Was ist der Unterschied zwischen Erntedank und Thanksgiving?


Stand: 04.10.2026, 14:02 Uhr

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Im Herbst feiern Menschen weltweit Dankbarkeit für die Ernte. Erntedank in Deutschland und Thanksgiving in den USA wirken ähnlich – doch Geschichte, Rituale und Speisen unterscheiden sich deutlich, und ihre Bräuche könnten kaum unterschiedlicher sein.

München – Die Freude über eine reiche Ernte findet in vielen Religionen ihren Ausdruck. Im jüdischen Festkalender gibt es Mazzot, das Fest der ungesäuerten Brote, oder Sukkot, das Laubhüttenfest.

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Im christlichen Rom wurden die Herbst- und Winterquatember mit dem Erntedank verbunden, indem die Priester und der Papst besondere Predigten hielten.

Was ist der Unterschied zwischen Erntedank und Thanksgiving?

Was ist der Unterschied zwischen Erntedank und Thanksgiving? © IMAGO/Jens Schulze

Was ist der Unterschied zwischen Erntedank und Thanksgiving?

Am ersten Sonntag im Oktober feiern die christlichen Kirchen Erntedank. In den US-amerikanischen Familien wird hingegen am vierten Sonntag im November zum Thanksgiving-Fest eingeladen. Worin unterscheiden sich der Feiertag und das Fest? Und welchen Ursprung haben die Feierlichkeiten? 

Beide Feste haben einen sehr unterschiedlichen historischen Ursprung:

Erntedank: In Deutschland hat das Erntedankfest eine lange Geschichte und wurde bereits im 3. Jahrhundert gefeiert. Ursprünglich ein heidnischer Brauch, wurde es später von der christlichen Kirche übernommen. Bis heute hat das Fest eine religiöse Bedeutung

Thanksgiving: Das Fest von Thanksgiving hat in den USA hat ebenfalls einen historischen Hintergrund. Als die Pilgerväter bei Plymouth Rock in Massachusetts landeten, feierten sie zusammen mit den einheimischen Wampanoag im Herbst 1621 ein dreitägiges Erntedankfest. Ohne deren Hilfe hätten sie den folgenden Winter nicht überlebt. Etwa 90 Wampanoag und 50 Kolonisten sollen an dieser Feier teilgenommen haben; sie ist aber geschichtlich nicht belegt.

Für viele indigene Gemeinschaften in den USA ist Thanksgiving ein umstrittener Feiertag. Squanto, der bei den Pilgervätern als Übersetzer agierte, konnte nur deshalb Englisch sprechen, weil er zuvor von Kapitän Thomas Hunt verschleppt und nach England verkauft worden war. Später waren die Wampanoag und andere Stämme mit tödlichen Krankheiten konfrontiert, die von europäischen Siedlern eingeschleppt wurden, sowie mit gewaltsamen Eroberungen, die ihre Zahl drastisch reduzierten. Ganze Stämme wurden ausgelöscht, die Überlebenden oft in Reservaten isoliert. Für viele Nachfahren dieser Überlebenden steht Thanksgiving daher nicht für Dankbarkeit, sondern für den Beginn einer verheerenden Kolonialisierung.

Datum der Feier:

Erntedank: In Deutschland wird das Erntedankfest am ersten Sonntag im Oktober gefeiert. Damit gehört Erntedank zu den beweglichen Feiertagen. In den Kirchen wird häufig ein bunter Erntedankgottesdienst gefeiert.

Thanksgiving: In den USA wird Thanksgiving immer am vierten Donnerstag im November gefeiert. Es ist ein nationaler Feiertag und ein wichtiger Familientag, bei dem die Großfamilien sich treffen.

Speisen und Getränke

Erntedank: In Deutschland gibt es regionale Unterschiede. Oft gehören Brot, Käse, und selbstgebackener Kuchen dazu. In einigen Regionen sind auch Erntekronen üblich. Oft werden die Altäre in den Kirchen üppig geschmückt mit Erzeugnissen der Ernte.

Thanksgiving: Beim Thanksgiving-Essen steht in den USA der gebratene Truthahn im Mittelpunkt. Dieser wird oft mit Beilagen wie Kartoffelpüree, Soße, Kürbiskuchen und Preiselbeersauce serviert.

Religiöse Bedeutung:

Erntedank: In Deutschland ist das Erntedankfest mit der christlichen Tradition verbunden. Nach dem christlichen Verständnis gehören das Danken und Teilen zusammen. Erntedank-Gottesdienste sind daher oft mit einer Solidaritätsaktion zugunsten notleidender Menschen verbunden.

Thanksgiving: Thanksgiving hat zwar religiöse Wurzeln, hat aber heute eine stärker säkulare Ausrichtung. Es ist eher ein Fest des Dankens im Allgemeinen und weniger ein religiöses Ritual.

Historische Prägung

Erntedank: Das Erntedankfest in Deutschland hat im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Veränderungen durchlaufen und wird von regionalen Bräuchen beeinflusst. Thanksgiving: Thanksgiving in den USA wurde von Präsident Abraham Lincoln 1863 zum nationalen Feiertag erklärt..