Von allem zu viel: Die WM-Halbzeitshow war übersteuerte Anbiederung der Fifa
Stefan Weiss
Von allem zu viel: Die WM-Halbzeitshow war übersteuerte Anbiederung der Fifa
Der Versuch, die US-Super-Bowl-Shows nach dem Motto "Viel hilft viel" zu toppen, ging in die Hose. Es ist aber auch symptomatisch für den Größenwahn einer nimmersatten Fifa
Kommentar
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Stefan Weiss
Wer wie die Fifa um alles in der Welt klotzen statt kleckern will, der rufe zwei (Alt-)Stars unserer Tage herbei: Tom Cruise und Madonna. Der Ober-Scientologe seilt sich dann normalerweise irgendwo ab oder kommt mit dem Fallschirm angeflogen, beließ es dieses Mal aber bei einer knapp zweiminütigen Sonntagsrede auf einem Stockerl; die andere tat all das natürlich auch schon, lässt sich mittlerweile aber lieber herumtragen oder chauffieren, wofür die heute maximal unbeweglichen Brasilo-Weltmeister Ronaldinho und Ronaldo im wahrsten Sinne abgestellt und damit würdelos dem Social-Media-Gaudium zugeführt wurden.
Wie ein schlechter Trip
Das seltsame Trio ist das Bild, das von der erstmaligen WM-Halbzeitshow am Sonntag nach dem Modell der populären Super-Bowl-Shows übrigbleibt. Und nicht ohne Grund kommentierte es etwa Oasis-Sänger Liam Gallagher mit den Worten: "This is like a bad trip." Aber genau das war zu erwarten, wenn man den irgendwie immer zwänglerisch die Welt umarmenden Coldplay-Sänger Chris Martin eine Show im Geiste des Fifa-Größenwahns kuratieren lässt: Einmal alles und von allem viel zu viel. Justin Bieber? Gehört ins Eishockey-Stadion! Gustavo Dudamel? Klassik-Quote übererfüllt! Kinderchor, K-Pop, Muppets? Sonst noch was?
Einzig WM-Wiederholungs- und Überzeugungstäterin Shakira nahm man ab, mit Herz bei der Sache zu sein. Ihr gut gemachter WM-Song Dai Dai hätte es allein auch getan – würde die Fifa nicht gar so gierig sein. (Stefan Weiss, 20.7.2026)
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