Wirtschaftskrimi: Prozess um 100-Millionen-Euro-Betrug an Delivery-Hero-Gründer - Golem.de
Ein deutscher Investor soll laut Anklage versucht haben, einen Delivery-Hero-Gründer um über 100 Millionen Euro zu betrügen. Es geht um eine Anklage gegen Investor Florian Fritsch.
Die Staatsanwaltschaft Liechtenstein hat Ende März Anklage gegen den deutschen Investor Florian Fritsch erhoben. Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, die dem Spiegel (Paywall)(öffnet im neuen Fenster) vorliegt, lautet der Vorwurf auf Untreue. Der Schaden soll sich demnach auf 108 Millionen Euro belaufen.
Delivery Hero ist kein klassischer einzelner Lieferservice, sondern eine globale Dachgesellschaft. Auf dem Endkundenmarkt tritt das Berliner Unternehmen kaum unter dem Namen Delivery Hero auf, sondern steuert ein riesiges Netz aus eigenen Tochtergesellschaften, regionalen Marktführern und weltweiten Beteiligungen.
In den verschiedenen Weltregionen betreibt Delivery Hero eigenständige Firmen, die dort oft die Marktführerschaft haben: Einer der größten Lieferdienste in Südeuropa (Spanien, Portugal, Italien) und Osteuropa ist Glovo. Delivery Hero übernahm 2022 die Mehrheit an dem spanischen Unternehmen. Die von Delivery Hero kontrollierte Foodora ist vor allem in Nord- und Mitteleuropa, Österreich, Schweden, Norwegen, und Tschechien aktiv. Dazu kommen Efood (Griechenland) und Foody (Zypern). Talabat ist der dominierende Player in der Golfregion (VAE, Kuwait, Katar und Ägypten), Hungerstation der führende Lieferdienst in Saudi-Arabien.
Foodpanda ist sehr stark in Südostasien und Südasien (Singapur, Hongkong, Malaysia oder Pakistan) aktiv. Baedal Minjok (Woowa Brothers) der absolute Marktführer in Südkorea, den Delivery Hero 2021 übernahm. Pedidosya betreibt das Geschäft in Süd- und Mittelamerika.
Vertrauen des Delivery-Hero-Gründers Markus Fuhrmann missbraucht
Neben Fritsch sind auch sein Bruder sowie ein langjähriger Vertrauter angeklagt. Die Anklage rekonstruiert, wie Fritsch das Vertrauen des Delivery-Hero-Gründers Markus Fuhrmann erlangt und missbraucht haben soll.
Der Österreicher gilt laut Spiegel als einer der prominentesten Gründer im deutschsprachigen Raum. Den Unterlagen zufolge entwickelte sich zwischen Fritsch und Fuhrmann sowohl privat als auch beruflich ein enger Kontakt. Fuhrmann gewährte Fritsch und dessen Firmen Darlehen in Millionenhöhe. Zudem machte Fuhrmann einen langjährigen Mitarbeiter von Fritsch zum Geschäftsführer seiner Familien-Holding.
Fuhrmann und Fritsch waren beide auch an der Gründung des Bauunternehmens Gropyus beteiligt, eines der bekanntesten Startups der Immobilienbranche. Mit der Zeit soll Fritsch unter Druck geraten sein. Gropyus-Projekte sollen seinetwegen gescheitert sein, trotz millionenschwerer Investitionen. Im Sommer 2021 versuchte Fritsch offenbar, Fuhrmann zu entmachten und sich um Millionen zu bereichern, wie der Spiegel weiter berichtet.
Zum faktischen Alleinherrscher bei Gropyus aufgestiegen
Fritsch und sein Vertrauter als Geschäftsführer der Holding von Fuhrmann unterschrieben damals einen Aktionärsbindungsvertrag (ABV). Die Holding verpflichtete sich darin, ihr Gropyus-Aktienpaket von damals rund 108 Millionen Euro für zunächst 20 Jahre an Fritsch zu verpfänden. Außerdem wäre Fritsch durch den Vertrag zum faktischen Alleinherrscher bei Gropyus aufgestiegen. Wenn eine Seite den Vertrag bräche, würde die andere eine Kompensation von einer Million Schweizer Franken kassieren.
Laut den Ermittlern soll Fritsch als mutmaßlicher Drahtzieher den Vertrag gemeinsam mit seinem Bruder konzipiert haben, berichtet der Spiegel. Für die Umsetzung war laut Anklage sein Vertrauter zuständig. Er habe den Vertrag unterschrieben, ohne Fuhrmann zu informieren.
An den Rand einer Pleite geführt
Auf erheblichen Druck von alten und möglichen neuen Gropyus-Investoren willigte Fritsch letztlich offenbar ein, den Vertrag aufzulösen. Er soll durch sein Verhalten das Startup an den Rand einer Pleite geführt haben.
Fuhrmanns Anwalt zufolge stimmte sein Mandant dem Vertrag nie zu. Er sei hinter seinem Rücken vorbereitet worden, berichtet der Spiegel. Fritsch wollte sich auf Spiegel-Anfrage zu den Vorgängen und den gegen ihn erhobenen Vorwürfen nicht äußern. Sein Bruder und der Vertraute ließen Anfragen unbeantwortet.