Welche Menschen auf dem Arbeitsmarkt ein „echtes Problem“ haben werden


Stand: 18.10.2026, 07:36 Uhr

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Laut einer aktuellen Studie bauen viele Unternehmen bestimmte Positionen ab. Zwei Arbeitsmarktexperten erklären, was sich dadurch für die Betroffenen ändert.

Hamburg – Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist derzeit angespannt. Viele Berufseinsteiger haben Schwierigkeiten, überhaupt einen Job zu finden: Die Zahl der Stellenanzeigen für sie ist seit 2022 um zwei Drittel gesunken. In einigen Branchen werden zudem aktiv Stellen abgebaut. Während viele ausführende Angestellte fürchten, dass ihre Stelle gestrichen und ihre Aufgaben künftig von Künstlicher Intelligenz (KI) übernommen werden, kommt eine internationale Befragung zu dem Ergebnis: Häufig trifft der Stellenabbau offenbar auch die Führungsebene.

Angstellter im Büro

Die Aufgaben von Führungskräften werden sich in Zukunft verschieben, wissen Experten. (Symbolbild) © IMAGO / Panthermedia

Laut dem Korn-Ferry-Workforce-2026-Report geben 42 Prozent der befragten Unternehmen an, in den vergangenen zwei Jahren Führungspositionen abgebaut zu haben. Für den Report wurden mehr als 16.000 Angestellte in elf Ländern befragt. Mehr als die Hälfte der befragten Personen in Managementpositionen, 55 Prozent, berichten von Erschöpfung, und 39 Prozent der Angestellten geben an, sich durch das Fehlen von Führungskräften orientierungslos zu fühlen. Wir haben zwei Arbeitsmarktexperten gefragt, wieso international Führungsebenen verschwinden und wie die Lage in Deutschland aussieht.

Arbeitsexpertin: „Es wird weniger Führungskräfte geben“

Britta Matthes vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) betont im Hinblick auf den Report die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem US-amerikanischen Arbeitsmarkt. „In Amerika fallen deutlich mehr Führungspositionen weg, weil es dort auch mehr davon gab", sagt sie der FR. „Aber in Deutschland wird künstliche Intelligenz vor Managementaufgaben auch nicht Halt machen – sie wird die Arbeit von Führungskräften verändern." Ein großer Teil ihrer Arbeit habe bislang darin bestanden, Berichte zu lesen und auszuwerten. Die Expertin nimmt an, dass sich die Aufgaben von Führungskräften vom Controlling in Zukunft stärker auf den Bereich Personalführung konzentrieren werden.

Berichte könnten etwa mithilfe von KI automatisiert erstellt werden. Personen in Managementpositionen müssten künftig verstärkt strategische Ziele formulieren und zugleich weniger Administration betreiben. Eine Unternehmerin hält es für problematisch, wenn Menschen wenig selbstständig handeln und nur das erfüllen, was von ihnen erwartet werde. „Solche Menschen werden in Zukunft ein echtes Problem haben“, schreibt sie auf Linkedin. Gerade in Veränderungsprozessen müssten Führungskräfte ein gutes Vorbild für die Beschäftigten sein, erklärt Matthes vom IAB. „Sie brauchen die Einsicht, dass sie sich selbst qualifizieren müssen – um Motivation aufrechtzuerhalten und Qualifizierung im Team zu bieten“, sagt sie. Führungskräfte würden weiterhin gebraucht, vor allem für Strategie, Weiterentwicklung, Recruiting und Personalmanagement. Doch die Expertin ist sich sicher: „Es wird definitiv weniger Führungskräfte geben.“

Arbeitswissenschaftler: Flache Hierarchien für viele Unternehmen sinnvoll

Sascha Stowasser, Direktor des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. (ifaa), ordnet die internationalen Zahlen ein: „Die 42 Prozent sind ein internationaler Befragungswert“, sagt er der FR und weist darauf hin, dass die Zahlen für deutsche Unternehmen anders aussehen könnten. Grundsätzlich überprüften Unternehmen ihre Führungsebenen, um Kosten zu reduzieren, Entscheidungswege zu verkürzen oder Verantwortung stärker in die operative Arbeit zu bringen. Auch die Digitalisierung verändere klassische Informations- und Koordinationsaufgaben von Führung. „Flachere Hierarchien können deshalb sinnvoll sein.“

Wenn Verantwortung, Kompetenzen und Entscheidungsrechte sinnvoll in die Teams verlagert würden, könne das gut funktionieren: Entscheidungen ließen sich schneller treffen, Eigenverantwortung werde gestärkt. Wenn dagegen lediglich Managerstellen gestrichen würden, könnten die Führungsspannen wachsen – also die Zahl der Mitarbeitenden, die einer Führungskraft unterstellt sind. „Dann bleibt einzelnen Führungskräften möglicherweise weniger Zeit für Orientierung, Personalentwicklung, Problemlösung und kontinuierliche Verbesserung.“

Stowasser rät deshalb: „Man kann Hierarchie reduzieren. Führungskapazität sollte man nicht blind reduzieren.“ Eine allgemeingültige, optimale Führungsspanne gebe es nicht. Aus Unternehmenssicht sollte es nicht um möglichst viele oder möglichst wenige Führungskräfte gehen – „sondern um eine zur jeweiligen Arbeit passende Führungsorganisation“. (Quellen: Korn-Ferry-Workforce-2026-Report, eigene Recherche)