80.000 Fundstücke pro Jahr: Goldfisch und Brautkleid am Flughafen verloren


Stand: 01.09.2026, 07:01 Uhr

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Umgeben von Fundstücken ist die stellvertretende Leiterin des Service-Centers, Irene Beitel, im Fundbüro des Flughafens München.

Wem gehört dieser Hase? Die stellvertretende Leiterin des Service-Centers, Irene Beitel, im Fundbüro des Flughafens München. © Tanja Maier

Jährlich landen 80.000 verlorene Gegenstände im Fundbüro des Münchner Flughafens. Die Hälfte findet zu ihrem Besitzer zurück.

Flughafen – Eine nagelneue Mercedes-Motorhaube, ein Goldfisch in einer Transportbox oder ein Brautkleid: Wenn es am Flughafen im Erdinger Moos schnell gehen muss, dann lassen Passagiere einiges in der Eile zurück. Was passiert damit?

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Rund 80.000 Dinge landen jährlich im Fundbüro des Flughafens, erzählt Irene Beitel, stellvertretende Leiterin des Service-Centers. Alle Mitarbeiter des Flughafens seien dazu verpflichtet, gefundene Dinge hier abzugeben. Auch viele Passagiere finden den Weg ins Service-Center.

Wenn ein Koffer auftaucht, werde er aus Sicherheitsgründen zuerst auf Gefährliches geprüft und im Fundbüro nochmals durchleuchtet, so Beitel. Ihre Mitarbeiter öffnen das Gepäckstück und erfassen jeden Gegenstand einzeln. Dabei werde bereits nach Kontaktdaten gesucht, um den Eigentümer ermitteln zu können.

Genaue Nachfragen bei Handys

Vermisst ein Reisender sein Handy, beginnt für die Mitarbeiter die Suche nach dem richtigen Besitzer. Einfach das Modell und die Farbe zu nennen, reiche nicht, so Beitel. „Wir fragen explizit nach, dass wir sicher sein können, dass das der Eigentümer ist“, erklärt sie. Wo und wann wurde das Handy verloren? Welchen PIN hat es? Erst wenn die Angaben mit der Fundsache übereinstimmen, wird sie herausgegeben.

Bei einem Ring kann etwa eine Gravur oder ein bestimmter Stein den entscheidenden Hinweis liefern – kleine Details, die Außenstehende nicht kennen. Im Fundbüro geht es nicht darum, die Gegenstände möglichst schnell loszuwerden. „Das primäre Ziel ist, die Fundsache mit dem Eigentümer zusammenzubringen“, erklärt Beitel. Und manchmal ist dafür eben ein bisschen Detektivarbeit nötig.

Sechs Monate lang werden die Fundstücke im Fundbüro aufbewahrt. In dieser Zeit sollen sich Reisende melden, wenn sie etwas verloren haben. Rund 50 Prozent der Fundsachen finden ihren rechtmäßigen Besitzer tatsächlich wieder. Beitel: „Ein buntes Potpourri an allem, was verloren gehen kann“, sagt sie mit Blick auf die sortierten Fundkisten. „Meistens gehen Kleinigkeiten verloren, bei denen man nicht merkt, dass es auf einmal fehlt.“ Schmuck, Handys, Gürtel oder Autoschlüssel gehören zu den Klassikern, die im Fundbüro auftauchen.

Große Buschtrommeln, eine Geisha-Perücke, ein kunstvoll verzierter Sombrero, Autoreifen oder eben der vergessene Goldfisch: „Es gab unglaublich lustige und verrückte Sachen“, sagt Beitel mit Blick auf ihre 25-jährige Beschäftigung im Fundbüro. „Manchmal wäre es schön, wenn die Gegenstände reden könnten, um ihre Geschichte zu erfahren.“

Ein Blick zurück und die Nummer im Koffer

„Die Anzahl der Fundsachen steigert sich“, sagt Beitel. Ihre Vermutung, warum immer mehr verloren geht? „Vielleicht liegt es daran, dass es generell hektischer wird. Manche Leute sind beim Reisen inzwischen gestresster.“

Bei der Sicherheitskontrolle noch schnell den Gürtel ausziehen, hektisch alles zusammenpacken, und beim Gate fällt einem auf, dass der Gürtel fehlt. Das sei eine typische Situation, meint Beitel. Am meisten bleibe an der Sicherheitskontrolle liegen. Sie rät: „Wenn ich reise, den Blick zurückwerfen.“ Bei der Sicherheitskontrolle noch einmal überprüfen, ob alles aus dem Körbchen draußen sei, beim Bäckerbesuch schauen, ob etwas stehen geblieben sei.

Weitere Tipps: „Beim Koffer innen E-Mail-Adresse und Handynummer rein, dann können wir schnell den Eigentümer verständigen“, sagt Beitel. Und bei einem Verlust sich innerhalb der nächsten sechs Monate melden. Oft sei es gar nicht der materielle Wert, sondern der emotionale, der die Menschen auf die Suche nach den verlorenen Dingen schicke. „Jedes Elternteil weiß: Wenn das Lieblingskuscheltier verloren geht, ist der Urlaub gelaufen“, sagt Beitel.

Und die andere Hälfte, die nicht abgeholt wird? Die Leiterin erklärt: „Nach den sechs Monaten wird geprüft, was versteigert werden kann, was kaputt ist und in die Verwertung kommt.“ Regelmäßig bietet der Flughafen öffentliche Versteigerungen an, bei denen ein neuer Besitzer für die Fundstücke gefunden wird.