30.000 Pakete im Jahr: DHL-Bote kennt jeden Winkel
Stand: 03.10.2026, 14:00 Uhr
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Giuseppe Cesarano stellt seit 25 Jahren Pakete in Jügesheim zu – und haftet persönlich für jede verschwundene Sendung. Bis zu 1.500 Euro kann ihn ein einziges vermisstes Paket kosten.
Jügesheim – Der Sauseschritt ist Giuseppe Cesaranos bevorzugte Gangart, langsam kann der 53-Jährige nicht. Und im Sauseschritt lässt er noch den Scanner über Adressaufkleber huschen und peilt den Klingelknopf an. Giuseppe Cesarano ist Paketzusteller bei der Post, die schon lange DHL heißt. Aber Cesarano sagt immer noch: „Ich schaffe bei der Post.“ Am 1. Oktober ist’s 25 Jahre her, dass er seinen Arbeitsvertrag unterschrieben hat. Voriges Jahr hat er 30.000 Pakete zugestellt, zieht DHL-Sprecher Stefan Heß nach einem Blick in den Computer Bilanz.

„Mona“ weiß Bescheid, sie ist Giuseppe Cesaranos ständige Begleiterin. Morgens um halb acht belädt er seinen gelben Peugeot-Transporter im Postfrachtzentrum Nieder-Roden. 150 bis 180 Pakete sind’s pro Tag. Bevor „Mona“ ihn durch seinen Bezirk – das Jügesheimer Industriegebiet, Lessingstraße, Kurt-Schumacher-Straße, Sommerfeldstraße sowie die Lange Straße mit ihren nach Malern benannten Seitenstraßen – lotst, hat Cesarano jedes Paket gescannt. So kann DHL jede Sendung bis zum Empfänger genau verfolgen. Nebenbei kennt „Mona“ jeden Rodgauer Winkel und weiß zum Beispiel, dass in der Langen Straße die Hausnummern 40 und 95 direkte Nachbarn sind.
Rodgau dieselt
DHL betreibt deutschlandweit rund 300 Zustellbasen. Das Frachtzentrum in Nieder-Roden ist eine davon. Dort beschäftigt DHL je nach Jahreszeit zwischen 100 und 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Rund 63 Prozent der Zustellflotte (etwa 40.000 Fahrzeuge) sind bundesweit bereits elektrisch unterwegs. Damit betreibt DHL eigenen Angaben zufolge in Deutschland die größte elektrische Zustellflotte und ist der größte private Ladesäulenbetreiber in Deutschland (44.400 E-Ladepunkte). In der Zustellbasis Rodgau sind aber bisher noch keine E-Autos im Einsatz.
Im Jahr 2025 betrug die Kilometerleistung für die gesamte Zustellbasis Rodgau ca. 750.000 Kilometer.
2025 wurden rund 3.000.000 Sendungen von der Zustellbasis Rodgau ausgeliefert, 30.000 davon hat Giuseppe Cesarano an die Kunden gebracht. „Er verzeichnete keinen einzigen Zustellabbruch, was seine große Zuverlässigkeit auch zahlenmäßig unterstreicht“, lobt DHL-Sprecher Heß. Dafür lässt Cesarano sogar seinen Sauseschritt sausen: Ob sie ein 35-Euro-Nachnahme-Paket für ihre in Spanien urlaubende Nachbarin entgegennehmen könne, hat er vorige Woche eine Jügesheimerin gefragt. Die war zunächst skeptisch und wollte sich zuerst das Okay holen. Die Urlauberin ging zum Glück gleich ans Telefon und bestätigte, dass alles seine Richtigkeit habe. Cesaranos Schnitt von 20 bis 22 Paketen pro Stunde war dahin, doch die Kundin war glücklich.
„Mona“ ist Giuseppe Cesaranos einzige Begleiterin im Auto. Was ihm sehr recht ist: „Ich habe eine Arbeit gesucht, die ich allein erfüllen kann.“ Mit 15 schmiss der gebürtige Frankfurter die Schule und ging für zehn Jahre nach Italien, ins Heimatland seiner Eltern. Zurück in Deutschland arbeitet er als Autolackierer, doch die Dämpfe in der Werkstatt machen ihm zu schaffen. Sein Vater Michele war bei der Post, sein Bruder Vincenzo ebenfalls. Was lag also näher, als ebenfalls dort anzufangen?
150 bis 180 Mal am Tag den gleichen Arbeitsablauf durchziehen, ist das nicht langweilig? Er könne sich keinen anderen Job vorstellen, sagt er. Und seine Kunden können sich keinen anderen Paketboten vorstellen. Giuseppe Cesarano hat für jeden ein paar freundliche Worte, egal wie groß der Stress und wie schwer das Paket ist. Seine freundliche Art kommt an. „Papa, dich kennt und grüßt ja jeder“, wundern sich seine Söhne, wenn sie privat in Jügesheim unterwegs sind.
Wo ist denn euer Briefkasten? Habt ihr den bei Ebay verkauft?
„Wo ist denn euer Briefkasten? Habt ihr den bei Ebay verkauft?“, frozzelt Cesarano den Mitarbeiter eines Baumarktlagers im Industriegebiet an. Denn er musste klingeln und warten, bis ihm jemand die Handvoll Briefe abnimmt. Zu Cesaranos Dienstjubiläum hat die DHL all ihren Paketboten eine neue Aufgabe geschenkt: Seit 1. September stellen sie auch Briefe zu. „Das hält auf“, stöhnt er. Um ein Einschreiben loszuwerden, muss er im Auto fünfmal auf den Scanner drücken und beim Kunden ein sechstes Mal.
Alles Klagen hilft nichts. Weil die Deutschen immer seltener Briefe verschicken, spart die DHL immer mehr klassische Briefträger ein und packt die wenigen verbliebenen Briefe den Paketboten ins Auto. Als fairer Arbeitgeber hat die DHL aber die Bezirke verkleinert.
Paketboten haften persönlich mit bis zu 1.500 Euro für verschwundene Sendungen. Bei Reklamationen bekommt Cesarano schon mal schlaflose Nächte. Aber – „Mona“ sei Dank – konnte er den Verbleib jedes Päckchens klären.

Wer sieht, wie Giuseppe Cesarano seinen Transporter geradezu schlafwandlerisch rückwärts durch enge Firmenhöfe steuert, fragt zwangsläufig nach Dellen und Unfällen. Zwei habe er in seinen 25 Berufsjahren gehabt, erklärt er. Einmal sei ein Radler in das parkende Postauto gerauscht; zum Glück blieb es bei minimalem Blechschaden. Richtig in die Knochen gefahren ist ihm dagegen ein Unfall auf der Ludwigstraße: Ein PKW-Fahrer hatte seinen Anhänger falsch angekuppelt. Der löste sich bei einer Aufpflasterung und flog in die Motorhaube des Post-Mercedes. „Der war damals nur einen Tag alt“, lächelt Cesarano heute über die Nebensächlichkeiten einer gefährlichen Begegnung.
Apropos gefährliche Begegnungen: Im Handschuhfach des Transporters liegt immer eine Packung Hundeleckerlis. Denn Giuseppe Cesarano ist nicht nur zu seinen zweibeinigen Kunden nett. Hundefutter hat er nämlich fast täglich an Bord.