Schweizer Wein in der Krise: «Es geht nur ums Geld»
Die Schweizer Weinbranche steckt in einer Krise. Der Konsum sinkt, die Preise für Trauben brechen ein. Philibert Frick, Winzer im Kanton Waadt, macht vor allem den Handel für die schwierige Lage verantwortlich.
Philibert Frick
Winzer
Philibert Frick ist Winzer und führt das Weingut Domaine A Villars in Bougy-Villars im Kanton Waadt. Der Spross einer Zürcher Bankiersfamilie arbeitete rund zwei Jahrzehnte in der Finanzbranche und leitete dann ein Unternehmen, das Quellwasser für Arbeitsplätze verkaufte. Mit fünfzig Jahren begann er eine Winzerlehre. Heute produziert er biologisch zertifizierte Weine und engagiert sich für die Interessen der Weinbauern.
SRF News: Sie haben eine gute Ernte hinter sich. Gleichzeitig steckt der Schweizer Weinbau in einer Krise. Wie stark spüren Sie das?
Philibert Frick: Die Preise sind in den letzten drei bis vier Jahren um 40 Prozent gesunken. Wenn man vorher schon knapp kalkuliert hat, wird es jetzt sehr schwierig. Ich habe gewisse finanzielle Reserven. Aber viele meiner Kollegen schlafen schlecht.
Der Konsum von Schweizer Wein ist 2025 zwar leicht gestiegen. Trotzdem kommen zwei von drei Flaschen Wein, die hierzulande getrunken werden, aus dem Ausland. Auch weil Schweizer Wein teuer ist.
Unser Wein ist nicht teuer. Es gibt viele Schweizer Weine für acht bis zehn Franken. Für die Arbeit, die wir leisten, ist das günstig. Das Problem ist, dass Händler mit ausländischen Weinen mehr verdienen können. Deshalb empfehlen sie diese häufiger.
Schweizer Wein in den Medien schlechtzumachen, finde ich inakzeptabel.
Sie machen den Weinhandel für die Krise mitverantwortlich. Was müsste sich ändern?
Was uns umbringt, sind rund 40 Millionen Liter Wein, die jedes Jahr mit Tanklastwagen in die Schweiz kommen. Dank der Zollkontingente beträgt der Zoll für diesen Wein nur 35 Rappen pro Liter. Ausserhalb wären es 1.05 Franken.
Schweizer Merlot-Trauben reifen in der Tessiner Herbstsonne.
Keystone / Karl Mathis
Deshalb wehren sich die Händler gegen einen stärkeren Zollschutz für Schweizer Weine. Dass sie, um ihre Interessen zu verteidigen, Schweizer Wein in den Medien schlechtmachen, finde ich inakzeptabel.
Würde ein höherer Zoll tatsächlich helfen? Der Weinkonsum sinkt ja nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit.
Natürlich muss man das Angebot an die Nachfrage anpassen. Wenn weniger Wein getrunken wird, müssen auch Rebflächen verschwinden. Aber warum sollen wir unsere Reben ausreissen, damit Händler weiterhin mit billigem ausländischem Wein hohe Margen erzielen können? Wir haben in der Schweiz hervorragende Weine und einen Weinbau mit langer Tradition.
Wir brauchen faire Bedingungen.
Die Politik hat zusätzliche Mittel für die Landwirtschaft beschlossen und die Absatzförderung für Schweizer Wein erhöht. Wieso reicht das nicht?
Weil es das Grundproblem nicht löst. Es geht nicht darum, dass wir einfach mehr Geld vom Staat wollen. Wir brauchen faire Bedingungen, damit Schweizer Wein im eigenen Land eine Chance hat.
Was macht Ihnen trotz der Krise Hoffnung?
Die Arbeit als Winzer ist wirtschaftlich nicht besonders attraktiv. Aber sie erfüllt mich als Mensch. Man muss die Natur beobachten, sich ständig anpassen und Lösungen finden. Das ist eine grosse Herausforderung und die fasziniert mich. Ich habe meinen früheren Beruf in der Finanzbranche gegen die Arbeit in den Reben eingetauscht. Diesen Schritt bereue ich nicht. Ich wünsche mir aber, dass auch meine Berufskollegen eine Zukunft haben.
Das Gespräch führte Roman Fillinger.