Hitze killt Bäume: So sollen Wälder widerstandsfähiger werden
Hitze und Trockenheit machen nicht nur Menschen, Tieren und Flüssen zu schaffen - sie belasten auch die Vegetation, besonders die Bäume. Das sieht man sowohl in Wäldern, in denen teilweise große Flächen brachliegen, als auch in Städten, in denen die Bäume derzeit oft eher braun statt grün gefärbt sind.
Die Folge: Die Baumbestände in Deutschland gehen seit Jahren zurück. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) teilte 2025 auf Basis von Satellitenbildern mit, dass seit Herbst 2017 900.000 Hektar Waldfläche verloren gegangen sind. Seit 2021 haben sich diese Verluste mehr als verdoppelt.
Baumbestände in Deutschland gehen zurück
Sie sind zwar nicht ausschließlich auf Hitze und Trockenheit zurückzuführen - auch Stürme, wie Kyrill 2007, oder Schädlingsbefall, wie die Borkenkäferplage 2018, haben den Bäumen in den vergangenen Jahren stark zugesetzt. Trotzdem spielen gerade Hitzewellen und Dürreperioden eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, ob Bäume langfristig überleben oder nicht.
"Durch die Hitze schließen Blätter ihre Spaltöffnungen, um den Wasserverlust zu minimieren. Dadurch nehmen sie aber auch weniger CO2 auf - die Photosynthese ist also reduziert. Somit hungern und verdursten Bäume gleichzeitig." Werner Rolf, Leiter des Fachgebiets Landschaftsplanung, Landschaftsökologie und Naturschutz an der Technischen Hochschule OWL
Zugleich könne es passieren, dass bei extremer Trockenheit die Wasserversorgung bei Bäumen abreiße, sagt Rolf. "Wenn Gewebe, das Wasser transportiert, abreißt, führt das dazu, dass die Wasserleitgefäße durch Luftblasen verschlossen werden. Das blockiert dann den Fluss von Wasser zu Blättern und führt zum Verwelken oder Absterben." Bäume seien dadurch langfristig gestresst und geschwächt - was wiederum die Anfälligkeit etwa durch den Borkenkäfer oder durch Pilze erhöht.
Gerade in Fichtenwäldern in der Eifel, im Sieger- und im Sauerland und in Ostwestfalen haben Wälder in den vergangenen Jahren unter dem Borkenkäfer gelitten. Dass er so stark werden konnte, lässt sich direkt auf Hitze- und Trockenperioden zurückführen.
Welche Bäume vertragen starke Hitze?
Je nach Baumart haben Bäume zwar über die Jahre unterschiedliche Strategien entwickelt, um mit Hitze und Dürre umzugehen – doch manche können das besser als andere. "Bäume gehen unterschiedlich mit ihrem Wasserhaushalt um", sagt Rolf. Dabei differenziert man grob zwischen Bäumen, dessen Wurzeln tief in den Boden ragen, sogenannte Tiefwurzler, und solche, bei denen die Wurzeln eher flach bleiben, auch Flachwurzler genannt.
Während Tiefwurzler Zugang zu Grundwasser haben, müssen Flachwurzler eher auf das Wasser zurückgreifen, das weiter oberflächlich ankommt. Fichten seien solche klassischen Flachwurzler, die natürlicherweise aber im Hochgebirge vorkämen, sagt Rolf. "Wenn der Oberboden bei Fichten im Tiefland dann stark ausgetrocknet ist, können sich Fichten durch ihre Wurzelsystem Wasser nicht ideal erschließen." Der Borkenkäfer hat bei den gestressten Bäumen dann leichtes Spiel.
Mischwälder sind widerstandsfähiger
Um Wälder widerstandsfähiger gegen diese klimabedingten Gefahren zu machen, setzen Experten bereits seit Jahren auf eine höhere Diversität von Wäldern. Sprich: Statt reine Fichtenwälder, werden gezielt Mischwälder angepflanzt.
"Man weiß, dass durchmischte Wälder mit einer natürlichen Vielfalt besser mit Stresssituationen umgehen können als reine Monokulturen" Werner Rolf, Leiter des Fachgebiets Landschaftsplanung, Landschaftsökologie und Naturschutz an der Technischen Hochschule OWL
Gerade kranke Bäume werden dann eher gefällt, um auf "Naturverjüngung" zu setzen. "Durch die Naturverjüngung können Bäume auch ein ganz anderes Wurzelsystem ausbilden, was ihre Klimaresilienz fördert." Dabei könne man dann auch beobachten, welche Bäume einer Baumart besonders gut oder schlecht auf das Klima reagieren - und diese dann entsprechend mehr pflanzen.
Welcher Baum trotzt dem Klimawandel am besten?
