Wegen Milei ruft Brasilien Botschafter in Argentinien zurück


Am Wochenende hatte Argentiniens Staatschef Javier Milei einen umstrittenen Auftritt bei der Nominierung des rechtsgerichteten brasilianischen Präsidentschaftskandidaten Flávio Bolsonaro hingelegt. Kurz danach beorderte Brasilien seinen Botschafter in Buenos Aires zu Konsultationen zurück.

Wie die Regierung in Brasília mitteilte, wurde zudem der argentinische Botschafter ins brasilianische Außenministerium einbestellt. Der diplomatische Eklat gilt als der schwerwiegendste zwischen den beiden südamerikanischen Nachbarländern seit Jahrzehnten.

Was war passiert?

Beim Nominierungs-Parteitag der Liberalen Partei (PL) von Bolsonaro in São Paulo hatte Milei Brasiliens linken Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva scharf kritisiert. Milei bezeichnete Lula als "Dieb" und "Häftling". Zudem rief er dazu auf, dem "sozialistischen Abschaum" in Lateinamerika den Rücken zu kehren.

Milei beschimpfte auch den Richter am Obersten Gericht Brasiliens, Alexandre de Moraes - er bezeichnete ihn als "glatzköpfigen Abschaum". Weder Lula noch Moraes nannte der argentinische Präsident in seiner Tirade beim Namen.

Alexandre de Moraes (12.12.2025)
Richter Moraes hatte Argentiniens Präsidenten Milei einen Besuch bei Brasiliens Ex-Präsident Jair Bolsonaro untersagt (Archivbild)Bild: Leco Viana/TheNEWS2/ZUMA/picture alliance

Brasiliens Außenministerium warf Milei vor, den brasilianischen Staatschef, weitere staatliche Institutionen, das brasilianische Volk und die Demokratie des Landes attackiert zu haben. Es gebe keinen vergleichbaren Fall, bei dem ein ausländischer Präsident auf brasilianischem Boden derart viele Angriffe gegen den Staatschef und andere Institutionen gerichtet habe. 

Milei legt nach    

Brasiliens Außenminister Mauro Vieira beorderte Botschafter Julio Bitelli zu Konsultationen zurück. Anschließend wurde der argentinische Botschafter Daniel Raimondi ins Außenministerium in Brasília einbestellt. In der Diplomatie sind die Rückholung des eigenen Botschafters zu Konsultationen und die Einbestellung eines ausländischen Botschafters starke Zeichen des Missfallens oder Protests gegenüber der anderen Regierung.

Milei legte am Sonntag nach. Im argentinischen Radiosender Mitre behauptete er ohne Belege, die brasilianische Regierung habe ein Viertel der Mittel für eine "antiargentinische Kampagne" bereitgestellt.

Daran seien auch "progressive Köpfe" aus Mexiko und der Demokratischen Partei der USA beteiligt gewesen. Anhänger Lulas hätten zudem bereits im argentinischen Präsidentschaftswahlkampf 2023 gegen ihn gearbeitet. 

Richter Moraes hatte Milei Besuch bei Jair Bolsonaro untersagt   

Lula sagte bei einer Gewerkschaftsveranstaltung, er werde weiterhin "ohne Einmischung von irgendjemandem" regieren. "In Brasilien akzeptieren wir nicht, dass jemand seine Nase in Dinge steckt, in denen er nichts zu suchen hat", sagte er, ohne Milei ausdrücklich zu nennen.

Brasiliens Präsident Lula da Silva mit Strohhut (22.07.2026)
Verbat sich die Einmischen von außen: Brasiliens Präsident Lula da SilvaBild: Eraldo Peres/AP Photo/dpa/picture alliance

Der Präsident des Obersten Gerichts, Edson Fachin, kritisierte Mileis "respektlose Äußerung" über Moraes. Solche Aussagen seien unvereinbar mit dem Anstand, der die Beziehungen zwischen Staaten prägen müsse.     

Moraes hatte Milei einen Besuch bei Jair Bolsonaro untersagt. Der frühere Präsident verbüßt eine mehr als 27-jährige Haftstrafe und befindet sich derzeit aus gesundheitlichen Gründen im Hausarrest. Flávio Bolsonaro ist der Sohn von Jair Bolsonaro.

Beziehung zwischen Milei und Lula stark angespannt

Milei hatte bei der Kür von Flávio Bolsonaro als Kandidat für die Wahl im Oktober an die Brasilianer appelliert, sich aus einer "Unterwerfung unter die Linke" zu befreien.

Die Beziehungen zwischen Milei und Lula sind stark angespannt. Beide begegneten sich zwar bei internationalen Treffen, führten aber noch kein bilaterales Gespräch. Bei seiner bislang letzten Argentinien-Reise 2025 besuchte Lula stattdessen die frühere Präsidentin und heutige Oppositionspolitikerin Cristina Fernández de Kirchner, die sich wegen Korruption im Hausarrest befindet. Brasilien ist die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas und der wichtigste Handelspartner von Nachbarland Argetinien.

Lula will sich im Oktober als Kandidat der linken Arbeiterpartei PT zur Wiederwahl stellen. Milei ist einer der prominentesten Vertreter der politischen Rechten in Lateinamerika.

pg/AR (dpa, afp)