St. Pauli siegt – doch Rapp findet klare Worte


FC St. Pauli

„Zu passiv, zu unsauber“: St. Pauli klopft oben an – aber Trainer Rapp wird deutlich

Marcel Rapp gratuliert Abdoulie Ceesay zu seinem Tor gegen Karlsruhe.
Witters

Beim verdienten 2:0 gegen KSC sieht St. Paulis Coach Marcel Rapp noch einige Kritikpunkte. Der Weg, den der Kiezklub eingeschlagen hat, ist aber der richtige.

Es war irgendwie eine komische Nummer. Eine mit einigen Unzulänglichkeiten, mit ziemlich vielen kleinen und ein, zwei großen Fehlern, aber die fielen in der Summe nicht ins Gewicht. Denn der FC St. Pauli hat sein Heimspiel gegen den Karlsruher SC mit 2:0 (1:0) gewonnen, den generellen Aufwärtstrend der vergangenen Wochen bestätigt und ist im Tableau auf Rang sieben geklettert. Die 29.546 Fans am Millerntor sahen neben den Treffern von Abdoulie Ceesay und Lars Ritzka aber auch, dass die Kiezkicker mit dem Feuer spielten und entscheidend von strittigen Schiri-Entscheidungen profitierten.

St. Pauli war gut ins Spiel gestartet, hatte Chancen und hätte dennoch zurückliegen können bis müssen. Dem Kopfballtreffer von Karlsruhes Christoph Kobald (20.) verwehrte Referee Lukas Benen (Nordhorn) aus zweifelhaften Gründen die Anerkennung – der „Game Changer", wie Trainer Marcel Rapp es beschrieb. Denn danach übernahm St. Pauli die Kontrolle, in vielen Szenen fehlte es aber an Zentimetern oder anderen Nuancen. Eigentlich auch beim Pass von Joel Chima Fujita auf Connor Metcalfe, doch der Australier machte das Beste daraus, setzte Abdoulie Ceesay in Szene. Und der traf aus spitzem Winkel zum 1:0 (31.), wobei KSC-Keeper Hans Christian Bernat keine gute Figur abgab.

Abdoulie Ceesay und Lars Ritzka treffen für St. Pauli

„Wir sprechen immer darüber, dass es wichtig ist, das erste Tor zu machen“, sagte Eric Smith. „Es ist ein großer Vorteil für uns. Heute war eines der besseren Spiele, zumindest in der ersten Halbzeit haben wir viele Chancen kreiert.“ Der zweite Treffer lag in der Luft, fiel aber erst nach dem Seitenwechsel – mit Smith in einer Hauptrolle. Seinen Freistoß aus dem linken Halbfeld verlängerte Verteidiger Lars Ritzka zum 2:0 in die Maschen (52.). Das hätte der K.o. für den seit zuvor fünf Partien sieglosen KSC sein sollen. Doch statt eines souveränen Vortrags folgte „die Phase, mit der ich nicht zufrieden bin“, wie Rapp es formulierte.

Von einer Sekunde auf die andere begann St. Pauli zu wackeln gegen einen Kontrahenten, der nicht zwingend den Eindruck erweckte, an sich zu glauben. Schon zwei Minuten nach dem zweiten Treffer musste Torhüter Ben Voll mit einem überragenden Reflex den Anschluss gegen Shio Fukuda verhindern, nachdem in der Entstehung ein halbes Dutzend Zweikämpfe zuvor an die Gäste gegangen war. „Ich möchte nicht sagen, dass wir zu passiv waren, aber wir sollten schon etwas sicherer stehen und ein 2:0 über die Bühne bringen“, sagte Louis Oppie.

St. Pauli-Coach Marcel Rapp mit klarer Kritik

Dem widersprach sein Trainer deutlich. „Wir waren einfach zu passiv“, schimpfte Rapp. „Klar wurde der Gegner aktiver, verteidigte ein wenig höher“, räumte er ein, hielt den Vorwurf aber aufrecht und fügte noch einen an: „Unsere möglichen Umschaltsituationen hat man vielleicht gar nicht wahrgenommen, weil wir viel zu unsauber waren.“ Und wer weiß, was passiert wäre, hätte Schiri Benen den Anschlusstreffer von Lilian Egloff (82.) anerkannt und nicht wegen Abseits weggepfiffen, gleichwohl der Ball von Smith zum Schützen gelangt war.

Andererseits war es irgendwie auch mal wieder an der Zeit für Braun-Weiß, ein Spiel auf solche Weise zu gewinnen, zumal das nicht nur für Oppie „verdient“ war unterm Strich: „Am Ende steht die Null, und ich hatte auf dem Platz schon das Gefühl, dass wir stabil stehen.“ Man habe sich den Dreier erarbeitet, „und das war sehr wichtig nach der langen Länderspielpause“.

St. Pauli mit frischem Selbstbewusstsein nach Hannover

Und vor dem schweren Gang nach Hannover am kommenden Samstag. „Mit der ersten Halbzeit“, bilanzierte Marcel Rapp, „bin ich total zufrieden. Die Jungs sollten die guten Trainingseindrücke aus der Länderspielpause bestätigen, das haben sie gemacht.“ Man sei generell auf einem guten Weg, „und mit dem Dreier jetzt fällt alles noch etwas leichter, weil das Selbstbewusstsein noch größer wird“. 

Wir haben viele gute Spieler, und dann ist man normalerweise ein Team, das hart zu schlagen ist.

Eric Smith

Das konnte Eric Smith mit Blick auf die bevorstehende Reise nach Hannover untermauern. „Ich glaube, es gibt kein einziges einfaches Auswärtsspiel in dieser Liga. Alle Spiele sind schwierig“, sagte der schwedische Nationalspieler. „Aber wir haben viele gute Spieler, und dann ist man normalerweise ein Team, das hart zu schlagen ist. Das müssen wir so beibehalten und mit derselben Energie reingehen. Dann wissen wir, wie wir sie schlagen. Also lasst uns das tun.“

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