Laut einer Zukunftsbaumliste der Stadt Düsseldorf sind bei Laubbäumen zum Beispiel folgende Bäume besonders zukunftsträchtig. Das heißt in dem Fall, dass sie trotz Klimawandel, Wasserknappheit und steigender Hitze geeignet für Städte sind:
- Feldahorn
- Zierkirsche
- Amerikanische Stadtlinde
- Zerreiche
Eine weitere Möglichkeit, um Bäume gegen Hitze und Dürre zu wappnen, sind sogenannte Schwammlandschaften. Solche Schwammlandschaften sind beispielsweise Moore, Auen und Feuchtgebieten. "Sie können Wasser wie einen Schwamm aufnehmen und in Dürrephasen langsam an ihre Umgebung abgeben", schreibt die Deutsche Umwelthilfe dazu auf ihrer Webseite. Pflanzt man dort gezielt Bäume an, können sie sich das Wasser aus der Landschaft holen.
Stadtbäume sind oft quasi zubetoniert
Andere Bäume, die sich verhältnismäßig gut an Hitze und Dürre angepasst hätten, weil sie tiefe Wurzeln haben, sind der Feldahorn und die Traubeneiche, sagt Werner Rolf. Doch auch hier käme es immer auf den Standort an, ob und wie gut Bäume Hitze und Trockenheit überstehen. Läuft man beispielsweise durch Städte wie Bonn oder Köln, fällt auf, dass Bäume zwar durchaus reihenweise in Straßen stehen. Sie aber unten an ihrem Stamm häufig beinahe zugepflastert sind.
"Das ist ein Problem, weil ein Baum eigentlich einen Wurzelraum von mindestens zwölf Kubikmeter benötigt", sagt Rolf. Sind Bäume jedoch am Stamm zubetoniert, kann kaum Regenwasser versickern. Um das zu ändern hat Rolf eine Idee: "Statt Regenwasser in die Kanalisation abzuleiten, müssten wir Versickerungsflächen schaffen, damit das Wasser bei den Bäumen ankommt."
Grünflächen bei Stadtentwicklung einplanen
Er plädiert dafür auch generell in Städten mehr Flächen mit Bäumen zu schaffen, die entsprechend viel Wurzelraum bekommen. Zudem schlägt er vor, beispielsweise schon bei der Straßenplanung Bepflanzung mitdenken. "Wenn mit einer entsprechenden Grünflächenentwicklung Versickerungsflächen geschaffen werden können, könnte das auch die Kanalisation enorm entlasten." Damit das funktioniert, müssten allerdings mehr Flächen entsiegelt, also nicht zubetoniert oder wieder aufgebrochen werden.
Die Idee: Wasser, dass dann beispielsweise bei Starkregen die Kanalisation überfordert, könnte stattdessen von Bäumen aufgenommen und zwischengespeichert werden. Das hilft nicht dann nur den Bäumen, sondern bewahrt Gebäude möglicherweise auch vor Hochwasserschäden.
So passiert es zum Beispiel auch schon in Malmö in Schweden oder in Kopenhagen in Dänemark. In Kopenhagen läuft dafür der sogenannte "Cloudburst Management Plan": Unterirdische Tunnel sollen Wasser bei Starkregen aufnehmen und es zurück ins Grundwasser geben, sobald wieder Kapazitäten da sind. Zusätzlich gibt es Regenbeete, bei denen durchlässiger Asphalt Wasser nach unten abgibt. Rolf plädiert daher:
"Es wäre wichtig, dass Landschaftsplanung hierzulande auch viel grüner wird, um auch die kühlenden Effekte von Stadtgrün besser zu nutzen." Werner Rolf, Leiter des Fachgebiets Landschaftsplanung, Landschaftsökologie und Naturschutz an der Technischen Hochschule OWL
Hitze verändert die Städte langfristig
In Zukunft könnten also sowohl Städte als auch Wälder deutlich anders aussehen als heute. "Fichtenmonokulturen verschwinden bereits und werden mehr und mehr durch Mischwälder ersetzt", sagt Rolf. Zugleich werde es künftig wohl nicht mehr stark geschlossene Baumbestände geben, sondern eher lichtere Wälder. Sowohl in Städten, Gärten als auch in Wäldern könnte man bald neben dem Waldahorn mehr Waldkiefern, Platanen, Robinien, Mehlbeeren, Ginkgos oder Silberlinden sehen. Dies sind zumindest laut Rolf besonders trockenheitstolerante Bäume.
Das Baumsterben, das wir aktuell sehen können, hat übrigens weniger mit der derzeitigen Hitze- und Trockenperiode zu tun, sagt Rolf. "Tatsächlich ist es so, dass das, was wir heute sehen, auf Schäden zurückzuführen ist, die schon mehrere Jahre zurückliegen. Folglich werden wir die Folgen des diesjährigen Sommers auch erst in ein paar Jahren sehen."