24 Stunden Trump TV: Warum der neue Sender des Weißen Hauses am Ende sogar CNN dringend braucht
24 Stunden Trump TV: Was der Sender des Weißen Hauses wirklich zeigt
Stand: 25.09.2026, 14:00 Uhr
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24 Stunden lang verfolgt eine Fernsehkritikerin Trumps neuen Sender. Zu sehen sind alte Clips, Staatsbesuche ohne Ton und ein Präsident ohne Plan. Ein Kommentar von Monica Hesse.
Washington, D.C. – In den ersten zehn oder elf Minuten, in denen ich den neu gestarteten Nachrichtensender des Weißen Hauses verfolgte, prüfte ich immer wieder, ob mein Computer eingefroren war. Auf dem Bildschirm sah ich nur einen blauen Hintergrund mit den Worten: „Wir beginnen in Kürze.“
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Was genau sollten wir beginnen? Keine Ahnung. Es war der erste vollständige Tag von Trump TV: The Essentials Station, und etwa 1.300 Zuschauer hatten sich auf YouTube zugeschaltet, um es herauszufinden. Das Weiße Haus hatte versprochen, der Sender werde „die größten Momente der Trump-Regierung an einem Ort versammeln … rund um die Uhr streamen und in Echtzeit aktualisieren“. In einer E-Mail des Office of Communications hieß es, er richte sich an Menschen, die die „etablierten Medien“ satt hätten und „direkt zum Präsidenten gelangen“ wollten.
Ich hatte auf einen ganzen Tag voller Eröffnungsnummern gehofft. Auf Glitzer und Spektakel. Steckt Marco Rubio mit Stephen Miller und sechs Tuben Eyeliner ins Octagon. Man wird ja noch träumen dürfen.
Plötzlich verschwand der blaue Bildschirm. Zu sehen war nun eine „trilaterale Unterzeichnungszeremonie“ mit Präsident Donald Trump und Würdenträgern aus Dänemark und Grönland. Alle Beteiligten gaben kurze Erklärungen ab und standen anschließend herum, bis das Bild erneut abrupt wechselte.
Ohne jede Vorankündigung stand als Nächstes Vizepräsident JD Vance neben Mehmet Oz, dem Leiter der Centers for Medicare and Medicaid Services, an einem Rednerpult und wetterte gegen medizinischen Betrug. Besonders empörte ihn etwas namens Allotransplantate. (Wussten Sie, dass Hauttransplantationen in den vergangenen Jahren völlig überhandgenommen haben? Wer bekommt all diese Hauttransplantate? DAS IST ABZOCKE MIT TRANSPLANTATEN.) Es folgte eine Reihe von Clips über undokumentierte Einwanderer, die angeblich Straftaten begangen hatten. Anschließend erhielten irgendwelche Astronauten Medaillen. Danach stellte sich eine zufällige Bürgerin als gebürtige Washingtonerin vor und erzählte die Geschichte ihres tragisch ermordeten Enkelsohns. Später besichtigten wir ein Ford-Werk.
Ein Nachrichtensender ohne Nachrichten
Trump TV hat weder Nachrichtensprecher noch Reporter. Es gibt weder Einblendungen noch erklärende Sprechertexte. Niemand erklärt Ihnen, was Sie sehen oder warum Sie es sehen. Als ich mitten in der Nacht einschlief, zeigte der Sender eine Militärübung mit Navy SEALs auf Geländemotorrädern. Als ich einige Stunden später wieder aufschreckte, lag die Zuschauerzahl dieses wegweisenden Projekts bei etwa 400 Menschen, und wir alle sahen fünf Monate altes Material von der Ostereiersuche im Weißen Haus.
All das beantwortete die Frage: Was passiert, wenn der fernsehsüchtigste Präsident der Welt keinen direkten Zugang mehr zum Fernsehen der großen Sender hat?
