(+) Megafund: Schwappt die Crystal-Meth-Welle jetzt nach Hamburg?
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Polizei
Zoll macht Riesenfund: Schwappt die Crystal-Meth-Welle jetzt nach Hamburg?
Der Mega-Fund aus Pakistan alarmiert den Zoll. Doch wird Hamburg jetzt wirklich zum Crystal-Drehkreuz?
Ende August machte die Staatsanwaltschaft einen Fund öffentlich, der bereits Anfang Mai gelungen war: In einem Container aus Pakistan entdeckten Zoll und Polizei 1,5 Tonnen Crystal Meth, versteckt in mehr als hundert vermeintlichen Reissäcken. Geschätzter Wert: 28,5 Millionen Euro. Dabei waren solche Mengen in Hamburg bislang die Ausnahme: 2022 stellte der Zoll gut 180 Kilo sicher, 2025 waren es knapp 600 Kilo. Ist Hamburg plötzlich auf dem Weg zum neuen Crystal-Drehkreuz? Tatsächlich verändert sich der illegale Markt.
Wo kommt Crystal Meth her?
„Früher kam das Crystal Meth vor allem aus kleineren Laboren in Tschechien“, sagt Markus Tönsgerlemann, Beauftragter der Zollverwaltung für Hafensicherheit. Das Phänomen kennen Zoll und Sicherheitsbehörden seit etwa 20 Jahren. Bis heute werde Meth unter anderem in Tschechien, den Niederlanden und auch in Deutschland produziert.
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Doch inzwischen tauchen andere Routen auf: Die 1,5 Tonnen im Hamburger Hafen kamen aus Pakistan. Auch in Europa läuft die Produktion weiter: 2024 wurden in zehn EU-Ländern insgesamt 252 Methamphetamin-Labore entdeckt.
Wer steckt hinter dem Schmuggel?
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Nicht unbedingt die eine Bande, die vom Labor bis zum Straßenverkauf alles selbst erledigt. Tönsgerlemann spricht von „Crime as a Service“. Kriminelle Netzwerke bedienen sich einer ganzen Kette von Dienstleistern – „vom Stauerpacker über die Spedition bis zur Weiterverteilung“.
Dabei könne ein Dienstleister auch für mehrere Kartelle arbeiten. „Die einzelnen Beteiligten wissen teilweise gar nichts voneinander“, sagt Tönsgerlemann. Dass dahinter dieselben Gruppen stecken wie beim Kokain, kann der Zoll bislang nicht belegen.
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Wie findet der Zoll Crystal Meth in einem Container?
Durch Risikoanalysen – und Röntgentechnik. Auch beim aktuellen Fund zeigte die Durchleuchtung des Containers deutliche Auffälligkeiten. Die Spezialisten achten dabei etwa auf „Schattierungen“ und „unterschiedliche Graustufen“, erklärt Tönsgerlemann. Danach wird bei Verdacht von Hand kontrolliert.
Ist der 1,5-Tonnen-Fund ein Ausreißer – oder verändert sich der Markt?
Die Zahlen fallen zumindest auf: 2022 wurden in Hamburg mehr als 180 Kilo Crystal Meth aus Mexiko entdeckt. 2025 waren es knapp 600 Kilo – diese Lieferung war nach Angaben des Zolls für Australien bestimmt. Nun folgten 1,5 Tonnen aus Pakistan.
Trotzdem warnt Tönsgerlemann davor, daraus schon eine Crystal-Welle abzuleiten. „Es ist für uns noch keine Trendumkehr erkennbar.“ Die Funde machten den Zoll aufmerksam, seien bislang aber „noch nicht geeignet, die Kontroll- und Ermittlungsstrategie komplett umzustellen“. Es handelt sich um einzelne sehr große Sicherstellungen, aus denen keine direkten Muster abgeleitet werden können.
Was unterscheidet Crystal Meth vom Kokainhandel?
