Wie gefährlich sind Bakterien im Mineralwasser?
Stand: 12.07.2026, 08:15 Uhr
Bei Qualitätskontrollen werden immer wieder Bakterien in Mineralwasser entdeckt. Derzeit sorgen Flaschen, die mit Pseudomonas aeruginosa belastet sind, für Rückrufe. Doch wie gefährlich ist dieser Keim wirklich?
Wie gelangen Bakterien in abgefülltes Wasser?
Mineralwasser wird direkt an der Quelle abgefüllt und darf nur unter Einhaltung sehr strenger Vorschriften aufbereitet oder gereinigt werden. Diese Vorschrift soll die natürliche Reinheit von Mineralwasser schützen und den Geschmack bewahren.
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Abfüllanlagen unterliegen deshalb strengen Hygienevorschriften. Dennoch gibt es zahlreiche Hygienerisiken wie verunreinigtes Rohwasser, verschmutzte Leitungen oder Tanks sowie mangelnde Hygiene der Mitarbeiter. Dazu kommen kontaminierte Verpackungen oder unzureichende Reinigung der Abfüllanlagen. Stagnierendes Wasser begünstigt ebenso die Vermehrung von Bakterien.

Wie gefährlich ist Pseudomonas aeruginosa?
Für gesunde Menschen gilt Pseudomonas aeruginosa meistens als harmlos. Bei immungeschwächten Personen kann es jedoch Infektionen auslösen. Zu den möglichen Erkrankungen gehören unter anderem Lungenentzündungen (besonders bei Menschen mit Beatmung oder Lungenerkrankungen wie Mukoviszidose), Harnwegsinfektionen, Wundinfektionen, Blutvergiftungen (Sepsis) und Mittelohrentzündungen. Auch Augeninfektionen, etwa nach Verletzungen oder durch verunreinigte Kontaktlinsen, sind möglich.
Die Gefährlichkeit von Pseudomonas-Infektionen hängt stark vom Gesundheitszustand der betroffenen Person und vom Infektionsort ab. Bei schwer kranken Patientinnen und Patienten können Infektionen lebensbedrohlich verlaufen, da das Bakterium häufig gegen viele Antibiotika unempfindlich ist.
Bei gesunden Menschen führen Begegnungen mit dem Keim dagegen nur selten zu ernsthaften Erkrankungen. Pseudomonas aeruginosa gilt als hartnäckig und kann auch diversen Desinfektionsmitteln standhalten.
Wo kommt das Bakterium vor?
Pseudomonas aeruginosa bevorzugt feuchte Umgebungen. Das Bakterium kommt in Flüssen, Seen und im Boden vor. In seltenen Fällen kann der Erreger auch in Wasserleitungen vorkommen. Dort vermehrt es sich insbesondere in Biofilmen. Das sind sich an Oberflächen ansammelnde Bakterien, die gemeinsam eine schützende Schleimschicht bilden.
Warum löst das Bakterium Rückrufe aus?
Die Trinkwasserverordnung sieht für Pseudomonas aeruginosa einen Grenzwert von null KBE (koloniebildende Einheiten) pro 100 ml Wasser vor. Das bedeutet, dass es im Trinkwasser nicht nachweisbar sein darf. Wird das Bakterium dennoch gefunden, müssen die betroffenen Chargen zurückgerufen werden. Dies ist primär eine Vorsichtsmaßnahme. Ein einzelner Nachweis bedeutet nicht automatisch eine Gesundheitsgefahr.
Wie erkennen Sie betroffene Produkte?
Die Verbraucherzentralen informieren über aktuelle Warnungen, unter anderem auf der Website www.lebensmittelwarnung.de. Auch diverse Hersteller und Behörden veröffentlichen Rückrufe auf ihren Websites. Die betroffenen Chargen sind meist genau bezeichnet und enthalten die aufgedruckten Nummern auf der Flasche.
Im vorliegenden Fall geht es um die folgenden neun Chargen: Raffelberger Medium (0,75-Liter-Flasche) mit den Mindesthaltbarkeitsdaten 09.06.2028, 10.06.2028, 17.06.2028, 18.06.2028, 23.06.2028, 25.06.2028, 27.06.2028 und 30.06.2028. Auch das Tafelwasser Raffelberger Klassik (0,70-Liter-Flasche) mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 16.06.2028 ist betroffen.
Welche Aufgabe hat Pseudomonas aeruginosa in der Natur?
Pseudomonas aeruginosa übernimmt in der Natur vor allem die Rolle eines Zersetzers und Stoffumwandlers. Es lebt häufig in Böden, Gewässern und auf Pflanzenoberflächen, wo es organische Substanzen wie Pflanzenreste, Fette und andere Kohlenstoffverbindungen abbaut. Dadurch trägt es zum Nährstoffkreislauf bei und bereitet gebundene Stoffe für andere Organismen wieder auf.
Pseudomonas aeruginosa kann darüber hinaus mit anderen Mikroorganismen und Pflanzen interagieren. Er produziert verschiedene Stoffwechselprodukte, darunter antimikrobielle Substanzen, mit denen er sich gegen Konkurrenten behaupten kann. Einige verwandte Pseudomonas-Arten können Pflanzen sogar beim Wachstum unterstützen, indem sie Krankheitserreger verdrängen oder bestimmte Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar machen.