WM 2026: Ein Tag mehr Pause - Vorteil Spanien gegenüber Argentinien ?


Die spanische Mannschaft im Training vor dem Spiel gegen Frankreich

Längere Pause als Argentinien Ein Tag mehr Eisbad - "Leichter Vorteil" Spanien?

Stand: 17.07.2026 • 18:40 Uhr

Spanien hat nach dem Halbfinale einen Tag mehr Pause als Finalgegner Argentinien. "Auf jeden Fall ein leichter Vorteil", sagt ein Sportwissenschaftler. Die jüngsten Statistiken weisen auch darauf hin.

Marcus Bark

Der Rasen - für beide gleich. Die Temperatur - für beide gleich. Der Ball - für beide gleich. Die Luftfeuchtigkeit - für beide gleich. Die Luftqualität - für beide gleich.

Sowohl für Spanien als auch für Argentinien wird das Finale der WM 2026 das achte Spiel bei diesem Turnier sein. Ein Unterschied ist jedoch, dass die Spanier vor dem Endspiel einen Tag mehr Pause haben.

Lamine Yamal und Pedro Porro beim Training von Spanien

Die Mannschaft von Luis de la Fuente gewann am Dienstag mit 2:0 gegen Frankreich, Argentinien wandelte den 0:1-Rückstand einen Tag später in einen 2:1-Sieg gegen England um.

"Es kommt selbstverständlich auch auf viele andere Faktoren an wie die Spielstärke und die Taktik, aber dieser eine Tag bedeutet schon einen kleinen Vorteil für Spanien", sagt Prof. Thimo Wiewelhove, der unter anderem an der Sporthochschule in Köln lehrt. Der Experte für Trainingswissenschaft sieht diesen Vorteil in der "besseren Möglichkeit zur Regeneration auf unterschiedlichen Ebenen".

Mehr Zeit zur Behandlung des Muskelkaters

Zum einen verursache die hohe Belastung, die ein Fußballspiel mit sich bringt, jedes Mal Mikrotraumata, bekannt als Muskelkater. Das sei immer so, auch wenn dieser nicht so schlimm sein müsse, dass er gespürt wird. Außerdem könnten Entzündungsprozesse einsetzen.

Auch die Argentinier hätten trotz der kürzeren Pause die Möglichkeiten und Mittel, den Muskelkater schnell verschwinden zu lassen und Entzündungen zu verhindern, beispielsweise mit Eisbädern.

Es gelte aber die einfache Regel: je mehr Zeit zur Regeneration, desto besser. Außerdem, so Wiewelhove, könne Spanien den Tag mehr Pause noch mal zur Ablenkung nutzen, um "nicht zu früh Spannung aufzubauen".

Flüssigkeit, Ernährung, Schlaf

Wichtig sei, den Energiespeicher wieder aufzufüllen, durch angemessene Flüssigkeitszunahme und gute Ernährung. Auch ausreichender Schlaf sei ein wichtiger Faktor zur Erholung, so der Professor.

Hinsichtlich des Trainings sieht Wiewelhove keine gravierenden Unterschiede. Beide Mannschaften würden im letzten Stadium des Turniers ohnehin nur "sehr sanft" trainieren, vor allem, um das Gefühl für den Ball und die Abläufe nicht zu verlieren.

Jüngste Statistiken sprechen für Spanien

Eine Auswertung der vergangenen Weltmeisterschaften und Europameisterschaften zeigt, dass seit der EM 2012 jeweils die Mannschaft den Titel gewann, die vor dem Finale einen Tag länger Pause hatte.

Finalspiele vergangener Großturniere
Turnier längere Pause kürzere Pause Ergebnis
WM 2026 Spanien Argentinien ?
EM 2024 Spanien England 2:1
WM 2022 Argentinien Frankreich 7:5 n.E.
EM 2020 Italien England 4:3 n.E.
WM 2018 Frankreich Kroatien 2:1 n.V.
EM 2016 Portugal Frankreich 1:0 n.V.
WM 2014 Deutschland Argentinien 1:0 n.V.
EM 2012 Spanien Italien 4:0
WM 2010 Niederlande Spanien 0:1 n.V.
EM 2008 Deutschland Spanien 0:1
WM 2006 Italien Frankreich 6:4 n.E.
EM 2004 Portugal Griechenland 0:1
WM 2002 Deutschland Brasilien 0:2
EM 2000 Frankreich Italien 2:1 n.V.
WM 1998 Brasilien Frankreich 0:3
EM 1996* Deutschland Tschechien 2:1 n.V.
WM 1994* Brasilien Italien 3:2 n.E.
EM 1992 Deutschland Dänemark 0:2
WM 1990 Argentinien Deutschland 0:1

Für Spanien sprechen auch die beiden jüngsten Ausnahmen. Das Finale der WM 2010 gewann die "Selección" gegen die Niederlande, obwohl die Zeit zur Regeneration kürzer war. So war das auch vor dem Finale der EM 2008, das Spanien mit 1:0 gegen Deutschland gewann.

Deutschland 1990 mit kürzerer Pause Weltmeister

Die Zeit zwischen der WM 1990, die Deutschland im Finale gegen Argentinien - trotz eines Tages weniger Zeit zur Regeneration - gewann, bis zur EM 2012 zeigt, dass kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Dauer der Pause und dem Erfolg hergestellt werden kann. Von den entsprechenden elf Turnieren gewann sieben Mal die Mannschaft mit kürzerer Pause das Finale.

Zwei Turniere davon hatten sogar noch eine Sonderstellung. Denn gerade weil es immer wieder Beschwerden über die geringere Zeit für Regeneration gab, wurde beschlossen, die Halbfinalspiele an einem Tag anzusetzen. Das wurde aber nach der WM 1994 und der EM 1996, die Deutschland trotz kürzerer Pause durch das berühmte Golden Goal von Oliver Bierhoff im Finale gegen Tschechien gewann, wieder abgeschafft.

Argentinien weiß mit Nachteilen umzugehen

Argentinien, Sieger der beiden vergangenen südamerikanischen Kontinentalmeisterschaften, zeigte vor allem bei der Auflage 2021, dass es vermeintliche Nachteile gleich reihenweise ausgleichen kann. Die Mannschaft um Lionel Messi gewann das Finale gegen Brasilien nach kürzerer Pause - und im Stadion Maracana in Rio de Janeiro.

Da wird es die Argentinier auch kaum mental belasten, dass sie schon vor dem Halbfinale mit einem Tag Regeneration weniger auskommen mussten als die Spanier, und dann gegen die Schweiz auch noch die Verlängerung benötigten, um weiterzukommen. Selbst gegen Kap Verde im Sechzehntelfinale waren 30 Minuten extra nötig.

Lionel Messi im argentinischen Mannschaftstraining

Zwei Verlängerungen mehr, zwei Tage späterer Einstieg ins Turnier, einen Tag weniger Pause vor dem Finale und ein Gegner, der gegen Frankreich im Halbfinale ein perfektes Fußballspiel zeigte - es spricht einiges gegen die Argentinier. Ihre Begeisterung und zäher Wille kompensieren aber vieles, und zur Not haben sie ja auch noch Messi.