Der Auslöser für Trump TV war eine Entscheidung der Regierung Anfang dieser Woche. Sie kündigte abrupt an, Politico, CNN und MS NOW aus dem Weißen Haus zu verbannen, und warf ihnen „eine lange Geschichte falscher Berichterstattung“ vor. Für viele Nachrichtenorganisationen war dies eine unverhohlene Missachtung des Ersten Verfassungszusatzes. Aus Protest und Solidarität erklärten ABC, CBS, Fox News und NBC, sie würden die Fernsehberichterstattung über Veranstaltungen des Präsidenten einstellen. Andere Medien, darunter The Washington Post, verzichteten Anfang dieser Woche vorübergehend darauf, neue Fotos von Trump zu veröffentlichen.
Der Präsident verlor den Sauerstoff – und mit Sauerstoff meinen wir Sendezeit.
Der Pressepool des Weißen Hauses entstand vor Jahrzehnten. Er soll einer wechselnden Gruppe von Reportern sowie Foto- und Videoreportern ermöglichen, abwechselnd jeden Tag die öffentlichen Äußerungen und Auftritte des Präsidenten zu dokumentieren. Das System ermöglicht es einigen wenigen akkreditierten Journalisten, für viele die Augen und Ohren zu sein – besonders in Situationen, in denen Hunderte aus logistischen Gründen unmöglich wären, etwa an Bord der Air Force One.
Im Kern vermittelt der Pressepool die Vorstellung, dass die Exekutive der Vereinigten Staaten dem Volk gehört. Die Worte und Handlungen des Präsidenten sollten für uns alle sichtbar sein. Die Regierung sollte ein offenes Buch sein. Das ist so wichtig, dass konkurrierende Nachrichtenorganisationen sich bereit erklären, ihre Beiträge untereinander und mit der Öffentlichkeit zu teilen – als Teil einer umfassenderen und anspruchsvolleren Aufgabe.
Trump mag den Pressepool nicht lieben, aber er liebt das Fernsehen, und zwar zutiefst. Er liebt Wahlkampfkundgebungen. Er liebt Festveranstaltungen. Er liebt die Vorstellung eines gebannt zuschauenden Publikums, das zu Hause auf seinen Sofas sitzt. Das Fernsehen ist das Medium, in dem er sich am kompetentesten und mächtigsten fühlt.
Diese Woche nahm er sich leider selbst die beste Chance auf ein Publikum – gerade in dem Moment, in dem er es am dringendsten wollte: um den chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Washington zu einem glänzenden dreitägigen Gipfel über die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu empfangen.
Trump hatte geplant, Xi bei dessen Ankunft am Mittwoch auf der Joint Base Andrews zu begrüßen – ein seltener Schritt gegenüber einem ausländischen Staatsoberhaupt. Er hatte einen militärischen Überflug arrangiert. Einen roten Teppich und Kanonen. Wissen Sie, wie prächtig Trumps neuer Hubschrauberlandeplatz mit seinem zehn Zentimeter dicken kalifornischen Granit auf der Südwiese aussieht? Ich auch nicht. Das liegt daran, dass dort trotz der Einweihungszeremonie, die er am Montag abgehalten hatte, niemand aus dem Pressepool war, um den Hubschrauberlandeplatz zu filmen.
Dann kam Trump TV. Kritiker stellten fest, der Verzicht auf Journalisten zugunsten staatlich gelenkter Nachrichten erinnere stark an das Vorgehen eines autoritären Regimes. Wie auch immer: Trump TV war da.
Ein Staatsbesuch ohne Erklärung
Auf Trump TV konnte ich neun Minuten lang Xis Ankunft auf der Andrews-Basis verfolgen. Am Ende des roten Teppichs stand eine Kamera. Die Präsidentenpaare beider Länder begrüßten einander. Sie sagten einander etwas, aber wir konnten nicht hören, was. Es gab keine strategisch platzierten Mikrofone. Ein Mädchen und ein Junge überreichten dem chinesischen Präsidenten und der First Lady Blumensträuße.
