Westjordanland: Israel meldet Tötung eines Hamas-Mitglieds im Westjordanland
Israels Militär hat Dschenin im Westjordanland angegriffen und dabei ein Hamas-Mitglied getötet. Die Stadt war bereits vor einem Jahr Ziel einer Großoffensive gewesen.
Quelle: DIE ZEIT, dpa, Reuters,
mns
- August 2026, 18:49 Uhr
Ihr Browser unterstützt die Wiedergabe von Audio Dateien nicht. Download der Datei als mp3: https://zon-speechbert-production.s3.eu-central-1.amazonaws.com/articles/3608eae0-a54f-4535-8212-7a3e68875c7b/full_0da80aec85cb33e53a365b8ae8e30efae527c160a8d2836211ce17e875251cf4f64be6022953800fbeb8f1087c5e5e2e.mp3
22 KommentareIsraels Armee hat bei einem Luftangriff in der Stadt Dschenin im Westjordanland eigenen Angaben zufolge ein wichtiges Mitglied der Hamas und zwei weitere Militante getötet. Das Mitglied der Hamas sei unter anderem für die Finanzierung und Ausführung von Anschlägen auf israelische Zivilisten zuständig gewesen, wie das Militär und der Inlandsgeheimdienst Schin Bet mitteilten. Im Wagen des Getöteten seien Waffen gefunden worden, teilte die Armee weiter mit. Über die Identität der anderen Getöteten machte das Militär keine Angaben.
Die Hamas verurteilte den Angriff. Sie widersprach jedoch den Darstellungen des israelischen Militärs, dass es sich bei dem Getöteten um ein Mitglied der Organisation handele. Nach Angaben des Palästinensischen Roten Halbmonds durchsuchten israelische Bodentruppen nach dem Drohnenangriff den Ort des Geschehens, hielten Sanitäter kurzzeitig fest und hinderten sie daran, Verletzte zur Behandlung in ein Krankenhaus zu bringen. Das israelische Militär äußerte sich zunächst nicht zu den Angaben des Rettungsdienstes.
Neben der Planung von Anschlägen auf israelische Zivilisten sei das Hamas-Mitglied auch für die Aktivitäten der islamistischen Terrororganisation im Flüchtlingsviertel von Dschenin verantwortlich gewesen. Im vergangenen Jahr hatte das israelische Militär nach eigenen Angaben dort sowie in zwei weiteren Flüchtlingsvierteln eine groß angelegte Offensive gegen militante Palästinenser durchgeführt. Dabei wurden zahlreiche Menschen getötet und Zehntausende aus ihren Häusern vertrieben. Große Teile der Viertel wurden zudem zerstört. Das »Terrornetzwerk von Dschenin« soll dabei laut israelischer Armee zerschlagen worden sein. Die Angaben der Armee lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
NGO wirft Israel Kriegsverbrechen vor
Das israelische Militär räumte damals zudem Flüchtlingslager und hatte in einigen Städten des Westjordanlands seine längste militärische Präsenz seit Jahrzehnten. Human Rights Watch warf Israel im Zusammenhang mit dem Vorgehen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Demnach kam es zu Zwangsvertreibungen. Israel weist die Vorwürfe zurück.
Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel und dem dadurch ausgelösten Gazakrieg verschärft. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden im Westjordanland seitdem mehr als 1.100 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und durch eigene Anschläge getötet.
Auch die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser hat stark zugenommen. Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ostjerusalem erobert. Dort leben heute inmitten von drei Millionen Palästinensern mehr als 700.000 israelische Siedler. Die Palästinenser beanspruchen die Gebiete für einen eigenen Staat. Israel lehnt dies ab.