„Wer auf BSW-Ticket sitzt, muss BSW-Politik machen“: Neue Partei von BSW-Abspaltern sorgt für Eklat in Thüringen
Abspaltung vom BSW: Gruppe um Katja Wolf gründet neue Partei
Stand: 06.09.2026, 21:01 Uhr
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Ex-BSW-Chefin Katja Wolf hat in Erfurt die Partei „Thüringen.Gerecht“ gegründet. Nun droht die BSW-Fraktion im Landtag endgültig zu zerfallen.
Erfurt – Nach ihrem Austritt aus dem BSW in Thüringen haben Ex-Mitglieder die neue Partei „Thüringen.Gerecht“ gegründet. Zur Vorsitzenden wurde die ehemalige BSW-Landeschefin und Finanzministerin Katja Wolf gewählt, wie Gründungsmitglieder in Erfurt mitteilten. In der zurückliegenden Woche waren mehrere Mitglieder aus dem BSW in Thüringen und teils auch aus der Fraktion im Erfurter Landtag ausgetreten, nachdem ein Streit mit der Bundesspitze der Partei um die Regierungsbeteiligung im Freistaat eskaliert war.

„Wir haben versprochen, für Stabilität und Verlässlichkeit in Thüringen zu sorgen“, erklärte Wolf am Sonntagabend. „Jetzt laden wir alle Menschen ein, dieses Versprechen gemeinsam mit uns in die Tat umzusetzen.“ Der Gründungsvorstand werde „schnellstmöglich“ für eine „breite Mitgliederaufnahme“ sorgen und dann einen Parteitag einberufen.
Beben im Thüringer BSW: Ehemalige Landeschefin spaltet sich ab und gründet neue Partei
Unter der Überschrift „Wir werden Thüringen.Gerecht“ verabschiedete die neue Partei ihr Gründungsprogramm. Laut der Erklärung steht dabei „eine Politik, die zuhört, die Lebensleistung der Menschen anerkennt und für Sicherheit, Respekt und neue Zuversicht sorgt“ im Mittelpunkt.
Die Gruppe um Wolf hatte der Bundespartei um Gründerin Sahra Wagenknecht Einmischung und fehlende Distanz zur AfD vorgeworfen. CDU, SPD und Wolf bekannten sich zu ihrer gemeinsamen Koalition in Erfurt. Wolf hatte noch am Wochenende zuvor erklärt: „Wir müssen schnellstmöglich gründen. Entsprechend den Fristen müssten wir es noch im Oktober schaffen können.“ Dass die Neugründung noch am Sonntag erfolgte, soll eine Reaktion auf den unsicheren rechtlichen Status der BSW-Fraktion sein, in der nur noch zwei von zwölf Mitgliedern der Wagenknecht-Partei angehören.
Die AfD-Fraktion hatte bereits verlangt, der BSW-Fraktion mit Verweis auf die Landesverfassung die Finanzierung zu streichen. Außerdem ist von Mittwoch bis Freitag eine reguläre Landtagssitzung geplant, bei der sich ebenfalls die Frage nach dem Status der BSW-Fraktion stellen würde.
BSW-Fraktion im Thüringer Landtag zerfällt – BSW‑Politiker werfen Wolf „Mandatsdiebstahl“ vor
Mit der Abspaltung und Gründung einer neuen Partei zerfällt wohl auch die BSW-Fraktion im Thüringer Landtag, wie die Welt schreibt. Nach aktuellen Plänen könnte sich das bisherige Bündnis in drei separate Gruppen aufteilen: eine neue Fraktion mit zehn Mitgliedern unter bislang nicht feststehendem Namen, eine parlamentarische Gruppe mit drei Ex-BSW-Abgeordneten sowie zwei verbleibende BSW-Mitglieder als Fraktionslose.
Die verbliebenen BSW-Vertreter Anke Wirsing und Sven Küntzel erheben dabei schwere Vorwürfe gegen die Gruppe um Katja Wolf. In einer Pressemitteilung unter dem Titel „Mandatsdiebstahl ist Wählerbetrug“ fordern Wirsing und Küntzel die ausgetretenen Abgeordneten auf, ihre Mandate niederzulegen. „Wer auf BSW-Ticket im Landtag sitzt, muss BSW-Politik machen oder den Platz räumen“, heißt es darin, wie die Welt zitiert. Wirsing, Beisitzerin im BSW-Bundesvorstand und enge Vertraute von Parteigründerin Sahra Wagenknecht, verschärfte den Ton weiter: „Hier regiert bald eine Gruppierung mit, die niemand gewählt hat und deren einzige Perspektive in der Absicherung von Abgeordnetendiäten und Ministerposten bis zum Ende der Wahlperiode besteht.“ (Quelle: AFP/dpa/Welt) (sischr)