Wohin mit Medikamenten bei der Hitze?


Stand: 04.08.2026, 06:00 Uhr

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Bernd Ulrich und seine Tochter Maximiliane vor ihrem elektronisch verwalteten Lager. Sie müssen - wie alle Apotheker g ihre Räume klimatisieren und die regelkonforme Lagerung der Arzneimittel genau dokumentieren.

Bernd Ulrich und seine Tochter Maximiliane vor ihrem elektronisch verwalteten Lager. Sie müssen – wie alle Apotheker – ihre Räume klimatisieren und die regelkonforme Lagerung der Arzneimittel genau dokumentieren. © Hedwig Rohde

Es ist heiß. Menschen, Tiere und Natur leiden. Eine der Nebenwirkungen: Privathaushalte müssen sich verstärkt Gedanken um die richtige Lagerung von Medikamenten machen. Der Friedberger Apotheker Bernd Ulrich erklärt, worauf zu achten ist.

Friedberg/Wetteraukreis – Die Großmutter ist vorbildlich gewesen: Sie hat Pillen, Salben, Zäpfchen, Tropfen und Hustensäfte in einem abschließbaren Schränkchen aufbewahrt, das für Kinder unerreichbar in Scheitelhöhe an einer Wand ihres Schlafzimmers gehangen hat. Kühl, trocken, dunkel – diese Vorgaben für die korrekte Lagerung von Arzneien erfüllte ihr Hängeschränkchen perfekt. Die Realität in vielen modernen Haushalten entspricht diesem Ideal eher nicht.

Für Hersteller, Transporteure und Apotheken ist in Deutschland die Lagerung von Medikamenten genau geregelt, wie der Friedberger Apotheker Bernd Ulrich erläutert: „In der Apothekenbetriebsverordnung steht klipp und klar, dass wir Medikamente nicht über 25 Grad Raumtemperatur lagern dürfen.“ Dementsprechend sind Lager- und Verkaufsräume in den Apotheken in der Regel klimatisiert.

Noch strenger sind die Regeln bei kühlpflichtigen Arzneimitteln, zu denen bestimmte Impfstoffe und Insuline gehören. Bei ihrer Lagerung darf eine Temperatur von 8 Grad nicht überschritten werden. Das lückenlose Einhalten der Kühlkette von der Herstellung bis zur Auslieferung wird – mittels „Tracker“ genannten kleinen Temperaturkontrollgeräten – protokolliert und dokumentiert. „Wir führen genaue Temperaturlisten, unsere zertifizierten Spezialkühlschränke zeichnen die Temperatur auf, das wird täglich kontrolliert“, erklärt Ulrich.

Kühlschrank ist gut, das Bad ungeeignet

Mit der Herausgabe der Medikamente an den Verbraucher endet diese strenge Überwachung. „Bei den Temperaturen, die wir in der zweiten Junihälfte hatten, kann schon der Transport im Auto problematisch werden“, warnt der Apotheker. Je nach Dauer des Heimwegs und der Verweildauer der Medikamente im Auto können etwa Zäpfchen schmelzen, wenn sich das Fahrzeug innerhalb weniger Minuten stark aufheizt. Ihre Wirkung kann dadurch beeinträchtigt werden. Dies gilt auch für thermolabile Medikamente wie bestimmte Herz- und Kreislaufmittel sowie Psychopharmaka. Generell empfiehlt Ulrich bei extrem hohen Temperaturen für den Heimtransport von Medikamenten eine kleine Kühltasche. Selbst ohne Kühlakku könne sie geschlossen die Arzneimittel während der Heimfahrt vor Hitze schützen.

Doch was tun, wenn auch die Wohnung aufheizt? Er habe einige Kunden, die ihre Medikamente in einer Box im Keller aufbewahrten, erzählt Ulrich. Dort sei es kühl und dunkel und in der Regel auch trocken. Wer nicht über einen Keller verfüge oder nicht ständig in den Keller hinabsteigen könne oder wolle, dem rät Ulrich zur Unterbringung sämtlicher Arzneimittel im Kühlschrank. Dessen Temperaturen schadeten auch den Mitteln nicht, die bei maximal 25 Grad gelagert werden sollten. Weiterer Vorteil: „Dort eine entsprechend beschriftete Box hineinzustellen, kann auch Helfern im Notfall das Auffinden der Medikamente erleichtern.“ Als eher weniger gut geeignet wegen möglicher Beeinträchtigungen durch zu hohe Feuchtigkeit gilt die beliebte Unterbringung von Arzneimitteln im Badezimmer.

Wenn Regeln nicht für alle gelten

Einen Tipp hat Ulrich speziell für Diabetiker: Wer aus beruflichen Gründen oder auf Reisen einen hitzeempfindlichen Insulinpen mit sich führe, könne sich mit einem extra dafür hergestellten Aufbewahrungsbehälter samt kleinem Kühlpack behelfen und so den Weg bis zum nächsten (Hotel-)Kühlschrank überbrücken.

Für Frust sorgt bei Ulrich wie bei vielen anderen deutschen Apothekern die Ungleichbehandlung der Versandhändler. „Versandhändler sind keine Apotheken, auch wenn sie sich gerne so nennen, sondern reine Logistiker. Noch dazu sitzen sie im Ausland, weshalb die strengen deutschen Bestimmungen für sie nicht gelten. Der Aufwand mit dem Nachweis einer lückenlos eingehaltenen Kühlkette beispielsweise, in den Hersteller, Transportfirmen und Apotheken in Deutschland erhebliche Mittel investieren müssen, gilt für sie nicht. Hier fordern wir dringend eine Anpassung der Gesetze“, sagt Ulrich.

Details zu den Lagerbedingungen der einzelnen Medikamente finden Verbraucher auf dem Beipackzettel. Darüber hinaus gilt: Wer diesbezüglich unsicher ist, kann sich jederzeit an die Apotheke seines Vertrauens wenden und sich dort beraten lassen.