Das unterschätzte Phänomen: Wie Ihre Geräte die Wohnung aufheizen


Was tun bei Hitze in der Wohnung? Wie Sie ihre Räume im Sommer kühl halten

Stand: 13.07.2026, 20:55 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Wenn draußen die 30-Grad-Marke geknackt wird, wird die eigene Wohnung zur Sauna. Mit den richtigen Tricks bleibt es drinnen trotzdem erträglich – ganz ohne teure Klimaanlage.

München – Der Sommer ist da, eine weitere Hitzewelle nimmt Anlauf – und mit ihr die Hitze in der Wohnung. Während manche die warmen Temperaturen genießen, werden heiße Tage für viele Menschen zu einer echten Belastung, insbesondere dann, wenn die eigenen vier Wände nicht mehr abkühlen. Dachgeschosswohnungen, Zimmer mit großen Fensterflächen oder schlecht gedämmte Altbauten heizen sich besonders stark auf – mit der Folge, dass selbst die Nächte kaum noch Erholung bringen.

Balkon einer Wohnung in einem Rotklinker-Gebäude in Hamburg-Barmbek (Symbolbild)

Rollläden, richtiges Lüften, Wärmequellen abschalten: Wer ein paar einfache Regeln befolgt, hält seine Wohnung auch bei extremer Hitze angenehm temperiert (Symbolbild). © Chris Emil Janßen (Symbolbild)

Das Problem: Ist die Raumtemperatur erst einmal deutlich angestiegen, lässt sie sich ohne Klimaanlage nur noch schwer senken. Der entscheidende Ansatz lautet daher nicht Kühlen, sondern Vorbeugen. „Das Geheimnis ist, die Hitze erst gar nicht hereinzulassen“, erklärt Inse Ewen, Energieberaterin bei der Verbraucherzentrale Bremen. Am wirksamsten ist dafür eine Kombination aus richtigem Sonnenschutz, konsequentem und richtigem Lüften.

Wohnung im Sommer abkühlen: Alles eine Frage des Timings

Die naheliegendste Idee bei Hitze – Fenster aufreißen und Durchzug schaffen – ist tagsüber meist kontraproduktiv. Wenn es draußen wärmer ist als drinnen, strömt mit der Luft noch mehr Hitze in die Wohnung. Die richtige Regel lautet: Fenster nur öffnen, wenn die Außenluft kühler ist als die Raumluft. Das ist typischerweise in den frühen Morgenstunden, am späten Abend oder nachts der Fall.

Dann sollte man konsequent handeln: Mehrere Fenster gleichzeitig öffnen, Durchzug herstellen und ausgiebig lüften. Tagsüber bleiben Fenster und Rollläden dagegen möglichst geschlossen. Für Menschen, die tagsüber zu Hause bleiben, entsteht dabei ein Zielkonflikt: Bei geschlossenen Fenstern steigen CO₂-Wert und Luftfeuchtigkeit in der Wohnung, was besonders bei älteren oder empfindlichen Personen zu Müdigkeit oder Kreislaufproblemen führen kann. In solchen Fällen empfiehlt es sich, auch tagsüber kurz und stoßweise zu lüften.

Außenliegender Sonnenschutz: Die wirksamste Maßnahme

Der größte Hebel gegen Hitze in der Wohnung ist ein außenliegender Sonnenschutz. Außenjalousien, Rollläden oder Fensterläden halten einen Großteil der Sonnenstrahlung bereits vor der Fensterscheibe ab, bevor sie überhaupt Wärme ins Rauminnere abgeben kann. Innenliegende Vorhänge oder Jalousien dunkeln zwar ab, verhindern aber nicht, dass sich das Fensterglas aufheizt und Wärme in den Raum abstrahlt – sie sind daher deutlich weniger wirksam.

Die Verbraucherzentrale Bremen empfiehlt zusätzlich: Für dauerhaft besonnte Südfenster eignet sich spezielles Sonnenschutzglas. Auch Dachvorsprünge, Markisen und sogar begrünte Fassaden oder Bäume und Sträucher können den Wärmeeintrag durch Verschattung wirksam reduzieren. Als Sofortmaßnahme haben sich auch silbrig glänzende Rettungsdecken als hilfreich erwiesen, die von außen mit der Silberseite zur Sonne hin am Fenster befestigt werden können – auch wenn dafür teilweise die Zustimmung des Vermieters nötig ist.

Unnötige Wärmequellen in der Wohnung abschalten

Ein oft unterschätzter Faktor: die eigenen Geräte. Backofen, Herd, Wäschetrockner, leistungsstarke Computer, Spielkonsolen und ältere Leuchtmittel wie Halogen- oder Glühlampen geben im Betrieb erhebliche Mengen Wärme an die Raumluft ab. An heißen Tagen sollten diese Geräte so weit wie möglich außer Betrieb bleiben oder nur in den kühleren Abend- und Nachtstunden genutzt werden.

