Diese Kölner opfern ihre Freizeit für uns: Darum engagieren sie sich ehrenamtlich beim THW


Es ist gar nicht so einfach, das Anschlagstück an den Schäkel des Fahrzeugs zu machen, sagt Michael Ciupke. Für Fachfremde heißt das: die Halterung am Fahrzeug befestigen, wo später ein Stahlseil drankommt. "Das ist mit den klobigen Handschuhen schwierig, weil die Finger zu groß sind. Die kommen da nicht so gut rein."

Eine Aufgabe im Grundkurs des THW Köln-Nord-West am Samstag: ein schweres Fahrzeug bewegen. Dazu lernen die Auszubildenden, welche Geräte und Maschinen sie dafür brauchen und wie das Ganze technisch funktioniert. Seit Januar machen sie ihre Grundausbildung, um später ehrenamtlich beim THW zu helfen.

"Ich habe festgestellt, dass ich viel meiner Freizeit mit nicht sinnstiftenden Tätigkeiten verbringe, und das wollte ich gerne ändern. Auch wegen der großen Katastrophen, die wir in den letzten Jahren gesehen haben, finde ich es wichtig, solche Arbeiten zu machen", sagt der 34-Jährige, der sonst bei der Deutschen Bahn eher im Büro arbeitet.

Vom Büro an die großen Geräte

Bevor es nach draußen geht, fängt der Grundkurs am Morgen mit einem Frühstück und einem kleinen Theorieblock an. Das Thema des Tages: schwere Lasten bewegen. Einmal im Monat lernen die 14 Neuzugänge einen Themenbereich für ihren späteren Einsatz. Es ist einer der letzten Termine, nächsten Monat findet die Prüfung statt.

Jennifer Graf aus Köln freut sich schon darauf. Für sie ist das Ehrenamt beim THW nicht nur ein Beitrag zur Gesellschaft, sondern auch eine gute Ergänzung zu ihrem größtenteils theoretischen Job – passend beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: "Es macht total viel Spaß und ist eine super Sache. Ich mag, dass es so technisch ist und man super viel lernt."

Arbeitgeber müssen THW-Einsatz zulassen

Nach den Grundinfos und der Sicherheitsanweisung geht es raus auf den Hof. Die Teilnehmer ziehen ihre Schutzausrüstung an. Dazu gehören unter anderem Jacke, Helm und Handschuhe. Danach werden die Geräte vorgestellt und erklärt. Susanne Ankersdorfer schaut sich mit den anderen zum Beispiel einen Klappkloben an. Für die Anwältin geht es beim THW auch darum, in Extremsituationen nicht hilflos zu sein – die aber hoffentlich nicht eintreten werden.

"Wenn es mal Krieg gibt in Deutschland – was hoffentlich nie sein wird –, will ich irgendwas hinbekommen und machen können, was hilft." Susanne Ankersdorfer

Wenn sie mit der Ausbildung fertig ist und im Einsatz gebraucht wird, kann sie auch länger bei der Arbeit fehlen. Beim THW Köln Nord-West kann es mehr als 20 Einsätze im Jahr geben – die dauern zum Teil länger als eine Woche.

"Mein Chef findet das gut, er ist selbst Reserveoffizier", sagt Ankersdorfer. Rein rechtlich müssen Arbeitgeber Ehrenamtler vom THW im Notfall in der Regel freistellen, heißt es im THW-Gesetz. Das Unternehmen kann sich den Lohn für die ausgefallene Arbeitszeit aber vom Bund erstatten lassen.

Ehrenamt kann hart werden

Die verschiedenen Geräte und den Ablauf der Übungen erklärt Philip Sendrowski. Er ist jetzt seit acht Jahren beim THW. Seit seiner Kindheit engagiert er sich ehrenamtlich. "Ich wurde so erzogen – in einem Umfeld, in dem Menschen immer was für andere gemacht haben", sagt er. Das Ehrenamt macht ihm Spaß, die Einsätze können es aber in sich haben.

Nach der Flut im Ahrtal war er vor Ort. "Die Situationen sind meistens nicht schön und man muss diesen Spagat im Kopf aushalten: Es kann sein, dass ich mit Dingen konfrontiert werde, die mich auch noch länger beschäftigen werden."

Jennifer Graf fühlt sich auf jeden Fall gut vorbereitet auf die Einsätze – und versucht das auch immer ihrer Mutter zu erklären: "Meine Mutter ist, wie Mütter sind, die macht sich immer sehr viele Gedanken. Wenn ich ihr erzähle, was wir hier lernen, dann ist sie ein bisschen beruhigter", sagt Graf und lacht.

Respekt vor Kriseneinsätzen – und der Prüfung

Zurück beim Wagen. Michael Ciupke hockt vor dem Fahrzeug, um alle Teile und Gerätschaften für die Übung anzuschließen. Die Ausbildung macht bis jetzt Spaß und natürlich würde er auch gerne einmal in einen Einsatz gehen – aber richtig Bock? "Ich habe mit Sicherheit Respekt, auf gar keinen Fall Bock. Natürlich ist es besser, wenn nichts passiert. Angst habe ich nicht davor, eher wirklich Respekt", sagt er.

Mittlerweile ist alles vorbereitet, um den anderen Wagen zu bewegen. Jeder darf das Seil einmal auf Spannung ziehen. Der Auf- und Abbau der Geräte ist auch prüfungsrelevant. Ciupke greift an die Stange und hebelt mehrmals am Greifzug. Und tatsächlich: Der tonnenschwere Wagen bewegt sich.