13.000 Taxifahrer verklagen Uber – Urteil steht nach jahrelangem Konflikt fest


Stand: 21.10.2026, 14:21 Uhr

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Taxifahren

Ein Taxi aus Deutschland. (Symbolfoto) © Jonas Walzberg/dpa

In Großbritannien tobt seit Jahren ein Kampf zwischen Taxi- und Uberfahrern. Nun hat ein Gericht für Klarheit gesorgt.

London – Eine Sammelklage von mehr als 13.000 Taxifahrern gegen den Fahrdienstvermittler Uber ist vor einem Gericht in Großbritannien vollständig gescheitert. Richter Justice Birt entschied am Montag (19. Oktober), dass die Klage verjährt und schlicht zu spät eingereicht worden sei. Damit ist ein jahrelanger Konflikt zwischen Londons traditionellen Taxifahrern und dem US-amerikanischen Fahrtenvermittler vorerst beendet, jedenfalls vor diesem Gericht.

Die Uber-Klage der Londoner Taxifahrer war im Jahr 2024 erhoben worden und bezog sich auf einen Zeitraum, der bereits Jahre zurückliegt: konkret auf den Betrieb der Uber-App in der britischen Hauptstadt zwischen Mitte 2012 und März 2018. Den Fahrern zufolge soll Uber die Verkehrsbehörde „Transport for London (TfL)“ gezielt über das Buchungssystem der App in die Irre geführt und damit gegen die Vorschriften für private Mietwagenlizenzen verstoßen haben. Uber wies alle Vorwürfe zurück.

Vorabanhörung mit Stichprobengruppe: 20 Fahrer im Fokus

Bevor das Gericht über die eigentliche Klage entscheiden konnte, fand eine dreitägige Vorabanhörung statt. Dabei nahm eine Stichprobengruppe von 20 Taxifahrern teil, um eine zentrale Frage zu klären: Wussten die Kläger bereits vor Juni 2018 von der angeblichen Täuschung? Das ist rechtlich entscheidend, denn das britische Gesetz schreibt vor, dass Klagen wegen Verschwörung innerhalb von sechs Jahren ab dem Zeitpunkt eingereicht werden müssen, an dem der Betroffene von einem möglichen Anspruch Kenntnis erlangt hat. Da die Klage erst 2024 einging, war diese Frist nach Auffassung des Gerichts längst abgelaufen.

Ein wichtiger Baustein im Urteil war ein Brief, den „TfL“ bereits im September 2017 an Uber verschickt hatte. Darin lehnte die Behörde die Verlängerung von Ubers Londoner Betriebslizenz ab und hielt fest, dass die App irreführende Angaben gemacht habe. Dieser Brief wurde im Dezember 2017 von der „London Taxi Drivers Association“ öffentlich gemacht – und damit für alle Taxifahrer zugänglich.

Richter: Informationen waren längst bekannt

Richter Justice Birt ließ in seiner Urteilsbegründung keinen Zweifel daran, dass die Kläger früher hätten handeln müssen. Er stellte fest, es seien „zweifellos genügend Informationen allgemein bekannt und verstanden gewesen, wie Uber operierte, um Anwälte aufzusuchen und mögliche Klagemöglichkeiten zu erkunden“. Laut dem Richter hätten die Taxifahrer bereits wenige Wochen nach der Veröffentlichung des „TfL“-Schreibens rechtliche Schritte einleiten können.

Er betonte außerdem, dass die Taxifahrer über Berufsverbände und andere Kanäle über Jahre hinweg gut über Ubers Geschäftsmodell informiert gewesen seien. Es habe vor 2018 weitverbreitet die Ansicht bestanden, dass Uber rechtswidrig operiere und die „TfL“ irregeführt habe. Das Urteil, über das unter anderem The Independent berichtet, macht damit deutlich: Die Taxifahrer hätten das nötige Wissen gehabt, sie warteten nur zu lange.

Sammelklage: Was das Verfahren für alle Beteiligten bedeutet

Bei einer Sammelklage werden Rechts- und Tatfragen verbindlich für alle Gruppenmitglieder geklärt, auch für jene, die nicht aktiv am Verfahren teilgenommen haben. Für die mehr als 13.000 betroffenen Londoner Taxifahrer bedeutet das Urteil daher: Ihre gebündelten Ansprüche gegen Uber sind mit dieser Entscheidung vom Tisch. Ein grundlegendes Risiko für Kläger in Sammelverfahren besteht ohnehin darin, dass sie mit ihrer Teilnahme faktisch auf ihr individuelles Recht auf rechtliches Gehör verzichten, ein Aspekt, der bei einem derart langen Vorlauf besonders schwer wiegt.

Uber reagiert gelassen – und blickt auf nächsten Rechtsstreit

Uber selbst zeigte sich nach dem Urteil wenig überrascht. Ein Unternehmenssprecher erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Press Association, man sei „stolz darauf, mit Tausenden von Privat- und Taxifahrern zusammenzuarbeiten, um Millionen von Fahrgästen in ganz London zu bedienen“. Das Urteil habe diese „Altlasten endgültig der Vergangenheit übergeben“, so der Sprecher weiter.

Wirklich entspannt dürfte es für Uber jedoch vorerst nicht werden. Bereits in der Woche nach dem Urteil erwartet das Unternehmen in London einen deutlich größeren Rechtsstreit. Dabei geht es um einen Konflikt mit der britischen Steuerbehörde, mit einem Streitwert von mehr als einer Milliarde Pfund. Die Uber-Klage der Londoner Taxifahrer ist damit zwar entschieden, der nächste juristische Kampf steht aber schon unmittelbar bevor. (Quellen: The Independent, PA Media, Archiv)