„Wir kennen uns doch alle“: Doppelmord hinterlässt Schrecken bei Nachbarn – Enkel (19) unter Verdacht


Stand: 02.09.2026, 18:29 Uhr

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Geretsried Mord Tag danach -

Noch immer sind Spurensuche und Ermittler im Wohnhaus am Königsberger Weg zugange. © Sabine Hermsdorf-Hiss

In Geretsried sind eine 73-Jährige und ihr 53-jähriger Sohn tot in ihrer Wohnung gefunden worden. Gegen den 19-jährigen Enkel wurde Haftbefehl erlassen – er liegt schwer verletzt im Krankenhaus.

Geretsried – Sie möchte nicht ständig hinüberschielen, aber ganz vermeiden konnte sie es doch nicht. Die vergangenen Stunden waren aufwühlend im Königsberger Weg in Geretsried. Eine ältere Dame steht in ihrem Garten und wundert sich. Erst hörte die Frau am Montagabend Geschrei und sah am Dienstag Blutspuren beim Parkdeck. Kurz darauf rollten viele Polizeiautos in die Siedlung, sperrten die Fläche ab. Mitten in der Siedlung hatte die Polizei zwei Tote in einer Privatwohnung gefunden. „Unglaublich“, findet das die Nachbarin. Schon am Mittwoch meldete die Polizei einen Haftbefehl gegen einen dringend Verdächtigen. Am Königsberger Weg muss sich ein Familiendrama abgespielt haben. Eines, das so gar nicht passt zu der sonst so ruhigen Nachbarschaft.

Geretsried Doppelmord, Mariienburgweg 19

Die Polizei meldet einen Tatverdächtigen. Am Mittwoch wurde Haftbefehl gegen einen nahen Verwandten der getöteten Geretsrieder erlassen. © Sabine Hermsdorf-Hiss

„Wir kennen uns doch alle“: Schrecken in der Nachbarschaft nach Doppelmord - Enkel (19) unter Verdacht

„Die Nachbarn, die hier schon länger wohnen, kennen sich alle.“ Manchmal hört die Seniorin Jugendliche auf dem Parkdeck herumdüsen. Dann spielen sie dort mit Rädern und Rollern. Eine harmlose Geräuschkulisse. „Sonst ist es immer mucksmäuschenstill.“ Auch am Mittwochvormittag herrscht Ruhe im Wohngebiet. Ein paar Anwohner sitzen auf ihren Balkonen. Eine Mutter spaziert mit zwei Kindern an der Hand vorbei. Der Königsberger Weg ist am Mittwoch wieder diese ruhige Siedlung, die er eigentlich immer ist.

Am Montagabend war das anders. „Es war plötzlich ein solcher Lärm“, erzählt die Seniorin. Sie hatte sich nichts dabei gedacht. Es klang wie ein Schrei, berichtet sie. Erst am nächsten Tag wurde ihr klar, was sie da möglicherweise gehört hatte. Denn da machte schnell eine schreckliche Meldung die Runde. Die Straße wurde abgeriegelt. Das Blau der Leuchten auf den vielen Polizeiautos fiel in ihre Wohnung. Die Polizei ermittelte wegen des brutalen Todes zweier Anwohner.

„Hinweise auf massive Gewalteinwirkung“

Ein Nachbar hatte am Dienstag die Polizei gerufen. Ihm waren die vielen Blutflecken an der Haustür, auf der Straße und im Treppenhaus aufgefallen. Beamte der Polizei Geretsried fanden ein schreckliches Bild in der Wohnung vor: Eine ältere Frau und ein erwachsener Mann waren tot. „Es gab deutliche Hinweise auf eine massive Gewalteinwirkung“, erklärte der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Michael Spessa, später. Spurensicherung und Uniformierte füllten den Vorplatz vor dem Mehrfamilienhaus. Sie fanden heraus, dass die beiden Toten Mutter und Sohn sind, die in der Wohnung lebten.