Wer waren diese Kinder … noch mal? Wen oder was repräsentierten sie? Staatsbesuche folgen einem aufwendigen Protokoll. Jedes Detail hat eine Bedeutung. Wir hätten eine Erklärung von Kaitlan Collins von CNN gebrauchen können. Vielleicht hätte sie einen alten Hasen interviewt, der schon einen oder drei China-Gipfel organisiert hatte.
Allerdings darf man nicht vergessen, dass China einiges über staatlich gelenkte Medien weiß, die darauf ausgerichtet sind, Regierung und Land im attraktivsten Licht erscheinen zu lassen. Noch während Trump TV eine holprige, neuminütige Version der Begrüßungszeremonie ohne Ton und Schnitt zeigte, hatte die englischsprachige Social-Media-Seite von China Central Television bereits eine einminütige Fassung veröffentlicht. Sie begann mit der Sonne, die über den Tragflächen von Xis Flugzeug unterging, während es nach Amerika flog. Anschließend folgten Aufnahmen der im Wind flatternden Flaggen beider Länder.
Als ich die englischsprachige Website von China Central Television aufrief, forderte mich die Seite sofort auf, auf ein eingängiges Musikvideo zu klicken. Darin waren Hochgeschwindigkeitszüge, marschierende Soldaten, Projekte für erneuerbare Energien, siegreiche Athleten und Touristen aus aller Welt zu sehen – unterlegt mit Textzeilen, in denen optimistisch versprochen wurde, „die Welt unter derselben Sonne zu verbinden“.
Dann wechselte ich zurück zu Trump TV. Dort saß Trump zwischen gelangweilt wirkenden Staatschefs aus Jordanien und Katar – bei einem Treffen des Golf-Kooperationsrats – und erzählte ihnen erneut, dass er vor zwei Jahren einen Erdrutschsieg bei der Präsidentschaftswahl errungen habe.
Keine Dramaturgie, kein Kontext
Was an Trump TV während meiner 24 Stunden nahezu ununterbrochenen Zuschauens faszinierte, war sein doppeltes Versagen. Der Sender arbeitete ohne Nachrichtenprofis; ihm fehlten hilfreiche Einordnungen, Anmoderationen, historischer Kontext und Zeitstempel. Zugleich ließ er den Prunk eines autoritären staatlichen Nachrichtensenders vermissen.
Der Sender zeigte keine siegreichen Athleten und keine Freude. Es gab keine anschwellende Musik, keine huldigende Erzählweise und keinen Erzählbogen. Ebenso wenig vermittelte er ein Gefühl dafür, warum ein bestimmtes Ereignis von Bedeutung war, wann es stattgefunden hatte oder überhaupt, um welches Ereignis es sich handelte.
Die Zuschauer müssen sich Hinweise zum Zusammenhang zusammensuchen und sich selbst einen Reim darauf machen. In einem Clip von einer Wahlkampfveranstaltung für den Kongresskandidaten Ed Gallrein verrieten uns die wiederholten Beschimpfungen des Abgeordneten Thomas Massie (Republikaner aus Kentucky), dass die Aufnahme vor der Vorwahl in diesem Bundesstaat im Mai entstanden war. Ein anderer Clip machte mich auf Trumps Ankündigung eines überarbeiteten Gesundheitssystems aufmerksam. Eine Google-Suche ergab jedoch, dass der Clip mehr als ein Jahr alt war. Soweit ich sehen kann, hat dieses Gesundheitssystem nie die angekündigte Überarbeitung erfahren.
(Wessen Aufgabe ist es eigentlich, diese Playlist zusammenzustellen? Die von Natalie Harp? Die eines Praktikanten? Haben sie einfach Markwayne Mullins iPhone genommen und seine Videobibliothek mit dem nächstbesten Laptop synchronisiert?)
Meine erste Reaktion auf den Start von Trump TV war Angst.
Wenn wir unabhängige Nachrichtenmedien ausgeschaltet haben – wenn wir nur noch Zugang zu dem haben, was die Regierung streamt –, was könnte das Weiße Haus dann ablehnen, uns zu zeigen? Was könnte es vor uns verbergen?
