Von allem zu viel: Die WM-Halbzeitshow war übersteuerte Anbiederung der Fifa


Stefan Weiss

Von allem zu viel: Die WM-Halbzeitshow war übersteuerte Anbiederung der Fifa

Der Versuch, die US-Super-Bowl-Shows nach dem Motto "Viel hilft viel" zu toppen, ging in die Hose. Es ist aber auch symptomatisch für den Größenwahn einer nimmersatten Fifa

Kommentar

/

Stefan Weiss

Drei Personen stehen auf einer Bühne während der Halbzeitshow des FIFA-Weltmeisterschaftsfinales 2026. Links trägt eine Person ein gelbes Outfit mit schwarzen Details, in der Mitte eine Frau in pink-violetter Kleidung mit Mikrofon, rechts eine Person in einem blauen Trainingsanzug mit grünen Akzenten. Hintergrund mit blauem Banner und Zuschauern.
Gezielt fürs weltweite Social-Media-Gelächter programmiert? Die brasiliansichen Weltmeister Ronaldinho (links) und Ronaldo (rechts) standen als Bodyguards für Madonna Wache.

Wer wie die Fifa um alles in der Welt klotzen statt kleckern will, der rufe zwei (Alt-)Stars unserer Tage herbei: Tom Cruise und Madonna. Der Ober-Scientologe seilt sich dann normalerweise irgendwo ab oder kommt mit dem Fallschirm angeflogen, beließ es dieses Mal aber bei einer knapp zweiminütigen Sonntagsrede auf einem Stockerl; die andere tat all das natürlich auch schon, lässt sich mittlerweile aber lieber herumtragen oder chauffieren, wofür die heute maximal unbeweglichen Brasilo-Weltmeister Ronaldinho und Ronaldo im wahrsten Sinne abgestellt und damit würdelos dem Social-Media-Gaudium zugeführt wurden.

Wie ein schlechter Trip

Das seltsame Trio ist das Bild, das von der erstmaligen WM-Halbzeitshow am Sonntag nach dem Modell der populären Super-Bowl-Shows übrigbleibt. Und nicht ohne Grund kommentierte es etwa Oasis-Sänger Liam Gallagher mit den Worten: "This is like a bad trip." Aber genau das war zu erwarten, wenn man den irgendwie immer zwänglerisch die Welt umarmenden Coldplay-Sänger Chris Martin eine Show im Geiste des Fifa-Größenwahns kuratieren lässt: Einmal alles und von allem viel zu viel. Justin Bieber? Gehört ins Eishockey-Stadion! Gustavo Dudamel? Klassik-Quote übererfüllt! Kinderchor, K-Pop, Muppets? Sonst noch was?

Einzig WM-Wiederholungs- und Überzeugungstäterin Shakira nahm man ab, mit Herz bei der Sache zu sein. Ihr gut gemachter WM-Song Dai Dai hätte es allein auch getan – würde die Fifa nicht gar so gierig sein. (Stefan Weiss, 20.7.2026)

Forum: 36 Postings

Ihre Meinung zählt.

Die Kommentare im Forum geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Benutzer:innen können diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.