Warum Rauchen nicht auf allen Spielplätzen verboten ist
AUDIO: Warum gibt es kein generelles Rauchverbot auf Spielplätzen? (3 Min)
Nichtraucherschutz
Stand: 11.09.2026 13:21 Uhr
Rauchen und auch Passivrauchen ist für Kinder nochmal deutlich schädlicher als für Erwachsene. Trotzdem gilt auf Spielplätzen in Mitteldeutschland kein generelles Rauchverbot. MDR AKTUELL-Hörer Mario Buchholz aus Leipzig fragt sich, woran das liegt. Ihn ärgert nicht nur der Rauch, sondern vor allem auch herumliegende Zigarettenstummel, die sich gerade Kleinkinder gerne in den Mund stecken.
von Marius Rudolph, MDR AKTUELL
- In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es keine generellen Rauchverbote auf Spielplätzen.
- Nicht nur der Zigarettenrauch selbst ist gesundheitsschädlich, sondern auch die in den Filtern konzentrierten Giftstoffe.
- Neben der Einführung eines Rauchverbots ist auch die deutliche Beschilderung auf Spielplätzen wichtig.
Dass es in Deutschland kein einheitliches Rauchverbot auf Spielplätzen gibt, liegt vor allem am Föderalismus. Denn Gesetze zum Nichtraucherschutz sind nicht Sache des Bundes, sondern der Länder.
In Bayern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen etwa ist Rauchen auf Spielplätzen längst per Landesgesetz verboten. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es solche Gesetze nicht. Deshalb müssen Kommunen wie die Stadt Leipzig selbst aktiv werden – und das ist bisher nicht passiert.
Wie Zigaretten Kindern schaden
Dabei sind solche Verbote sehr wichtig, betont Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum. "Tatsächlich ist es so, dass kleine Kinder besonders empfindlich auf die Giftstoffe des Tabakrauchs reagieren. Das hängt damit zusammen, dass bei kleinen Kindern die Lunge noch in der Entwicklung ist. Auch das Entgiftungssystem ist noch nicht vollständig ausgereift und deshalb sind vor allem kleine Kinder besonders gefährdet."
Bei kleinen Kindern ist die Lunge noch in Entwicklung und auch das Entgiftungssystem noch nicht vollständig ausgereift. Prof. Dr. Ute Mons, Deutsches Krebsforschungszentrum
Mons sagt zwar, dass die Belastung im Freien meist geringer sei als in Innenräumen. Je nach Bauweise der Spielplätze, kann es aber auch draußen gefährlich werden. "Je nachdem, wie die örtlichen Gegebenheiten sind, auch die Windrichtung, kann auch sein, dass Kinder in Außenbereichen eine substanzielle Belastung durch Tabakrauch haben. Insbesondere, wenn sich der Rauch ansammeln kann oder wenn sich mehrere rauchende Personen in unmittelbarer Nähe befinden."
Aber nicht nur der Rauch allein kann gefährlich werden, auch herumliegende Zigarettenstummel bergen eine oft unterschätzte Gefahr, erklärt Mons. "Wir haben Berichte aus Giftnotrufzentralen, die dokumentieren, dass es regelmäßig Anrufe von Eltern gibt, deren Kinder aus einem Aschenbecher oder auf dem Spielplatz Zigarettenstummel in den Mund genommen haben. Das Problem ist, dass sich natürlich in dem Filter der Zigaretten sehr viele Giftstoffe ansammeln." Dadurch könne es gerade bei kleineren Kindern zu deutlichen Vergiftungserscheinungen kommen.
Leipzig plant Rauchverbot auf Spielplätzen
Auch ohne Rauchverbot auf Spielplätzen gilt allerdings schon jetzt, dass Zigarettenstummel richtig entsorgt werden müssen. Sonst drohen Bußgelder. Darauf verweist unter anderem die Stadt Leipzig. Dort gibt es zwar anders als in Jena, Magdeburg und Dresden zum Beispiel noch kein Rauchverbot auf Spielplätzen. Das soll sich aber ändern: Auf Anfrage von MDR AKTUELL teilte die Stadt Leipzig schriftlich mit. "Das Amt für Stadtgrün und Gewässer erarbeitet derzeit eine Grünanlagensatzung. Diese soll ein Verbot des Rauchens auf stadteigenen Spielplätzen vorsehen. Ein solches Verbot würde die rund 320 Spielplätze erfassen, die sich im Eigentum der Stadt Leipzig befinden."
Ob in Leipzig dann auch entsprechende Verbotsschilder aufgestellt werden, steht noch nicht fest. Die sind aber wichtig, betont Krebsforscherin Mons. Denn das alleinige Verbot in Gesetzestexten reiche nicht aus. "Wir sehen, dass das oft auch gar nicht bekannt ist. Es braucht dann schon eine deutliche Kennzeichnung auf Spielplätzen. Also Rauchverbotsschilder, die dann auch wirklich deutlich sind. Idealerweise auch in mehreren Sprachen, dass diese Verbote auch tatsächlich eingehalten werden."
Wir sehen, dass das oft gar nicht bekannt ist. Es braucht schon eine deutliche Kennzeichnung auf Spielplätzen. Prof. Dr. Ute Mons
Das zeigt auch eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums, wofür verschiedene Spielplätze untersucht wurden. Dort, wo es Verbotsschilder gab, lagen am Ende deutlich weniger Zigarettenstummel als auf Spielplätzen ohne Schilder.
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