8 Stimmen Differenz: Ausgeschiedener Kandidat nennt Wesertaler Bürgermeisterwahl „Zufall"
Stand: 23.09.2026, 19:00 Uhr
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Helge Mattern, der beim ersten Wahlgang zum neuen Bürgermeister ausschied, analysiert das Ergebnis vom 13. September. Er rät allen Wesertalern zu einem bestimmten Schritt, um den Zufall zu reduzieren.
Wesertal – Beim ersten Durchgang der Bürgermeisterwahl in Wesertal am 13. September zeigte sich, dass die beiden erfolgreichen Kandidaten nur wenige Stimmen auseinanderlagen. Vor der nun entscheidenden Stichwahl am nächsten Sonntag, 27. September, sprachen wir mit dem ausgeschiedenen 3. Kandidaten, dem Versicherungsmathematiker Helge Mattern.
Herr Mattern, wie fühlen Sie sich jetzt? Sind Sie aus dem Wahlkampf schon wieder in die normale Welt zurückgekehrt?
Ja. Es hat ungefähr drei Tage gedauert, das Ganze zu verarbeiten. Aber jetzt ist alles so wie vorher. In meiner Firma, der myLife in Göttingen, wurde meine Nichtwahl gefeiert, wobei ich mich an dieser Stelle für den Rückhalt bedanken möchte, was alles andere als selbstverständlich ist.
Mit einem Clip im Netz unterwegs
Wie waren die Reaktionen auf ihre angekündigten Aktivitäten in Social Media Kanälen? Ist das erfolgreicher als Haustürgespräche?
Es war nur eine Aktivität, ein Reel auf Insta. Die Botschaft, dass ich derjenige bin, der alle Probleme löst, war dieselbe, wie in den Videos der anderen beiden Kandidaten, allerdings etwas anders verpackt. Mit fast 4000 Klicks war das wohl einigermaßen erfolgreich.
Haustürgespräche wären erfolgreicher gewesen, kamen für mich aber von Anfang an aus Rücksichtnahme auf die Privatsphäre nicht infrage.
Wahl 2032 in Sicht
Sie hatten vor der Wahl gesagt, wenn sie nicht gewinnen, würden sie sich dann auf die Kandidatur 2032 vorbereiten. Stimmt das noch?
Diese Aussage war mit einem Augenzwinkern versehen. Nein, ich werde nicht kandidieren. Was eine Kandidatur für die Familie, das Umfeld an Unruhe und Stress verursacht, sollte man nicht unterschätzen. Ich gehe seitdem an jedem Wahlplakat mit Ehrfurcht vorbei und werde mich am Sonntag nicht mit dem Gewinner freuen, sondern mit dem Verlierer leiden.
„Wir müssen aufeinander zugehen“
Womit lassen sich die aufgeworfenen Gräben zwischen den Ortsteilen wieder etwas abflachen und wie ist die Wahrscheinlichkeit, dass das gelingt? Oder gibt es diese Gräben gar nicht?
Die Gräben sind vorhanden. Sie lassen sich durch die Abweichungen vom Durchschnittswahlergebnis messen. Diese Varianz zu vermindern, ist eine der Kernaufgaben des neuen Bürgermeisters. Womit das gelingen kann: Wir müssen aufstehen, aufeinander zugehen. Das ist nicht nur der Titel eines Liedes aus den wesertaler Kirmesgottesdiensten, sondern genau das richtige Mittel dafür. Bei der Wahrscheinlichkeit bleibe ich optimistisch.
Am Wahlabend haben Sie gesagt, dass Sie keine Wahlempfehlung aussprechen. Immerhin werden die Wähler, die am 13. 9. ihr Kreuz bei Helge Mattern gemacht haben, nun wohl die Wahl entscheiden. Was sagen Sie dazu jetzt nach einigen Tagen und warum: Sollen die nun würfeln? Was sagt der Mathematiker dazu?
Los oder Zufall entscheidet
Bezogen auf die 237, die mich gewählt haben, sage ich: Nachdenken, statt würfeln wäre mir lieber. Am besten jeder für sich. Apropos würfeln. Bei 8 Stimmen Differenz zwischen den beiden Kandidaten am 13. September handelt es sich eigentlich nicht um eine Wahlentscheidung, sondern um eine statistische Schwankung. Das heißt, in diesem Fall entscheidet der Zufall, wer gewinnt.
Endet die Stichwahl selbst unentschieden, entscheidet dann tatsächlich das Los.
Aber ich habe einen guten Rat, um den Einfluss dieses Zufalls zu reduzieren. Lässt sich aus dem Gesetz der Großen Zahlen ableiten und lautet: Wählen gehen. Je mehr, desto besser. Also am Sonntag heißt es für alle Wesertaler: „Ab an die Urne!“
Helge Mattern (49) wuchs als Sohn eines Lehrerehepaares auf, besuchte die Grundschule in Oedelsheim und machte 1996 das Abitur am Gymnasium Uslar. Nach der Bundeswehr studierte er in Göttingen Mathematik. Mit dem Diplom arbeitete er Professoren zu, begann dann aber eine Beschäftigung als Aktuar (mathematischer Sachverständiger, der finanzielle Risiken und die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Ereignisse analysiert). Bei einer Lebensversicherung in Göttingen ist er seit 21 Jahren tätig. Mattern wohnt mit Frau Sandra, einem Hund, zwei Pferden und zwei Katzen auf einem früheren Aussiedlerhof in Oedelsheim.