Abschaffung der Zeitumstellung: Die Uhr tickt – in wenigen Tagen ist es so weit
Abschaffung der Zeitumstellung: Die Zeit für Trump wird knapp
Stand: 23.10.2026, 14:26 Uhr
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Die Zeit wird bald wieder umgestellt. Weiterhin wird kontrovers diskutiert, ob das Sinn ergibt. In den USA wird die Debatte mitten im Wahlkampf der Midterms geführt.
Washington, D.C. – Am kommenden Wochenende werden vielerorts die Uhren umgestellt, die Zeitumstellung steht an. Rund um die Regelung, zweimal im Jahr von der Sommerzeit auf die sogenannte Normalzeit (oft auch als Winterzeit bezeichnet) umzustellen, gibt es seit geraumer Zeit viele Diskussionen. Ob das noch zeitgemäß ist, was die Zeitumstellung eigentlich mit unserer Gesundheit macht – und viele weitere Fragen beziehungsweise Thesen sind Teil davon.
Auf politischer Ebene gibt es diese Debatte auch schon länger, zum Beispiel in der Europäischen Union. Die EU hat die Abschaffung der Zeitumstellung eigentlich längst beschlossen, umgesetzt wurde es aber noch nicht. Die Mitgliedstaaten können sich nicht einigen, welche Einheitszeit künftig dauerhaft gelten soll. Für eine Abschaffung wäre eine Mehrheitsentscheidung der EU-Mitgliedsstaaten notwendig – und genau daran mangelt es noch immer. Italien hat zuletzt versucht, Bewegung in die Sache zu bringen: Das Parlament wurde nach einer Unterschriftenaktion aktiv und diskutierte eine Abschaffung. Ein EU-Vertreter warnte dabei jedoch vor drohendem „totalem Chaos“, sollte das Vorhaben unkoordiniert umgesetzt werden. Österreich hat daraufhin die Entscheidung vertagt: Bis 2031 wird es die Zeitumstellung dort – von der Bundesregierung per Verordnung festgelegt – weiterhin geben.
Zeitumstellung in den USA: Senator blockiert Abschaffung
Und auch jenseits des Atlantiks ist die Zeitumstellung ein großes Thema: US-Präsident Donald Trump kündigte bereits mehrfach an, dass er diese abschaffen werde. Dieses Vorhaben gestaltet sich allerdings schwierig. Vor den Midterms 2026, die am 3. November stattfinden, dürfte das Thema keinesfalls umgesetzt werden. Hintergrund ist folgender: In den USA wird die Zeit erst am Sonntag, 1. November, umgestellt. Das entsprechende Bundesgesetz ist bisher unverändert. Das Repräsentantenhaus hatte bereits im Juli ein Gesetz („Sunshine Protection Act“) verabschiedet, das die dauerhafte Sommerzeit in den USA vorsieht. Die Zustimmung des Senats fehlt bisher, worüber sich Trump auch schon mehrfach aufregte. Der US-Präsident macht primär einen Senator für die Blockade verantwortlich: Tom Cotton aus Arkansas. „Aus unbekannten Gründen“ halte er alles auf, erklärte Trump. Dabei legt sich der 80-Jährige jedoch nicht mit irgendjemandem an. Cotton ist Chef der republikanischen Fraktionskonferenz und somit der dritthöchste Republikaner im Staat. Das birgt Konfliktpotenzial mit der Basis – und das mitten im Wahlkampf.
Wie ist die Zeitumstellung weltweit geregelt?
Weltweit halten lediglich noch rund 70 Staaten an der halbjährlichen Umstellung fest. Die überwiegende Zahl der Länder lebt das ganze Jahr über mit einer einzigen festen Uhrzeit.
Die Liste der Länder, die die Zeitumstellung abgeschafft haben, ist lang und wächst stetig. Island, Japan und Südafrika verzichten schon seit Jahrzehnten auf die saisonale Umstellung. Japan etwa kehrte ihr bereits 1951 endgültig den Rücken – und begründete das unter anderem damit, das eigene Leben nicht nach äußeren Zeitvorgaben ausrichten zu wollen. Auch die Türkei ließ die halbjährliche Uhrendreherei fallen: Seit 2016 gilt dort dauerhaft die Sommerzeit. Weitere Länder folgten in jüngerer Vergangenheit: Brasilien schaffte die Zeitumstellung 2019 ab, Mexiko zog 2022 nach. Argentinien wiederum hatte bereits 2009 die Konsequenz gezogen – und als Begründung angeführt, dass die erhofften Energieeinsparungen am Ende deutlich geringer ausgefallen seien als erwartet.
Der US-Präsident nannte die Zeitumstellung „lächerlich“. Mehr Licht am Abend helfe gegen Kriminalität und Unfälle und nütze dem Tourismus, der Gastronomie und dem Sport. Cotton hingegen warnte schon mehrfach davor, dass Kinder nach einer Vereinheitlichung der Sommerzeit im Dunkeln zur Schule laufen müssten. Der Winter werde „trostlos“ und „dunkel“, so Cotton.
Entscheidend ist der Zeitplan: Laut übereinstimmenden Berichten kommt der neugewählte US-Senat erst frühestens am 9. November zusammen, dann könnte über eine Abstimmung des Gesetzes beraten werden. Sehr unwahrscheinlich ist, dass der US-Senat noch vor den Zwischenwahlen am 3. November darüber berät.
Die Abschaffung der Zeitumstellung hat in den USA übrigens eine Historie: Bereits im Jahr 1974 hatte Amerika das Modell ausprobiert. Aufgrund der Ölkrise gab es ab Januar 1974 eine dauerhafte, ganzjährige Sommerzeit. Bereits nach einem einzigen Winter, mit dunklen Morgenstunden, kippte die Stimmung. Der US-Kongress kehrte noch im selben Jahr zur Normalzeit im Winter zurück. (Quellen: USA Today, AP, NBC News, Berliner Zeitung, Daily Beast, eigene Recherche) (tu)