Putins Waffendepot ausgehoben: Verfassungsschutz zeigt direkt auf Russland – brisante Vermutung um Anschläge
Stand: 21.08.2026, 13:47 Uhr
Rüstungsmanager, Exil-Oppositionelle, Ukraine-Unterstützer: Russland hat offenbar Attentate in Deutschland geplant – und gezielt Waffen deponiert.
Berlin – Ein geheimes Waffenlager an der Grenze zwischen Berlin und Brandenburg hat deutsche Sicherheitsbehörden in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR geht das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) davon aus, dass das Depot dem russischen Geheimdienst zuzuordnen ist – und dass die dort hinterlegten Waffen für gezielte Mordanschläge auf deutschem Boden bestimmt waren.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die wachsende Bedrohung durch russische Geheimdienstoperationen in Deutschland und befeuert die Debatte um das Russische Haus in Berlin. Denn jetzt hat sogar der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernommen. Das Ermittlungsverfahren gegen einen derzeit in Rumänien inhaftierten Verdächtigen beziehe sich auf den Verdacht der geheimdienstlichen Agententätigkeit und der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Freitag. Es sei davon auszugehen, dass der Verdächtige einen Anschlag geplant habe; eine „Beteiligung fremder Mächte“ sei dabei nicht auszuschließen.
Im Auftrag Putins? „Faustfeuerwaffen“ für Attentate im Wald versteckt
Im Spätsommer des vergangenen Jahres stießen Beamte einer deutschen Sicherheitsbehörde laut der SZ in einem Waldgebiet nahe der Berliner Landesgrenze auf ein professionell angelegtes Versteck. Darin befanden sich zwei scharfe Schusswaffen – sogenannte „Faustfeuerwaffen“, wie es aus Sicherheitskreisen heißt. Agenten des Verfassungsschutzes hatten offenbar konkrete Hinweise auf den genauen Standort des Depots erhalten und alarmierten nach dem Fund die Polizei.
Inzwischen seien sich die deutschen Sicherheitsbehörden weitgehend sicher, wer hinter dem Versteck steckt: der russische Geheimdienst. Die Waffen seien für Agenten hinterlegt worden, die im Auftrag Moskaus sogenannte „kinetische Operationen“ auf deutschem Boden ausführen sollten – ein Euphemismus für gezielte Tötungen. Verfassungsschutzpräsident Sinan Selen warnt seit Monaten in internen Runden in Berlin davor, dass Russlands Geheimdienste die Gangart verschärft hätten und nun auch in Deutschland Attentate planten. Auf der Todesliste Moskaus stehen offenbar Rüstungsmanager, Oppositionelle im Exil und diverse Ukraine-Unterstützer.
Um mögliche Drahtzieher oder Abholer der Waffen zu identifizieren, präparierten Experten die beiden Pistolen nach ihrer Entdeckung mit GPS-Trackern und machten sie unbrauchbar, heißt es in den Berichten. Das Versteck sei bewusst intakt gelassen und aus der Ferne technisch überwacht worden. Doch es geschah: nichts. Inzwischen gilt das Depot nach Angaben von Insidern als „tot“ – es sei sehr wahrscheinlich, dass die Täter von dem Polizeieinsatz rund um das Lager Wind bekommen haben und es seither meiden.
Lawrow droht dem Westen mit „verschärften Methoden“
Eine Sprecherin des Bundesamtes für Verfassungsschutz wollte sich zu dem konkreten Fall zunächst nicht äußern. Man nehme zu „Angelegenheiten, die etwaige konkrete nachrichtendienstliche Tätigkeiten betreffen, grundsätzlich nicht Stellung“. Russlands Außenminister Sergej Lawrow ließ zuletzt jedoch keinen Zweifel an Moskaus Absichten: „Wir werden unsere Methoden deutlich verschärfen, um all das zu zerstören, was Kiews Kriegsmaschinerie aus dem Westen speist. Und wir tun dies bereits.“
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) reagierte scharf auf die Drohungen. Gegenüber der SZ sprach Wadephul am Dienstag von „absurder Propaganda“ einer zunehmend verzweifelten russischen Führung: „Angesichts der in Russland immer schmerzhafter spürbaren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen des erfolglosen Eroberungskrieges gegen die Ukraine versucht der Kreml verzweifelt, die internationalen Unterstützer der Ukraine durch Drohungen und Desinformation unter Druck zu setzen.“ Wadephul betonte: „Keine der russischen Aktivitäten wird Erfolg haben. Wir werden stets die richtigen Antworten finden. Wir zeigen europäische Geschlossenheit.“
Hybrider Krieg gegen Putin: Bundesregierung überdenkt Kurs beim Russischen Haus
Vor diesem Hintergrund wächst der Druck auf die Bundesregierung, auch das Russische Haus in Berlin stärker ins Visier zu nehmen. Die Kultureinrichtung in der Berliner Friedrichstraße steht seit Jahren im Verdacht, als Deckmantel für Spionageaktivitäten zu dienen. Einem Spiegel-Bericht zufolge erwägt die Bundesregierung nun Sanktionen gegen das Haus.
Bislang lehnte Berlin eine Schließung stets ab – mit Verweis auf ein bilaterales Abkommen mit Russland, das mit dem Betrieb des deutschen Goethe-Instituts in St. Petersburg verknüpft ist. Eine Kündigung des Russischen Hauses hätte demnach Konsequenzen für die deutsche Kulturarbeit in Russland. Genau dieses Tabu scheint nun zu fallen. Das Auswärtige Amt erklärte auf Spiegel-Anfrage: „Angesichts des russischen Vorgehens gegen deutsche Kulturmittler und Organisationen, sowie vor dem Hintergrund zunehmender hybrider Aktivitäten Russlands, überprüft die Bundesregierung umfassend und kontinuierlich die völkervertragsrechtlichen Grundlagen des Russischen Hauses.“ Das Abkommen könne frühestens zum 7. Juni 2027 gekündigt werden.
Auslöser für den Kurswechsel dürfte auch der jüngste Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle sein, bei dem im August 2026 versucht wurde, ein ukrainisches Frachtflugzeug mit Sprengstoff zum Absturz zu bringen. Ermittler sehen Spuren nach Moskau. Zusammen mit dem Waffenfund an der Berliner Stadtgrenze zeichnet sich ein Bild ab, das Sicherheitsexperten seit Monaten beschreiben: Russland hat seinen verdeckten Krieg längst auf deutschem Boden eröffnet. (Quellen: Süddeutsche Zeitung, NDR, WDR, Spiegel, AFP) (nak)