„Bodenlose Frechheit“: Österreich-Bäcker verlangt 60 Dollar für ein Brot – und New York steht Schlange


60 Dollar für Brot: Bäcker aus Österreich sorgt für Riesen-Wirbel in New York

Stand: 21.09.2026, 21:26 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Eine österreichische Bäckerfamilie verkauft ihr Roggensauerteigbrot in Manhattan. Während die Kritik im Netz groß ist, läuft das Geschäft in New York bestens.

New York – Vier Zutaten, ein Produkt, ein Preis – und eine Debatte, die den Atlantik überquert hat. Seit dem 10. September verkauft die Grazer Bäckerfamilie Auer an der Lafayette Street in Manhattan ein Roggen-Sauerteigbrot. Der Preis pro Laib: 60 Dollar, umgerechnet über 50 Euro. Trotzdem bilden sich vor dem Laden „Rye by Martin Auer“ täglich Schlangen. Inzwischen hat das beliebte Roggenbrot internationale Schlagzeilen gemacht – von Bloomberg über Fox News bis hin zum Spiegel.

In New York gibt es einen Run auf Roggenbrot.

Ein Laib für 60 Dollar: In New York gibt es einen Run auf Roggenbrot. © Anne Pollmann/dpa

Deutsche und österreichische Leser dürften bei diesem Preis besonders vom Hocker fallen. Ein vergleichbares Roggenbrot kostet in Deutschland rund 6,80 Euro. Bei der Münchner Hofpfisterei liegt der Preis für ein Brot mit 90 Prozent Roggenanteil bei etwa 8,70 Euro pro Kilo. In Österreich selbst verkauft Martin Auer sein Roggensauerteigbrot für zehn bis 15 Euro.

Bäcker aus Österreich bietet Brot für 60 Dollar an – das steckt dahinter

Der runde, flach geformte Laib wiegt rund 1,5 Kilogramm und enthält nur drei Zutaten: Bio-Roggenmehl, Wasser und Salz. Als vierte „Zutat“ nennt Auer die Zeit, schreibt die New York Post. Der Teig fermentiert demnach 24 Stunden lang, bevor er gebacken wird. Dadurch entstehe ein Geschmacksprofil, das leicht nussig und malzig ist. Nach dem Backen ruht das Brot mindestens acht Stunden auf Holzregalen. Gebacken wird in einem zwei Tonnen schweren Ofen, der aus Deutschland importiert wurde. Das Mehl wird eigens aus Österreich eingeführt. Selbst die Ladentheke ist aus einem Baum aus der Steiermark gefertigt.

„Das Gefühl, in ein frisch gebackenes Brot zu beißen. Wir finden, Glück trifft es ganz gut“, beschreibt Auer seine Backwaren auf der österreichischen Homepage seiner Bäckerei. Die Familie führt in Österreich in dritter Generation ein Familienunternehmen mit 45 Filialen. Mit dem New Yorker Konzept wollten die Auers bewusst nur eine Stärke zeigen: „Wir haben uns gedacht: Die eine Sache, in der wir ganz besonders gut sind, das bringen wir nach New York“, sagt Tim Auer, Sohn des Gründers Martin Auer, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Strategie geht offenbar auf: „Das Brot kommt super an“, so der Sohn.

Laut New York Post sei den Auers bewusst, dass 60 Dollar eine Stange Geld sind. Aus diesem Grund ist das Roggenbrot auch in kleineren Portionen erhältlich. Ein Viertellaib kostet 15 Dollar, ein halber Laib 30 Dollar. Einzelne Scheiben mit verschiedenen Belägen sind ab sechs Dollar zu haben – von Butter und Schnittlauch bis zu Fischeiern für 14 Dollar. „Das ist der spielerische Teil unserer Speisekarte“, sagte Tim Auer. „Wir wollen zeigen, was mit Roggen alles möglich ist.“ 

60-Dollar-Brot aus New York sorgt gleichermaßen für Hype und Kritik

Der Preis hat eine breite Debatte ausgelöst. Vor allem in den sozialen Medien häufen sich kritische Stimmen. „Sorry, aber 60 Dollar für einen Laib ist selbst für NYC eine bodenlose Frechheit“, schrieb ein Nutzer unter einem Beitrag der Bäckerei. Ein weiterer kommentierte: „Als Bäcker bin ich ehrlich gesagt schockiert. 60 Dollar für Brot sind völlig realitätsfern. In einer Zeit, in der wir über Nachhaltigkeit, den respektvollen Umgang mit Lebensmitteln und deren Zugänglichkeit sprechen, erscheint es mir zutiefst falsch, ein Grundnahrungsmittel in ein überteuertes Luxusgut für Wohlhabende zu verwandeln.“

Es gibt aber auch Zustimmung in der Kommentarspalte: „Ich verstehe die Verwirrung über den Preis. ABER: Wir hier sind so dankbar, ein echtes Brot ohne 29 Zutaten zu bekommen, mit Mehl, das nicht ‚angereichert‘ ist. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich freue. Und: Ein Laib Brot von einer guten Bäckerei kostet bei uns per se schon 20 bis 30 Dollar“, schreibt eine Instagram-Nutzerin. Ähnlich sieht es ein anderer: „Als Österreicher, der in Amerika lebt, heiße ich dich und dein teures Brot mit offenen Armen willkommen! Hör nicht auf die Neider, die offensichtlich keine Ahnung vom Leben in den USA haben.“

Günstig ist das Brot allerdings auch für New Yorker Verhältnisse nicht. Zum Vergleich: Ein gewöhnlicher Laib kostet in der Millionenmetropole im Schnitt nur wenige Dollar. Handwerklich hergestelltes Sauerteigbrot ist in vielen Bäckereien der Stadt für unter 20 Dollar zu haben. Klassisches Roggenbrot ist in den USA jedoch weniger verbreitet, während es in Österreich und Deutschland zum Alltag gehört. New York erlebt daher seit Jahren einen Boom handwerklicher Bäckereien.

Auch der Discounter Lidl ließ sich die Debatte um das Roggenbrot nicht entgehen: Ein auf Instagram geteiltes Foto zeigt einen Werbetruck der US-Tochter des Unternehmens, der direkt vor dem Laden parkt, berichtet Stern. Auf der digitalen Werbefläche stand in Großbuchstaben: „$60 for bread? Way cheaper: $3.99“ – auf Deutsch: „60 Dollar für ein Brot? Viel günstiger: 3,99 Dollar.“ Daneben weisen eine Karte und ein QR-Code den Weg zur nahen Lidl-Filiale in der Grand Street.

Brot für 60 Dollar: Die Auers verteidigen den Preis

Tim Auer hat Verständnis für die „Empörung über den Preis“. Doch er relativierte: „Die meisten Leute, die das gesagt haben, das war nicht in New York.“ In New York selbst bekomme man kein schlechtes Feedback. „Das ist eine der allerteuersten Städte der Welt, eine der allerteuersten Straßen in dieser allerteuersten Stadt. Die sollen sich mal anschauen, was hier eine Wohnung kostet“, sagte er. Gegenüber Fox News betonte er, das Brot werde mit importiertem Mehl von Hand gebacken.

Gründer Martin Auer drehte im Gespräch mit Die Presse den Spieß sogar um und fragte, warum sein Brot eigentlich „nur“ 60 Dollar koste. Wer Zehntausende Dollar für eine Designerhandtasche ausgebe, könne auch für gutes Brot mehr zahlen. (Quellen: Die Presse, dpa, eigene Recherche, Instagram, martinauer.at, martinauer.com, New York Post, Spiegel, Stern) (cln)