71.000 Euro verschwunden: Suspendierter Polizist bei Raub geschnappt


Karin Hendrich

Moabit – Am Abend des 16. Januar 2026 auf einem Supermarktparkplatz in Reinickendorf: Ein Lamborghini Aventador sollte für 189.000 Euro den Besitzer wechseln. Der Käufer hatte 68.000 Euro Anzahlung dabei. Doch kurz vor dem Deal traten zwei Männer in Schwarz heran: „Polizei. Wir müssen das Geld sicherstellen.“ Einer von ihnen war tatsächlich Polizist – allerdings seit fünf Jahren suspendiert.

Gerry C. (42) ist wirklich Polizeibeamter, arbeitete zuletzt als Sachbearbeiter für Kleinkriminalität. Doch seit fünf Jahren läuft gegen ihn ein Ermittlungsverfahren – bei vollen Bezügen.

Angeklagter zeigt sich geständig

Wegen schweren räuberischen Diebstahls, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und vorsätzlicher Körperverletzung sitzt er nun vor dem Landgericht Berlin. Aus der Untersuchungshaft vorgeführt, zeigt er sich überraschend locker und aussagewillig.

„Die Vorwürfe sind weitgehend zutreffend“, beginnt er. Ja, er habe sich als „im Dienst befindlicher Polizist“ ausgegeben. In Schutzweste („noch aus meiner Dienstzeit“) und einer Softair-Pistole im Holster (von seinem bis heute unbekannten Komplizen bekommen).

Worum es an dem Abend überhaupt ging? „Ich kannte die Vorgeschichte nicht“, behauptet er. „War auch an der Planung nicht beteiligt.“ Er sei angesprochen worden. Es gehe um einen Fahrzeugankauf.

Auf der Hinfahrt sei er von dem Mittäter eingewiesen worden. Er sollte den Wortführer machen. „Als Polizist weißt du ja wie das geht.“ Zu zweit seien sie zu dem Wagen gegangen, in dem Käufer S. (30, Autohändler) und der bis heute ebenso unbekannte Verkäufer gerade Geld zählten: „Polizei, bitte aussteigen. Verdacht auf dubiose Geschäfte.“

Geld wurde „beschlagnahmt“

Der Mittäter nahm das Geld, das auf dem Rücksitz lag. Es wurde angeblich „beschlagnahmt“ – wie anschließend auch noch die 3000 Euro der beiden Brüder, die mit ihrem Abschleppwagen unweit warteten, um den Lamborghini zur Reparatur nach Polen zu schaffen. Die Begründung: „Es muss die Gesamtsumme gezählt werden.“

Als der Käufer für die Vorauszahlung jedoch eine Quittung verlangte, hatte es der Mittäter plötzlich sehr eilig. Er sprang in sein Auto. Auch der Angeklagte.

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Die beiden Brüder mit ihrem Abschleppauto nahmen die Verfolgung auf. Der Käufer ebenso – bis in eine Sackgasse. Während C. nach kurzer Flucht zu Fuß von den einstigen Kollegen der Berliner Polizei geschnappt wurde, konnte der Mittäter mit der ganzen Beute türmen. Auch der offenbar dubiose Verkäufer verschwand samt Lamborghini Aventador LP700-4 Coupé.

Keine Schulden, keine Zwangslage

Warum der Angeklagte überhaupt damals mitmachte? Hatte er Schulden? Irgendeine andere Zwangslage? „Weder noch.“ Oder war es vielleicht aus Loyalität? Die Antwort: „Dazu möchte ich mich nicht äußern.“

Fortsetzung: 22. Juli