Vor allem weiß der Zoll über Kokain deutlich mehr: „Die Erkenntnislage ist breiter, weil wir viel mehr Erfahrung haben“, sagt Tönsgerlemann. Entsprechend genauer sind die Risikoprofile für verdächtige Lieferungen. „Die haben wir natürlich auch im Crystal-Meth-Bereich, aber nicht in dem Umfang.“
Hinzu kommt: Kokain wird fast ausschließlich in Südamerika produziert. Das Rauschgift wird aus Cocablättern gewonnen, die im großen Stil fast ausschließlich in den Andenstaaten Kolumbien, Peru und Bolivien angebaut werden. Crystal Meth kann dagegen überall dort hergestellt werden, wo die nötigen Chemikalien und Labore vorhanden sind – deshalb sind auch die möglichen Schmuggelrouten vielfältiger.
Wird Crystal Meth überhaupt in Hamburg konsumiert?
Ja – aber bislang eher am Rand. Ingo Schäfer, Leiter des Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung am UKE, sieht Crystal bei Klienten zwar immer wieder, aber längst nicht in den Ausmaßen wie etwa in Sachsen oder Bayern. Hamburg sei in dieser Hinsicht nie zu einer ausgeprägten Crystal-Region geworden. Stattdessen spielen Kokain und Crack eine größere Rolle.
Das lässt sich auch im Abwasser erkennen: In einer Auswertung von 2025 lag die Methamphetamin-Belastung in Hamburg bei durchschnittlich 6,5 Milligramm pro 1000 Einwohner und Tag. In Magdeburg waren es rund 218 Milligramm, in Chemnitz sogar knapp 382 Milligramm – fast 60-mal so viel wie in Hamburg. Beim Kokain ist es genau andersherum: Dort gehört Hamburg mit Werten um 700 Milligramm zu den deutschen Städten mit den höchsten Werten.
Warum kommen dann 1,5 Tonnen Crystal nach Hamburg?
Weil Hamburg nicht nur Absatzmarkt ist, sondern eines der wichtigsten Einfallstore für verschiedenste Waren. Rund acht Millionen Container werden hier pro Jahr umgeschlagen. Schon die Staatsanwaltschaft erklärte zum aktuellen Fund, es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass die 1,5 Tonnen für den Hamburger Markt bestimmt waren.
„Bei anderthalb Tonnen ist die Wahrscheinlichkeit relativ groß, dass das nicht für den Hamburger Markt alleine bestimmt war“, sagt auch Tönsgerlemann. Wohin die aktuelle Ladung sollte, ist allerdings noch unklar.
Dass Hamburg als Zwischenstation dienen kann, zeigte sich bereits 2025: Die knapp 600 Kilo Crystal sollten laut Zoll weiter nach Australien verschifft werden. „Das funktioniert marktwirtschaftlich“, sagt Tönsgerlemann. „Es wird an diejenigen geliefert, die es bezahlen und gebrauchen können.“
Wer konsumiert Crystal Meth?
„Den typischen Crystal-Konsumenten gibt es nicht“, sagt Ingo Schäfer. Er erlebt die Droge in sehr unterschiedlichen Lebenswelten: beim Partygänger, der möglichst lange durchhalten will, beim Berufstätigen unter Leistungsdruck oder bei Menschen in psychisch belastenden Lebenssituationen. Ein niedriger sozialer Status sei entgegen vieler Klischees keineswegs Voraussetzung.
Wie wirkt Crystal Meth – und was macht die Droge so gefährlich?
Crystal macht extrem wach, steigert den Antrieb und lässt Konsumenten lange durchhalten. „Die Menschen schlafen teilweise tagelang nicht“, erklärt Schäfer. Genau darin liegt auch die Gefahr: Irgendwann folgt der „Crash“. Herz und Kreislauf werden stark belastet, hinzu kommen Risiken wie Psychosen, schwere Depressionen und Suizidgedanken. Hinzu kommt ein hohes Abhängigkeitsrisiko.
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