30 Jahre nach Mord an Rapper Tupac Shakur: Angeklagter schuldig – sein eigener Anwalt nannte ihn „Lügner“


Stand: 01.09.2026, 07:20 Uhr

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30 Jahre nach dem Mord an Tupac Shakur ist Duane Davis schuldig gesprochen worden. Der ehemalige Gang-Anführer kündigte noch im Gericht Berufung an.

Las Vegas – Der frühere Gang-Anführer Duane Davis ist knapp 30 Jahre nach dem Mord an US-Rapper Tupac Shakur schuldig gesprochen worden. Die zwölf Geschworenen in Las Vegas identifizierten den 63-Jährigen als Drahtzieher für den Tod des Musikers. Nach dem dreiwöchigen Prozess und dem Abschlussplädoyer am Montag (31. August) kam die Jury nach rund drei Stunden zu ihrem Urteil.

Duane Davis wurde wegen Mordes an Tupac Shakur schuldig gesprochen.

Duane Davis wurde wegen Mordes an Tupac Shakur schuldig gesprochen. © Steve Marcus/dpa

Davis, der im schwarzen Anzug vor Gericht erschienen war, zeigte zunächst keine Regung – wandte sich dann aber an die Richterin und kündigte Berufung an. Der 63-Jährige muss nun mit lebenslanger Haft rechnen. Das Strafmaß soll am 13. Oktober verkündet werden. Ob Davis mit seiner Berufung Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten.

Ehemaliger Gang-Anführer wegen Mordes an Tupac Shakur schuldig gesprochen

Shakur wurde im Alter von 25 Jahren am 7. September 1996 in einem Auto in Las Vegas angeschossen. Sechs Tage später starb er im Krankenhaus. Damals gab es Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Rappern der Ost- und Westküste. Angehörige und Freunde von Shakur reagierten sichtlich erleichtert auf das Urteil. Sie umarmten sich und wischten Tränen aus den Augen. Der Stiefbruder des Rappers, Mopreme Shakur, reckte die Faust in die Luft, berichtete CNN aus dem Gerichtssaal.

Tupac Shakur

Shakur, auch bekannt als 2Pac, wurde 1971 in Manhattan geboren. Schon in seiner Jugend begann er zu rappen. Heute zählt er zu den einflussreichsten Künstlern der Hip-Hop-Geschichte. Mit Hits wie „All Eyez on Me“, „California Love“ und „Changes“ verkaufte der Musiker weltweit Millionen Platten. Sein Einfluss auf Rapmusik und Popkultur reichte weit über seinen Tod hinaus. 2017 wurde er posthum in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen, 2023 folgte eine Sternenplakette auf Hollywoods Walk of Fame. 

Laut Staatsanwaltschaft hatte Davis nicht selbst auf den Rapper geschossen, sondern die Vergeltungsaktion organisiert und die Waffe beschafft. Nach dem Recht des Bundesstaats Nevada kann auch jemand wegen Mordes verurteilt werden, der einem anderen bei der Tat hilft.

Tupac Shakur gilt bis heute für den Hip-Hop als eine der prägendsten Figuren.

Tupac Shakur gilt bis heute für den Hip-Hop als eine der prägendsten Figuren. © Oliver Killig/dpa

Der ehemalige Gang-Anführer wurde bereits im Jahr 2023 in Las Vegas festgenommen und wegen Mordes angeklagt. Er hatte mehrfach öffentlich darüber gesprochen, dass er in dem weißen Cadillac gesessen habe, aus dem 1996 die Schüsse auf Shakur abgefeuert wurden. Er hatte in Interviews gesagt und auch in einer Autobiografie geschrieben, dass er der einzige Insasse aus dem Auto sei, der noch lebe. In einem Verhör 2008 sagte er damals, dass sein Neffe Orlando Anderson die Schüsse abgegeben hatte. Anderson, der im Alter von 23 Jahren bei einer Schießerei ums Leben kam, gehörte mutmaßlich wie Davis den South Side Compton Crips an. Die Staatsanwaltschaft betrachtete Davis’ Äußerungen als Geständnis, berichtete CNN.

Verteidiger hält Davis für einen Lügner und Angeber

Laut Verteidiger Michael Sanft habe Davis widersprüchliche Angaben gemacht. Sein Mandant sei ein Lügner und Angeber, der viele Dinge erfunden habe, um daraus Kapital zu schlagen. Er bemängelte auch, dass die Beweise, die Davis mit der Straftat in Verbindung brächten, unvollständig seien. Zudem gebe es keine physischen Beweismittel dafür, dass er tatsächlich am Tatort war.

In der Nacht des 7. September 1996 besuchte Shakur in Las Vegas den Boxkampf von Mike Tyson. Damals war er mit dem rivalisierenden Umfeld um das Plattenlabel Death Row Records und dessen Mitgründer Suge Knight unterwegs. Nach dem Boxkampf hatten Shakur und seine Begleiter den Neffen von Davis angegriffen. Videoaufnahmen aus dem Casino dokumentieren die Schlägerei.

Anschließend fuhr Shakur gemeinsam mit Suge Knight durch die Stadt, als sich an einer roten Ampel ein weißer Cadillac neben das Fahrzeug stellte. Aus dem Cadillac wurden Schüsse abgegeben, die Tupac mehrmals trafen. Suge Knight, der am Steuer saß, erlitt lediglich einen Streifschuss. Er wurde im Prozess gegen Davis nicht geladen, sondern sitzt derzeit eine Haftstrafe wegen Totschlags ab.

Shakur war damals bei Death Row Records unter Vertrag, das mit dem Label von Sean Combs, Bad Boy Records, verfeindet war. Laut Staatsanwaltschaft waren die Plattenfirmen zugleich mit verfeindeten Gangs verbunden: Death Row mit Mob Piru, Bad Boy mit den South Side Compton Crips um Davis. Die Anklage stellte diese Verbindungen im Prozess als Hintergrund des Konflikts dar. (Quellen: dpa, CNN) (kas)