Werne droht die Haushaltssicherung: Diese Tipps gibt die GPA-NRW der Stadt
Werne droht die Haushaltssicherung Diese Tipps gibt die GPA-NRW der Stadt
14.09.2026 14:00 Uhr
Die GPA-NRW sieht Handlungsbedarf in Werne: Fehlende Regeln bei Investitionen und Krediten könnten die Stadt ab 2027 in die Haushaltssicherung führen.
3 Min Lesezeit
Darum geht‘s:
- Die Stadt Werne steht wegen hoher Defizite vor finanziellen Herausforderungen.
- Die GPA-NRW fordert strikte Haushaltskonsolidierung und bessere Strategien bei Investitionen.
- Die Verwaltung prüft Sparmaßnahmen und Modernisierung, um langfristig handlungsfähig zu bleiben.
Die Finanzlage der Stadt Werne spitzt sich zu. Schon im Sommer hatte Kämmerer Marco Schulze-Beckinghausen wegen schwacher Gewerbesteuereinnahmen vor einer möglichen Haushaltssperre gewarnt. Damit könnte die Stadt kurzfristig Ausgaben stoppen oder verschieben. Nun warnt die Gemeindeprüfungsanstalt Nordrhein-Westfalen (GPA-NRW) vor einer noch schwerwiegenderen Entwicklung: Bleiben die Defizite so hoch wie erwartet, droht Werne ab 2027 die Haushaltssicherung. Dann müsste die Stadt über Jahre nachweisen, wie sie ihren Haushalt wieder ausgleichen will.
Der Haushalt für 2026 wurde bereits mit einem Defizit von 12,6 Millionen Euro beschlossen; zuletzt lagen zudem die Einnahmen aus der Gewerbesteuer deutlich unter den Erwartungen. Die Stadt sucht deshalb bereits nach Einsparmöglichkeiten. Die GPA-NRW bestätigt mit ihrer turnusmäßigen Prüfung den grundsätzlichen Handlungsdruck: Seit 2024 schreibe Werne Defizite. Gleichzeitig stehen Investitionen an, für die weitere Kredite benötigt werden.
Finanzen unter Druck
Noch verfügt Werne über einen finanziellen Puffer. Das Eigenkapital ist laut GPA-NRW im Vergleich mit anderen Kommunen überdurchschnittlich hoch: Verluste können bislang aus der Ausgleichsrücklage aufgefangen werden. Bleiben die Defizite jedoch bis 2028 so hoch wie prognostiziert, werde diese Reserve aufgezehrt. „Die Vorzeichen für die Haushalte der kommenden Jahre sind schlecht und besorgniserregend. Konsequente Haushaltskonsolidierung ist damit unvermeidbar“, sagt GPA-Vizepräsidentin Simone Kaspar.
Die Stadt beschäftigt sich bereits damit, wo sie sparen, zusätzliche Einnahmen erzielen oder Strukturen verändern kann. Die Verwaltung hatte dazu 106 mögliche Maßnahmen identifiziert. Die GPA-NRW sieht darüber hinaus an mehreren Stellen Verbesserungsmöglichkeiten. So fehlen nach Angaben der Prüfer noch feste Regeln, um vor Investitionen systematisch zu untersuchen, welche Lösung wirtschaftlich am sinnvollsten ist. Auch für den Umgang mit Krediten und Geldanlagen gebe es bislang keine entsprechende Dienstanweisung oder Richtlinie.

Bei der Abwicklung von Zahlungen bescheinigen die Prüfer Werne dagegen insgesamt unauffällige Kosten. Verbesserungsmöglichkeiten gebe es unter anderem bei Lastschriften sowie ungeklärten Ein- und Auszahlungen. Die Stadt solle Forderungen unmittelbar verbuchen und das elektronische Bezahlen weiter ausbauen. Bei der Vollstreckung sei Werne gut aufgestellt.
Viele Beschäftigte gehen
Eine weitere Herausforderung wartet beim Personal. Mehr als ein Drittel der Beschäftigten werde in den kommenden zehn Jahren altersbedingt aus der Stadtverwaltung ausscheiden. Mit ihrem Personalentwicklungskonzept habe die Stadt bereits wichtige Schritte unternommen. Dazu gehören ein Schulungsprogramm für Nachwuchskräfte und eine Karriereseite im Internet.
Die GPA-NRW empfiehlt, Arbeitsabläufe stärker zu organisieren und vorhandenes Wissen zu sichern. Bei der Digitalisierung verfüge Werne bereits über gute strategische Grundlagen. Bestehende Regelungen sollten allerdings in einer verbindlichen Strategie für die Informationstechnik gebündelt werden.
Vorsorge für Krisen
Beim Krisenmanagement ist Werne nach Einschätzung der GPA-NRW insgesamt gut aufgestellt. Mögliche Risiken für das Stadtgebiet seien ermittelt und ein Stab für außergewöhnliche Ereignisse eingerichtet. Noch offen sei dessen personelle Besetzung. Die GPA-NRW empfiehlt außerdem, genauer zu planen, wie wichtige Leistungen der Stadt in Krisen aufrechterhalten und freiwillige Helfer eingebunden werden können. Die Mitglieder des Krisenstabes sollten regelmäßig geschult werden und an Übungen teilnehmen.
Auch die Arbeit von Rat und Ausschüssen bewertet die GPA-NRW als unauffällig. Die Kosten für die Mitglieder der politischen Gremien lägen im Vergleich mit anderen Kommunen auf durchschnittlichem Niveau. Die Stadt solle allerdings die Voraussetzungen für digitale und hybride Sitzungen prüfen, um auch in Krisensituationen handlungsfähig zu bleiben.
„Blick von außen“
Handlungsbedarf sehen die Prüfer auch bei den Hilfen zur Erziehung. Vor allem viele stationäre und damit kostenintensive Fälle sorgen für hohe Ausgaben. Die GPA-NRW begrüßt ein bereits laufendes Projekt, mit dem Strukturen und Arbeitsabläufe des Jugendamtes überprüft werden. Angesichts der gestiegenen Ausgaben solle Werne zudem stärker darauf achten, mögliche Kostenerstattungen zu erhalten.

Prüferin Frauke Holm empfiehlt genauere Kennzahlen, mit denen die Stadt die Kostenentwicklung kontrollieren kann. Zudem sollten schriftliche Standards für die Arbeitsabläufe und die Zusammenarbeit der zuständigen Bereiche entwickelt werden.
Bürgermeister Lars Hübchen bezeichnet die Prüfung als „wertvollen Blick von außen“. Sie zeige, wo Werne bereits gut aufgestellt sei, aber auch, „wo wir besser werden können“. Die Hinweise kämen angesichts der schwierigen Haushaltslage zur richtigen Zeit. Die Stadt wolle sie für die Haushaltskonsolidierung und die weitere Modernisierung der Verwaltung nutzen.