25 Jahre Tagesgespräch: Eine Reise durchs Machtzentrum der EU


Für den langjährigen SRF-Korrespondenten Charles Liebherr ist das Brüsseler Europa-Quartier kein trockenes Büroviertel, sondern ein lebendiger, manchmal widersprüchlicher Mikrokosmos.

03.08.2026, 06:40

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Die Reise beginnt an der Büste von Robert Schuman, dem französischen Aussenminister, der 1950 die Vision eines geeinten Europas verkündete. Schuman wollte durch die gemeinsame Verwaltung von Kohle und Stahl den Frieden sichern. Doch Charles Liebherr blickt hinter diesen «Gründungsmythos»: Es ging damals auch um koloniale Rohstofferschliessung in Afrika und Kompensationsgeschäfte für die Kriegsverlierer Deutschland und Italien.

Person mit Regenschirm neben einer Büste im Freien.
Legende:

Charles Liebherr vor der Büste von Robert Schuman, einem der Gründerväter der Europäischen Union.

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Heute thront am Schuman-Kreisel die mächtige EU-Kommission. Hier wird der geopolitische Anspruch der EU sichtbar, oft getrieben durch den Druck von aussen, namentlich durch China und die USA. Doch die Realität hinkt den Ansprüchen manchmal hinterher: Der Kreisel wurde mit Corona-Geldern renoviert, die eigentlich für den Klimaschutz gedacht waren.

Das Parlament: Wo Allianzen quer durch Europa entstehen

Vor dem Europäischen Parlament, das direkt über dem Bahnhof Luxemburg gebaut wurde, wird die europäische Demokratie greifbar. Liebherr bricht eine Lanze für das oft unterschätzte Parlament: «Es wird kein europäisches Gesetz ohne Zustimmung der Abgeordneten verabschiedet.»

Modernes Gebäude mit Glasfassade und Metallstruktur.
Legende:

Wer verstehen will, wie die Europäische Union tickt, muss sich auf die Strasse begeben. Bild: Der EU-Rat in Brüssel mit der Holzfassade aus alten Fensterrahmen aus ganz Europa

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Das EU-Parlament funktioniert anders als nationale Parlamente. Für jedes Sachgeschäft müssen Allianzen über Länder- und Parteigrenzen hinweg gesucht werden. Wie komplex diese sind, zeigt sich bei den politischen Fraktionen: Die Grünen in Frankreich vertreten teilweise andere Positionen als die Grünen in Deutschland oder Schweden, was zu überraschenden Koalitionen führt.

Die Schweiz: Respektierte Aussenseiterin

Ein zentraler Ort für Liebherrs Arbeit ist das Café am Place du Luxembourg, Treffpunkt für Diplomaten, Lobbyisten und Schweizer Akteure. Direkt gegenüber liegt die Schweizer Botschaft. Ihr Innenhof schrieb Geschichte, als dort im April 2021 das Ende des Rahmenabkommens verkündet wurde.

«25 Jahre Tagesgespräch» – die Sommerserie

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In der Sommerserie «25 Jahre Tagesgespräch» kommen Persönlichkeiten zu Wort, die in all den Jahren mehrere Male zu Gast waren. Sie hören alten Sendungen nach und spannen den Faden in die Gegenwart: Wie haben sie sich verändert, wie hat sich ihr Fachgebiet entwickelt? Die Sendungen können Sie hier nachhören.

Liebherr beschreibt die EU-Kommission als hochprofessionelle «Verhandlungsmaschine». Trotz der Schweizer Eigenwilligkeit und der vielen Volksabstimmungen begegne man der Schweiz in Brüssel mit Wohlwollen und Respekt für die direkte Demokratie.

Neue Wege der Kooperation in einer veränderten Welt

Die geopolitische Zeitenwende nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hat das europäische Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt. Länder ausserhalb der EU stehen heute vor der Frage, wie sie ihr Verhältnis zur Union künftig gestalten wollen.

Person mit Kopfhörern in einem modernen, gläsernen Atrium mit mehreren Menschen im Hintergrund.
Legende:

Charles Liebherr berichtete während sieben Jahren für SRF aus Brüssel.

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Die europäische Integration ist heute kein starres «Ganz oder gar nicht»-Modell mehr. Wenn die Länder ihr Verhältnis zur EU neu definieren, können sie dabei auf ein wesentlich flexibleres Instrumentarium an Kooperationen zurückgreifen als noch vor wenigen Jahren.

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Tagesgespräch, 31.07.2026, 13 Uhr