„Ich habe einfach nur funktioniert“: Wiesn-Bedienungen werden zu Lebensretterinnen
Stand: 23.09.2026, 19:00 Uhr
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Am Dienstag kollabiert ein Mann plötzlich im Augustiner-Biergarten auf dem Oktoberfest. Drei Kellnerinnen handeln sofort – und retten ihm das Leben.
München – Thomas Vollmer, der Wirt der Augustiner-Festhalle, ist stolz – und das mit allem Recht. Für drei seiner Mitarbeiterinnen hat er bunte Herzen zum Anstecken mitgebracht – mit der Aufschrift „Lebensretterin“. So bedankt sich Vollmer für den besonderen Einsatz, den die drei Frauen gezeigt haben. Am Dienstagnachmittag meisterten Helena Morawietz (19) und die Zwillinge Daria und Frieda Aigner (25) nämlich einen außergewöhnlichen Wiesn-Arbeitstag. Einer ihrer Gäste war in Lebensgefahr geraten. Die Bedienungen reagierten goldrichtig – und retten dem Mann das Leben.
Gast plötzlich bewusstlos: Helena, Daria und Frida erkennen sofort die ernste Lage
Der Dienstag beginnt für die Drei, wie die Tage zuvor. Sie bedienen im Augustiner-Biergarten. Die Sonne scheint, die Gäste sind gut gelaunt. Kurz vor 14 Uhr ändert sich die Stimmung schlagartig, als Helena die Notlage eines 78‑jährigen Münchners mitbekommt: „Seine Frau hat mich gerufen und gesagt, dass etwas nicht stimmt.“ Der Münchner saß bewusstlos in seinem Rollstuhl. Helena weiß: Jetzt muss es schnell gehen. Sie verständigt die Security und ruft den Notarzt. Sie erklärt den Ärzten die Lage, kümmert sich mit um die Absperrung. „Ich habe einfach nur funktioniert“, erinnert sie sich.
Währenddessen eilt Daria dazu. Sie ist gelernte medizinische Fachangestellte und weiß, was zu tun ist. Die beiden Kolleginnen heben den Mann aus dem Rollstuhl. Der Notfallpatient ist zu diesem Zeitpunkt schon ganz bleich im Gesicht, kein Puls ist zu spüren. Dann beginnt sie sofort mit der Herzdruckmassage. „Er hat sich wahrscheinlich verschluckt und keine Luft bekommen“, vermutet die 25‑Jährige.

Schwester Frieda kümmert sich in der Zwischenzeit um die Frau des Patienten. „Sie hat geweint. Dann habe ich versucht, sie zu beruhigen und bin bei ihr geblieben“, sagt sie. Die Dame erzählt Frieda, dass ihr Mann schwer krank ist. Er wollte aber unbedingt noch einmal auf die Wiesn.
Erst halfen die Kellnerinnen, dann ein großes Einsatzteam
Nach etwa zehn Minuten trifft der Notarzt ein, schätzen die Frauen am Tag danach. „Ich hatte überhaupt kein Zeitgefühl. Ich weiß nicht einmal mehr, wie viel Uhr es zu dem Zeitpunkt war“, sagt Helena. Daria und Frieda nicken zustimmend.
Zwei Ärzte, ein fünfköpfiges Trage-Team der Aicher Ambulanz sowie der Aicher-Supervisor zur Koordination waren am Dienstag im Einsatz. Zudem waren ein Notarztteam und ein Rettungswagen der Berufsfeuerwehr vor Ort. Tatsächlich ist die Wiesn medizinisch auf (fast) jeden Notfall vorbereitet – mit einem großen Team an Fachpersonal und einer eigenen Krankenstation.

Der Einsatz im Augustiner-Biergarten am Dienstagnachmittag hat Erfolg: Der Patient öffnet die Augen. Durch die frühe Herzdruckmassage und das nahtlose Zusammenspiel mit den Rettungskräften sei nach zehn Minuten eine Spontanatmung – also eine primär erfolgreiche Wiederbelebung – erreicht worden, heißt es in einer Mitteilung der Aicher Ambulanz.
Als der Einsatz vorbei ist, fällt von den Helferinnen alles ab. „Ich habe kurz geweint, weil ich so unter Schock stand“, erzählt Daria. Wenig später kommt die erleichternde Nachricht: Dem Mann geht es besser. Er ist zur Untersuchung in eine Münchner Klinik gekommen.
„Die Mädels haben sofort richtig gehandelt“
Augustiner-Wirt Thomas Vollmer ist stolz auf seine Angestellten. „Das war eine große Anspannung. Die Mädels haben sofort richtig reagiert.“ Es sei schön zu sehen, wenn das Team so gut zusammenhält. Und ihr Lebensretterinnen-Herz tragen die Kellnerinnen jetzt jeden Tag bei sich – ganz nah am eigenen Herzen.