Umfrage zeigt alarmierende Zahlen: Jeder achte Mieter lebt über seine Verhältnisse


Wohnkosten-Schock: Jeder achte Mieter lebt über dem Limit

Stand: 04.08.2026, 07:00 Uhr

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Eine Postbank-Umfrage zeigt: Fast die Hälfte der Mieter kommt gerade so über die Runden. 60 Prozent zahlen mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für Wohnen. Eigenkapital fehlt – Erbe wird zur einzigen Chance.

München – Die Zahlen aus der aktuellen Postbank-Umfrage lesen sich wie ein Offenbarungseid der deutschen Wohnungspolitik. 12,2 Prozent der befragten Mieter geben offen zu: Wir leben über unsere Verhältnisse. Weitere 48,5 Prozent schaffen es gerade so, ihre Wohnkosten zu stemmen.

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Nur noch 34,1 Prozent können sich ihre Miete problemlos leisten – 2023 waren es noch 44 Prozent. Die Verschärfung innerhalb von drei Jahren zeigt: Deutschlands Mietmarkt entwickelt sich zur sozialen Sollbruchstelle.

Heizkörper mit Thermostat in Wohnung

60 Prozent zahlen mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für Wohnen. © IMAGO/Marco Bader

Die 30-Prozent-Regel ist Geschichte

Finanzberater predigen seit Jahrzehnten dieselbe Faustregel: Maximal 30 Prozent des Nettoeinkommens sollten für Wohnen draufgehen. Die Realität sieht anders aus.

Laut WirtschaftsWoche müssen 60 Prozent der Mieter diese Grenze überschreiten – bei knapp einem Drittel sind es sogar 40 Prozent oder mehr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege bei der Deutschen Bank, bringt es auf den Punkt: Wohnen werde für immer mehr Menschen zur finanziellen Zumutung. Die Schere zwischen Mietern und Eigentümern öffne sich dramatisch.

Eigenkapital fehlt – Erbe als einziger Ausweg

Fast jeder zweite Mieter würde lieber in den eigenen vier Wänden leben. Der Wunsch ist da, die Mittel fehlen. Die größte Hürde: fehlendes Eigenkapital. 45,8 Prozent der Befragten sehen Wohneigentum nur noch durch Erbschaft erreichbar.

Diese Entwicklung zementiert soziale Ungleichheit über Generationen hinweg. Wer keine vermögenden Eltern hat, bleibt dauerhaft in der Mietfalle – egal, wie hart gearbeitet wird.

Politikversagen mit System

Die Umfrageergebnisse offenbaren ein strukturelles Problem, das Politik und Wirtschaft seit Jahren ignorieren. Während Eigentümer von Wertsteigerungen profitieren und Vermögen aufbauen, zahlen Mieter sich arm.

Die YouGov-Befragung im Auftrag der Postbank erfasste 1.109 Mieter – die Ergebnisse sind repräsentativ und alarmierend zugleich. Bezahlbarer Wohnraum wird zum Luxusgut in einem Land, das sich gerne als soziale Marktwirtschaft bezeichnet.

Business Punk Check

Die Postbank-Umfrage entlarvt eine unbequeme Wahrheit: Deutschlands Wohnungsmarkt funktioniert nach dem Prinzip „Erbe oder miete dich arm“. Während Politik von bezahlbarem Wohnraum schwadroniert, manifestiert sich eine Zwei-Klassen-Gesellschaft aus Eigentümern und dauerhaft Mietenden.

Die 30-Prozent-Regel ist für 60 Prozent der Mieter längst Makulatur – viele zahlen 40 Prozent oder mehr ihres Einkommens fürs Wohnen. Das eigentliche Problem: Die Eigenkapitalhürde von 80.000 Euro aufwärts macht Wohneigentum zur Lotterie der Geburt. 45,8 Prozent sehen Erbe als einzigen Weg – eine schonungslose Bankrotterklärung des Leistungsprinzips.

Wer nicht vermögende Eltern hat, kann sich abstrampeln, wie er will: Der Vermögensaufbau durch Immobilien bleibt verwehrt. Für Unternehmer und Selbstständige bedeutet das: Mitarbeiter binden wird schwerer, wenn die Hälfte des Gehalts für Miete draufgeht. Standortentscheidungen müssen Wohnkosten einkalkulieren.

Und die soziale Sprengkraft dieser Entwicklung wird Politik und Wirtschaft noch einholen – spätestens wenn die Generation Dauermiete erkennt, dass Altersvorsorge durch Eigentum für sie keine Option ist.