Weil Trumps Name nicht an die Fassade darf: US-Präsident lässt renommiertes Kennedy Center „sofort“ schließen
Stand: 15.09.2026, 22:23 Uhr
Ein Bundesrichter entschied: Nur der Kongress darf den Namen des Kennedy Centers ändern. Trumps Reaktion folgt prompt: Die Kultureinrichtung wird geschlossen.
Washington, D.C. – Washingtons größte öffentliche Kultureinrichtung – das Kennedy Center – wird nach Angaben von US-Präsident Donald Trump „sofort“ geschlossen. Der Verwaltungsrat der Kulturstätte habe dies am Dienstag nahezu einstimmig beschlossen, schrieb Trump in seinem Onlinedienst Truth Social. Er begründete dies mit der Sicherheit des Gebäudes und „sehr umfangreichen und komplexen“ Renovierungsarbeiten, die jedoch erst später beginnen sollten.

Zur Voraussetzung für die Renovierung machte Trump, dass sein eigener Name an der Fassade des Gebäudes angebracht wird. Ein US-Bundesrichter hatte dies zuvor erneut verweigert. Der Richter begründete den Schritt damit, dass der Kongress dem Kennedy Center einst seinen Namen gegeben habe. Folglich dürfe auch nur das US-Parlament diesen ändern. Dagegen legte das Kennedy Center Berufung ein, über die in der Hauptsache bislang nicht entschieden worden ist.
Kampf gegen „anti-amerikanische Propaganda“: Trump will seinen Namen am Kennedy Center
Das von Trump eingesetzte Gremium war zuvor vor Gericht damit gescheitert, Trump in den Namen der Einrichtung mit aufzunehmen und diesen auch an der Fassade zu ändern. Das mit Trump-Vertrauten gespickte Komitee kündigte daraufhin an, eine andere Würdigung an der Fassade anzubringen: „Von Donald J. Trump renoviert und restauriert“. Doch auch dem schob der Richter am Dienstag einen Riegel vor. Kurz darauf stimmte das Gremium für die Schließung.
In dem Bau des Kennedy Centers am Fluss Potomac im Herzen Washingtons werden traditionell alle Genres von Theater, Tanz und Musik gezeigt. Das Haus wurde nach dem früheren Präsidenten John F. Kennedy (1917–1963) benannt.
Im Dezember 2025 war das Kennedy Center in Trump Kennedy Center umbenannt worden, nachdem Trump kurz nach seinem Amtsantritt im Januar 2025 die Einrichtung unter seine Kontrolle gebracht und einen Kampf gegen „anti-amerikanische Propaganda“ in der Kulturwelt angekündigt hatte. Er entließ mehrere Mitglieder des Kuratoriums und übernahm den Vorsitz. Die Umbenennung führte zu großem Protest; Künstlerinnen und Künstler sagten Auftritte ab.
Kennedy Center droht der Bankrott
Wie die Washington Post am Sonntag berichtete, droht dem traditionsreichen Kulturzentrum unter anderem wegen fehlender Einnahmen inzwischen der Bankrott. Laut der Zeitung beliefen sich die Einnahmen des Zentrums im vergangenen Geschäftsjahr auf nur etwa 124 Millionen Dollar (107 Millionen Euro), geplant waren 220 Millionen Dollar. Zudem wurde das Gebäude Anfang des Monats bei einem schweren Sturm beschädigt.
Dem Bericht zufolge warnen die Verantwortlichen davor, dass das Zentrum binnen weniger Wochen „möglicherweise nicht mehr in der Lage sein könnte, Gehälter zu zahlen oder Verträge für routinemäßige Instandhaltungsarbeiten zu erfüllen“. Eine öffentliche Würdigung von Donald Trump hätte dem Bericht nach eventuell dazu beigetragen, Spenden zu sichern, um das Zentrum über Wasser zu halten. (Quellen: Truth Social, dpa, AFP, Washington Post) (nak)