Billig-Konkurrenz aus China setzt BMW massiv unter Druck – jetzt wackelt das große Premium-Versprechen
BMW-Chef schlägt Alarm: „Wir brauchen Speed“ – und keine 35-Stunden-Woche
Stand: 25.09.2026, 14:02 Uhr
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Bringt längere Arbeitszeit mehr Leistung? Einem Vorstoß des neuen BMW-Chefs Milan Nedeljkovic stehen ernüchternde Zahlen einer Innovationsanalyse gegenüber.
München – Ein neues Auto kann technisch glänzen, aber trotzdem am Preis scheitern. Für Autohersteller wie BMW ist die Kostenfrage deshalb mehr als Buchhaltung: Sie beeinflusst die Wettbewerbsfähigkeit maßgeblich. Umso mehr gilt das, weil sich das globale Konkurrenzumfeld in den vergangenen Jahren verschärft hat und härter ist denn je.
Für den Standort Deutschland gilt, dass die Arbeitskosten zu hoch sind und die “Work-Life-Balance” nach Ansicht von Kritikern zu ausgeprägt. Der neue BMW-Chef Milan Nedeljkovic äußert sich darüber und zu weiteren Fragen in einem Interview – und nimmt auch die 35-Stunden-Woche ins Visier. Seine Botschaft: „Wir brauchen Speed.“

Autobauer investieren massiv in Software und E-Mobilität. Zugleich zeigt eine Analyse, über die welt.de berichtet: Beschäftigte in Deutschland bewerten die Innovationskultur ihrer Firmen kritischer als in anderen Industrienationen, mit gerade mal 21 von 100 Punkten. Das taugt als weiteres Warnsignal für die deutsche Wirtschaft.
BMW und der Standort Deutschland: Das sagt der CEO zum Stellenabbau
Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) nennt Nedeljković neben der Arbeitszeit hohe Energiepreise und Bürokratie als Belastungen. Die 35-Stunden-Woche sei ein Hindernis für neue Industrien, die auch um Schnelligkeit konkurrieren. Seine Diagnose: Die deutsche Wirtschaft müsse ihre Kostenstruktur verbessern und schneller werden.
Zugleich weist der BMW-Chef die Theorie zurück, der Konzern habe sich auf früheren Erfolgen ausgeruht. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren erfolgreich vom Wettbewerb abgesetzt und dabei deutlich in unsere Zukunft investiert“, erläutert der 57-Jährige. Doch neue Wettbewerber veränderten das Umfeld radikal.
Dazu gehört ein Umbau der Organisation. Mit dem Betriebsrat von BMW habe man sich binnen sechs Wochen auf ein Personalstrukturprogramm verständigt. Betroffen seien vor allem die Bereiche Verwaltung, Entwicklung und Planung in München, nicht jedoch die Werke. Betriebsbedingte Kündigungen schließt die Betriebsvereinbarung aus, dafür gibt es andere Maßnahmen, die Mitarbeitern ans Geld gehen.
Deutsche Wirtschaft im Wettbewerb: Der Kostendruck ist massiv
Wie groß der Preisdruck geworden ist, zeigt ein Blick nach China: Der Neuwagenabsatz könnte 2026 laut Nedeljkovic unter 20 Millionen sinken, nach 24 Millionen im Vorjahr. Zugleich liege die Produktion in der Volksrepublik bei fast 30 Millionen Autos. Der mögliche Exportüberschuss könnte weltweit die Preise drücken – auch bei Premiumfahrzeugen.
Zu den Leidtragenden würde auch BMW gehören. Der Vorstandsvorsitzende sagt: „Sie können immer ein günstigeres Angebot finden als einen BMW. Aber finden Sie auch ein Produkt, das unser Niveau an Qualität und Innovation bietet?“ Qualität und Innovation sollen den höheren Preis rechtfertigen, doch Newcomer wie Xiaomi und andere kratzen am Vorreiter-Image.
Hohe Arbeitskosten bedeuten nicht automatisch, dass Beschäftigte zu viel verdienen und länger arbeiten müssten. Für Firmen zählt auch, was je Arbeitsstunde entsteht: Produktivität, kurze Entscheidungswege und weniger Doppelarbeit können die Kosten senken. Auch BMW setzt deshalb auf schlankere Prozesse und mehr Eigenverantwortung.
China-Konkurrenz macht Druck – BMW-Chef „möchte keine Turbo-Entwicklung“
Künstliche Intelligenz soll Abläufe beschleunigen und Strukturen verschlanken. Doch auch wenn man “mehr Speed” benötige – hinsichtlich Tempo sagt Nedeljkovic auch: „Ich möchte keine Turbo-Entwicklung auf Kosten von Qualität, Sicherheit und Innovationen.“ Ein Auto in 18 Monaten zu entwickeln, davon halte er nichts. Mögliche Fehler und Folgekosten würden eine solche Vorgehensweise nicht rechtfertigen.
Zudem trifft der Kostendruck hierzulande offenbar auf eine zweite Schwachstelle: die erlebte Innovationskultur. Laut O.C. Tanner Culture Report bewerten Beschäftigte in Deutschland diese mit gerade mal 21 von 100 Punkten. China kommt auf 39, die USA auf 46. Das sind zwar lediglich Befragungswerte, lassen aber diesbezüglich auf Luft nach oben schließen.

Laut der Analyse bringen Beschäftigte häufiger Vorschläge ein, wenn ihre Ideen auch Anerkennung finden. Die Wahrscheinlichkeit steige dann um das Siebzehnfache; fehlende Würdigung senke sie jedoch um 96 Prozent. Das belegt nicht, dass Prämien allein Innovation schaffen. Es verweist aber auf ungenutztes Potenzial und den wirtschaftlichen Wert einer offenen Kultur.
Autoindustrie: Arbeitskosten senken – Innovationskraft nicht verspielen
Kann eine Rückkehr zu längeren Arbeitszeiten den Nachteil bei den Kosten aus der Welt schaffen? Mehr Stunden helfen wenig, wenn Abstimmungen Projekte bremsen. Zugleich benötigt Innovation Zeit zum Denken: Laut Tanner-Report steigt der kreative Ideenausstoß um elf Prozent, wenn Beschäftigte im Alltag Raum und Zeit zum Nachdenken haben.
Der Report bescheinigt Deutschland auch Stärken: 71 Punkte beim erlebten Sinn der Arbeit und 69 bei Mitbestimmung. Für den Standort heißt die Aufgabe, solche Bindungen in schnellere Umsetzung zu verwandeln. BMW sollte Kosten besser kontrollieren, ohne die Erfahrung der Belegschaft und den Mut zu neuen Lösungen zu verlieren.
Nedeljkovics Äußerungen über die Arbeitszeit und -kosten berühren einen Zielkonflikt, liefern aber keine einfache Formel. Im globalen Wettbewerb zählt nicht allein, wie viele Stunden gearbeitet wird, sondern was daraus entsteht. Entscheidend wird, ob BMW und die anderen deutschen Hersteller geringere Kosten mit Qualität und Innovation verbinden. (Quellen: F.A.Z, Welt.de, BMW)