Einige Beamte ermitteln am Mittwochvormittag wieder vor Ort. Mit weißen Ganzkörperschutzanzügen sind sie vor dem Haus leicht zu erkennen. Ein Nachbar schaut verlegen rüber. „Wer macht nur so etwas?“, fragt er. Er kannte die Tote. Man lebt nicht anonym, wenn man schon länger Haus an Haus wohnt. Der Mann schüttelt stumm den Kopf. Die Rollläden in seiner Wohnung hat er seit Dienstagmittag geschlossen. Die Eindrücke, die er durch sein Fenster sah, waren ihm zu viel. Spurensicherung, Polizeiabsperrung, Fernsehteams, immer wieder Menschen, die am Absperrband vorbeikamen und ungläubig auf das Mehrfamilienhaus blickten. „Gestern war es hier...“, er stockt, überlegt. Heftig? Er nickt. „Ja, heftig.“ Er und seine Frau wünschen sich Ruhe. Die Rollläden bleiben vorerst zu.

Die Polizei gibt am Mittwoch einen neuen Ermittlungsstand bekannt. Die beiden Toten waren wohl Opfer einer familiären Tragödie. Das weibliche Opfer ist eine 73-Jährige. Sie lebte in der Wohnung gemeinsam mit ihrem Sohn, der die pflegebedürftige Seniorin betreute. Der 53-Jährige ist das zweite Opfer der Tat. Schon am Dienstag ließ Pressesprecher Spessa unsere Zeitung wissen, dass für Anwohner und die Bevölkerung im Allgemeinen keine Gefahr bestehe. Schon da klang das so, als hätte die Polizei einen Verdacht – was Spessa weder bestätigte noch dementierte.

„Konkrete Verdachtsmomente“ und Haftbefehl: Junger Mann dringend verdächtig

Am Mittwoch klingt das so: „Im Laufe des Dienstags ergaben sich konkrete Verdachtsmomente gegen einen 19-jährigen Deutschen“. Er ist der Sohn des getöteten Mannes – also der Enkel des weiblichen Opfers. Am frühen Mittwochnachmittag wurde Haftbefehl gegen den dringend Tatverdächtigen erlassen. Der Mann ist allerdings noch nicht in Haft: Er ist selbst schwer verletzt und befindet sich stationär in Behandlung. Laut einem Sprecher des Polizeipräsidiums wird der Verdächtige dort aber polizeilich bewacht.

Viele Details haben sich in der Nachbarschaft schnell herumgesprochen. Die Blutlache im Parkdeck zum Beispiel. Und natürlich die Identität der Opfer. „So etwas habe ich hier niemals erwartet“, sagt die ältere Dame, als sie sich an die vielen Eindrücke des Dienstags erinnert. Sie kannte die Familie, seit sie dort in der Siedlung eingezogen war. „Wir haben uns gegrüßt. Ich wusste, wo sie wohnen, und wer sie sind“, sagt die Frau. Eine nette Frau sei das Opfer gewesen – eine, die es zuletzt schwer hatte. Sie sei auf einen Rollstuhl und auf die Unterstützung ihres Sohnes im Alltag angewiesen gewesen.

Nachbarn rätseln nach der Tat

Die Seniorin am Gartenzaun vermutet, dass es vielleicht Schreie des verletzten Täters waren, die sie am Montag gehört hat. Das würde zu den Flecken passen, findet sie. Sicher weiß sie es nicht. Mit Nachbarn tauscht sie Beobachtungen aus. Viele Fragen bleiben dabei noch offen. Umso mehr gibt es zu besprechen in der Nachbarschaft am Königsberger Weg. Zwei Frauen auf ihren Balkonen rätseln am Mittwochvormittag über die schreckliche Tat. Sie beobachten interessiert, wie sich Zivilpolizisten mit Mitarbeitern der Spurensicherung unterhalten. Eine Frau sitzt auf einer Steinmauer und blickt betreten auf das Haus, in dem sich die Tragödie abgespielt hatte. Sie ratscht mit einer anderen Nachbarin. Die Lautstärke ist gedämpft.

Was genau dort am Montagabend passiert ist, wird noch ermittelt. Warum es zu der Bluttat kam, wollen die Beamten noch herausfinden. Die Polizei hofft auf weitere Zeugenaussagen von Menschen, die zwischen Montagabend und Dienstagmittag etwas gesehen haben. Auch die Spurensicherung bleibt wohl noch an diesem Donnerstag im Einsatz in der Siedlung.