(+) Was macht eine Affärenberaterin? Und was empfiehlt sie Paaren?


Hamburg

Was macht eine Affärenberaterin? Und was empfiehlt sie Paaren?

Silke Setzkorn hilft bei wichtigen Entscheidungen: Bleiben oder gehen?
Florian Quandt

Es geht bei heimlichen Liaisons nicht immer nur um Sex – ein Gespräch mit Silke Setzkorn über heimliches Fremdgehen und mächtige Männer.

Ihr Job ist ungewöhnlich. Als Affärenberaterin hat Silke Setzkorn es mit Menschen zu tun, bei denen Paartherapien versagt haben und die teilweise schon seit Jahren eine Affäre vor ihrem Ehepartner verbergen. Zu ihr kommen hauptsächlich Männer aus der obersten Managementebene und Politiker, denen sie hilft, zu entscheiden – zwischen ihrer langjährigen Partnerin und ihrer Liaison. Im MOPO-Interview berichtet sie, warum Menschen Affären eingehen (es geht nicht immer nur um Sex), was sie Betroffenen rät und wie man verhindern kann, dass es überhaupt erst so weit kommt.

MOPO: Frau Setzkorn, wenn Sie jemandem auf einer Party Ihren Beruf erklären müssten, was würden Sie sagen?

Silke Setzkorn: Mein Job ist zu verhindern, dass Ehemänner, -frauen und Geliebte nicht noch ein weiteres Jahr in einer schlechten Affären-Situation feststecken. Ich arbeite mit ihnen heraus, ob sie gehen oder bleiben sollten. Ich treffe keine Entscheidungen, sondern ich helfe dabei, indem ich alle Karten gemeinsam mit dem Klienten auf den Tisch lege. Ausgebildet wurde ich als Heilpraktikerin für Psychotherapie, systemisch-psychologische Beraterin und mache aktuell eine Ausbildung zur systemisch-psychologischen Mediatorin.

Wer kommt zu Ihnen in die Beratung?

Früher waren es hauptsächlich die Geliebten, heute sind es vor allem verheiratete Männer aus der obersten Managementebene, die Affären haben. Häufig sind es Menschen, die im Alltag ständig und schnell Entscheidungen treffen müssen, es aber an dieser Stelle nicht können. Die meisten finden mich über Google, LinkedIn oder meinen Podcast. Da ich per (Video-)Telefonat berate, kann ich weltweit unterwegs sein – ich habe Kunden in New York, Spanien und Skandinavien, aber hauptsächlich im deutschsprachigen Raum.

Wie schaffen Sie es bei diesem heiklen Thema, nicht zu werten?

Für mich ergibt alles, was Menschen tun, auf irgendeine Art Sinn. Zu mir kommen Menschen, die häufig schon eine Paartherapie hinter sich haben und einfach nicht weiter wissen. Ich bin nicht moral- oder wertfrei. Die meisten rutschen in diese Situation rein und ich helfe ihnen, diese zu sortieren.

Nehmen Sie uns mit: Wie läuft so ein Gespräch mit Ihnen ab?

Sagen wir, es kommt ein verheirateter Mann in meine Beratung. Ich habe über die Jahre einen langen Fragenkatalog entwickelt: Was empfinde ich wirklich, was war da mal für meine Frau, was bräuchte es, um wieder auf dieses Level zu kommen, was verbindet uns noch und was ist Projektion und so weiter. Ähnliche Fragen stelle ich dann in Bezug auf die Geliebte. In manchen Fällen gefällt die Beratung den Männern so gut, dass sie noch mal mit ihrer Affäre oder sogar mit der Ehefrau kommen, wenn sie von der Affäre weiß. Ich berate alle Parteien.

Und was sagen Sie der Geliebten?

Viele leiden unglaublich und müssen aus dieser Situation raus. Denen rate ich ganz klar zu gehen. Manche sind aber emotional stabil, sodass sie das noch etwas weitermachen können, um eine Struktur ins Miteinander zu bekommen. Meine Empfehlung ist aber, so etwas nicht über Jahre laufen zu lassen.

Warum fällt Menschen diese Entscheidung zwischen Gehen und Bleiben oft so schwer – wieso beenden sie ihre Ehe nicht einfach, wenn sie so unglücklich sind?

Manchmal wird unterschätzt, welche Sicherheit einem das System Ehe gibt. Sich aus einer langfristigen Beziehung zu lösen, braucht Zeit. Und dann sind da natürlich noch die alten gesellschaftlichen Erwartungen: Männer hatten nicht zu gehen, weil sie die Familie versorgen mussten, und Frauen nicht, weil eine Trennung existenzbedrohend war. Das sitzt tief. Viele Ehefrauen drohen auch, ihrem Mann alles zu nehmen, wenn er geht.

Wieso entstehen Affären?

Viele entstehen in der zweiten Lebenshälfte. Ich sage immer, in der ersten sucht man einen Projektpartner: jemanden, mit dem man Haus, Kinder, Familie und so haben kann. Die Gefahr, sich irgendwo auf diesem Weg zu verlieren, ist groß. In der zweiten Lebenshälfte sucht man jemanden zum Ankommen, jemanden für echte Intimität, ein neues Lebensgefühl.

Sind das, wie das Klischee sagt, dann meistens junge Frauen – und geht es um Sex?

Nein, die Geliebten aus meiner Beratung kommen aus allen Altersgruppen, teils sind sie auch älter als der Mann. Und in den allermeisten Fällen geht es nicht um Lust oder Sexualität, sondern um echte Verbindung. 

Es gibt aber auch Affären in der ersten Lebenshälfte.

Das sind oft Ausbrüche aus einem zu konservativ wahrgenommenen weiteren Lebensweg. Haus, Hof, Kind: All das kann Ängste auslösen und die Aussicht, bis ans Lebensende mit diesem einen Menschen zusammen zu sein, kann furchtbar unter Druck setzen.

Wie kann man das verhindern?

Freiheiten sind wichtig. Damit meine ich nicht eine offene Beziehung, sondern vor allem Freiheiten in der persönlichen Entwicklung: den Partner mal alleine ins Ausland gehen lassen zum Beispiel, ihn seinen Leidenschaften nachgehen lassen.

Was sind die schönen Momente in Ihrem Job?

Wenn Menschen am Ende einer Beratung sagen, dass sie endlich klar sind.