlegen müssen sie es nicht. Mit „Tirana“ führt die Reise zum angekündigten Abschluss in die albanische Hauptstadt: jung, bunt und umtriebig, wie die Musiker sie beschreiben. Begeisterter Applaus fordert eine Zugabe: „Hauke“ und „Rapsfeld“ verbinden sich zu einem Medley, das von Freundschaft erzählt und Norddeutschland eine Hommage widmet. Nach den Geschichten vom Unterwegssein nimmt dieser Tourabschluss eine passende letzte Richtung: nach Hause.
Das nächste Konzert des Jazz-Clubs findet am Samstag (14. November) statt. Termin und Band bleiben wie angekündigt; in veränderter Besetzung widmet sich die Formation jedoch Duke Ellington statt Marilyn Monroe. (Melanie Liedebrand)