Ein Richter ordnete am Donnerstag an, die Akkreditierungen für Politico, MS NOW und CNN vorübergehend wiederherzustellen. Doch nach 24 Stunden des Zuschauens lautete die Antwort auf meine angstvolle Frage „Was könnte das Weiße Haus vor uns verbergen?“: „Nicht so viel, wie es sollte.“
Der Pressepool besteht schließlich aus Profis mit journalistischem Urteilsvermögen. Sie liegen mit ihren Einschätzungen nicht immer richtig – schließlich sind sie Menschen –, doch im Allgemeinen arbeiten die dort vertretenen Journalisten mit einem geschärften Gespür für Nachrichtenwert, Gemeinwohl und die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums.
Trump TV scheint entschlossen, uns alles zu zeigen – aus Gründen, die mir unklar sind und bei denen ich bezweifle, dass sie den Machern selbst klar sind. Es streamt nicht, es ist ein Bewusstseinsstrom.
Jedes unbeholfene Fotomotiv. Jede mittelmäßige Initiative. Jedes beliebige Hähnchenessen. Trump TV fühlte sich an wie C-SPAN ohne jeden intellektuellen Anspruch – wie ein Vierjähriger, der immer wieder darauf besteht, dasselbe zusammenhanglose Puppentheater aufzuführen. Es war, als wäre jemand so daran gewöhnt, im Fernsehen aufzutreten, dass er vergisst, wie viel seines Erfolgs dem scharfen Blick der Produzenten in seiner Umgebung zu verdanken ist.
Der Feind aus den eigenen Reihen
Der Clip, der meine gesamte Seherfahrung am besten zusammenzufassen schien, zeigte den Präsidenten, wie er auf die Betonfläche hinausging, die einst der Rosengarten gewesen war. Dazu erklang eine Aufnahme von Lee Greenwoods „God Bless the U.S.A.“, und Trump bereitete sich darauf vor, eine Rede zu halten.
Doch das Timing stimmte nicht. Das Lied endete weder pünktlich noch wurde es ausgeblendet. Es lief weiter und weiter. Der Präsident der Vereinigten Staaten stand ratlos herum und wartete mehrere Strophen lang, bis er schließlich eine Tanzbewegung begann, die ich nur als „Sunshine Hands“ beschreiben kann. Es war etwas, das man vielleicht von den Andrews Sisters bei einem USO-Auftritt gesehen haben könnte oder das in eine Anfänger-Choreografie im Jazztanz eingebaut werden könnte.
Als das Lied schließlich endete, begann die Rede. Doch die Rede war seltsam. Es war die Art von Füllmaterial, die große Sender vermutlich nicht ausstrahlen würden: zwei Minuten, in denen etwas anderes von größerer Relevanz oder Bedeutung hätte gezeigt werden können. Es war ein Moment, in dem der Präsident nicht so wirkte, als würde er die bösen Mainstreammedien umgehen, um der Öffentlichkeit dringend notwendige Nachrichten zu überbringen, sondern als sei er verloren und albern.
Nach 24 Stunden war klar: Mein Gott, das Weiße Haus braucht CNN. Es braucht CNN und seine Schwesterkanäle, um diesem formlosen und völlig verkorksten Fernseh- und Regierungserlebnis etwas Struktur zu verleihen. Der Feind des Präsidenten ist nicht CNN. Sein wahrer Feind im Nachrichtengeschäft kommt aus den eigenen Reihen.
Es sind die „Sunshine Hands“. Es sind die „Sunshine Hands“ und Lee Greenwood, bis alle vor Scham im Boden versinken wollen.
Zur Autorin:
Monica Hesse ist Fernsehkritikerin im Ressort Style von The Post. Zuvor war sie Meinungskolumnistin und schrieb häufig über Geschlecht und dessen Einfluss auf die Gesellschaft. 2022 war sie in der Kategorie Kommentar Finalistin für den Pulitzer-Preis. Sie ist Autorin mehrerer Romane, zuletzt „They Went Left“.
Dieser Artikel war zuerst am 25. September 2026 in englischer Sprache bei der „Washingtonpost.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.