Auch massive Böden aus Stein, Keramikfliesen oder Beton können nach Angaben des rbb24 dazu beitragen, Wärme aus der Luft zu ziehen und die Raumtemperatur etwas zu dämpfen – sie speichern die Kühle und geben sie langsam an den Raum ab.

Ventilator und Klimagerät: Was hilft wirklich?

Eines muss klar sein: Ein Ventilator senkt die Raumtemperatur nicht. Er bewegt lediglich die Luft, was dazu führt, dass Schweiß schneller verdunstet und sich die Haut dadurch kühler anfühlt. Das kann das subjektive Hitzegefühl deutlich verringern – aber die Thermometeranzeige bleibt, wo sie ist. Ein cleverer Trick: Abends, wenn es draußen kühler ist als drinnen, kann ein Ventilator im Fenster die warme Raumluft gezielt nach außen befördern, während über ein zweites geöffnetes Fenster kühlere Außenluft nachströmt.

Mobile Klimageräte können einen Raum tatsächlich herunterkühlen – allerdings nur dann effizient, wenn die warme Abluft konsequent nach außen abgeführt wird. Ohne dicht installierten Abluftschlauch verpufft ein Großteil der Kühlleistung. Zudem warnt die Verbraucherzentrale Bremen: Mobile Monogeräte verbrauchen für die gleiche Kühlleistung deutlich mehr Strom als fest eingebaute Split-Geräte – mehrere Hundert Euro Stromkosten in einem Sommer sind schnell erreicht. Wer nicht auf Kühlung verzichten möchte, sollte daher ein von einer Fachfirma fest eingebautes Splitgerät bevorzugen. Auch hier sollte vorher der Vermieter gefragt werden.

Internet-Hacks: Was kurzfristig hilft – und was nicht

Im Netz kursieren zahlreiche Tipps, von denen einige zumindest kurzfristig das Hitzegefühl lindern können. Gefrorene Wasserflaschen vor dem Ventilator lassen den Luftstrom vorübergehend kühler wirken, senken aber kaum die Raumtemperatur. Ein feuchtes Handtuch oder Bettlaken kann durch Verdunstung kurzfristig für ein frischeres Raumklima sorgen – jedoch steigt dadurch die Luftfeuchtigkeit, was die Hitzebelastung in schlecht belüfteten Räumen eher verschlimmert und langfristig Schimmel begünstigen kann. Auch das kurze Kühlen von Bettwäsche im Kühlschrank oder Gefrierfach kann das Einschlafen erleichtern – der Effekt hält aber nur wenige Minuten an.

Langfristig: Dämmung schützt im Sommer und Winter

Wer dauerhaft von kühlen Räumen im Sommer profitieren möchte, kommt an einer baulichen Maßnahme kaum vorbei: einer guten Wärmedämmung. „Im Sommer hält sie die Hitze draußen, im Winter die Wärme im Haus“, erklärt Energieberaterin Inse Ewen von der Verbraucherzentrale Bremen. Besonders wichtig sind die Dämmung der Außenwände und des Dachs. Bei einem ungedämmten Einfamilienhaus entweicht mehr als die Hälfte der Heizenergie über Keller, Außenwände und Dach – und umgekehrt dringt im Sommer über dieselben Wege die Hitze ein.

Der große Energiespar-Ratgeber

Mit unserem Ratgeber erhalten Sie die wichtigsten Tipps, wie Sie effizient Energie in den eigenen vier Wänden und somit bares Geld sparen können. Von Heizung und Warmwasser bis hin zu Strom erhalten Sie hier einen umfangreichen Überblick.

Laden Sie sich den Ratgeber HIER kostenlos runter.

Laden Sie sich unseren umfangreichen Energiespar-Ratgeber kostenlos als PDF herunter.

Laden Sie sich unseren umfangreichen Energiespar-Ratgeber kostenlos als PDF herunter. © IPPEN.MEDIA

Wer Material mit hoher Wärmespeicherkapazität verbaut hat – etwa Mauerwerk, Beton oder mehrlagige Bauplatten – profitiert davon, dass die Räume träger auf Temperaturschwankungen reagieren und dadurch tagsüber länger kühl bleiben. Für alle, die Sanierungsmaßnahmen planen: Bis zu 20 Prozent Bargeldzuschuss sind laut Verbraucherzentrale Bremen für Dämmmaßnahmen oder Fensteraustausch möglich, hinzu kommen regionale Förderprogramme. (Quellen: Verbraucherzentrale Bremen, rbb24, BR24, eigene Recherche) (str)