Warum die SPD-Chefin die SPD nicht sexy genug findet
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Liebe Leserin, lieber Leser,
Urlaub dient gestressten Top-Entscheidern dazu, das Nervenkostüm zu stärken, um gelassen Attacken zu parieren. Wer Friedrich Merz bei RTL „Am Tisch mit Friedrich Merz“ gesehen hat, musste feststellen: Das hat beim Kanzler nicht wirklich geklappt. Friedrich Merz war zu später Stunde auffallend dünnhäutig, allerdings war das „Setting“ für ihn auch extrem ungemütlich. RTL hatte ausschließlich Merz-Kritiker an den Gesprächstisch gesetzt, die schon in Einspielern den Kanzler mit sehr pauschalen Aussagen quälten. Als die Kinderärztin Dr. Maria Bea Merscher Merz live „menschenverachtende“ Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen vorwarf, reichte es dem Kanzler und er knöpfte sich die 39-jährige Alleinerziehende vor.

Mit diesem Auftritt hat sich der Kanzler nicht beliebt gemacht: Friedrich Merz bei der RTL-Sendung „Am Tisch mit Friedrich Merz“© Sebastian Christoph Gollnow/dpa | Sebastian Christoph Gollnow
Ja, dieser Vorwurf der Ärztin war überzogen. In einem der teuersten Gesundheitssysteme der Welt muss man sparen dürfen, damit es nicht in die Knie geht. Aber Merz schaltete von Null auf Frontalangriff auf die Kinderärztin, was bei vielen Zuschauerinnen und Zuschauern gar nicht gut ankam, in den Kommentaren zur Sendung bekam es der Kanzler ordentlich ab.
Die Merz-Berater werden einen ordentlichen Schrecken bekommen haben und vor der nächsten Talkshow besser eine Resilienz-Session ansetzen. Merz hätte vor laufenden Kameras auch einen knuffigen Hundewelpen treten können – die Wirkung beim Publikum wäre in etwa die gleiche gewesen.
Ärztechef über Einsparungen

Dr. Klaus Reinhardt setzt auf eine stärkere Primärvorsorge© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen
Wie hart treffen die Sparmaßnahmen unser Gesundheitssystem wirklich und wo spüren Patientinnen und Patienten die Maßnahmen am härtesten? Wir sprachen dazu mit einem, der sich bestens auskennt: Dr. Klaus Reinhardt, Facharzt für Allgemeinmedizin und Präsident der Bundesärztekammer. Er plädiert dafür, dass Kranke zuerst zum Hausarzt gehen und kritisiert: „Besonders schwierig finde ich, dass die geplanten Sparmaßnahmen auch Leistungen der Krankheitsvorbeugung und Früherkennung betreffen“. Hier lesen Sie die ganze Analyse dieses ausgewiesenen Fachmanns.

Jörg Quoos.
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SPD-Chefin findet SPD nicht sexy genug
Neben dem CDU-Chef ist auch die SPD-Chefin gewaltig unter Druck. Bärbel Bas sitzt einer Partei vor, die in der letzten Legislatur als Regierungspartei den Kanzler stellte und in Umfragen jetzt bei gut 12 Prozent dümpelt. In Sachsen-Anhalt kämpft sie übernächsten Sonntag sogar mit der 5-Prozent-Hürde. Kurzum: Es geht um nicht weniger als das Überleben der ältesten deutschen Volkspartei, und Bärbel Bas geht mit der Krise erstaunlich offen um.
In unserem Exklusiv-Interview benennt sie das größte Problem der SPD: „An einigen Stellen denkt die SPD noch sehr in herkömmlichen Beschäftigungsmodellen: Man macht eine Ausbildung, arbeitet 40 Jahre in einem Unternehmen und geht dann in Rente. Das ist aber nicht mehr der Weg junger Menschen in einer Welt, die sich auch durch Künstliche Intelligenz stark verändert. Die Antworten der SPD sind für diese Generation wirklich nicht sexy genug“.
Bärbel Bas erkennt, dass es bei den Wahlen auch um ihr Amt geht, und sagte meinen Kollegen Jan Dörner und Dominik Bath: „Die Wahlen im September sind richtungsweisend, auch für uns als Vorsitzende. Da bin ich realistisch, es ist wie beim Fußball: Wenn es nicht läuft, wird über den Trainer diskutiert.“
Da ich keinen Trainer kenne, der einen Tabellenabsturz wie den von Bärbel Bas und Lars Klingbeil überlebt hat, ist dieses Bild, das die SPD-Vorsitzende und Fußballkennerin wählte, ziemlich dramatisch. Und Bärbel Bas weiß genau, wovon sie spricht. Bei ihrem Herzensclub, dem MSV Duisburg, gab es seit 2020 elf Trainer. Hier finden Sie das komplette Interview mit der SPD-Chefin.
Erpresser hacken Berlin
Die Hauptstadt wurde von kriminellen Hackern erfolgreich angegriffen. Das war die bittere Botschaft des (Noch-)Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner heute am späten Nachmittag nach der Krisensitzung des Senats mit den Sicherheitsbehörden. Bereits am 7. August waren erste Daten aus dem Landesnetz Berlin abgeflossen, entdeckt wurde der Angriff erst am 14. August.
Die Attacke auf Berlin ist laut Wegner weiterhin „ernst“, Wohngelder können derzeit nicht ausgezahlt werden. Laut Bürgermeister sollen „keine sensiblen Daten“ abgeflossen sein. Auch die Wahlscheine für die Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September können nach einer eintägigen Störung wieder abgerufen werden. Ein Grund zur Wahlanfechtung ist dieser Zwischenfall laut Innensenatorin Iris Spranger nicht.
Was der Regierende nicht berichtete: Die Hauptstadt wurde nicht nur angegriffen, sie wird von Kriminellen auch erpresst. Das erfuhr ein Kollege von unserer BERLINER MORGENPOST aus Kreisen der Verwaltung. Mittlerweile wurde die Erpressung auch offiziell bestätigt. Unklar ist, was die Erpresser genau fordern.
Ich wünsche Ihnen ein erholsames und sicheres Wochenende,
herzlich, Ihr
Jörg Quoos
Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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