„Ganz egal, wie“: AfD-Ministerpräsident von Wagenknechts Gnaden? BSW-Chefin wird deutlich
Stand: 12.08.2026, 20:57 Uhr
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BSW-Chefin Wagenknecht will AfD-Kandidat Siegmund ins Amt bringen – und macht damit den Weg für einen AfD-Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt frei.
Magdeburg – Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September sorgt das Bündnis Sahra Wagenknecht mit einem ungewöhnlichen Vorstoß für Aufsehen: Co-Vorsitzende Amira Mohamed Ali sprach sich gegenüber der Rheinischen Post dafür aus, die AfD nach der Wahl in die Regierungsarbeit einzubeziehen. „Unser Ziel ist die Abwahl des CDU-Amtsinhabers“, erklärte sie – und ergänzte: „Auch unter Einbeziehung der AfD. Ganz egal, wie man zu den Positionen dieser Partei steht, wenn sie rund 40 Prozent der Wählerstimmen erhalten, kann man sie nicht komplett ignorieren.“ Das BSW schwebt dabei ein überparteilicher Ministerpräsident vor, der mit wechselnden Mehrheiten regiert.

Konkret bedeutet das: Lehnen die anderen Parteien dieses Modell ab, will sich das BSW im dritten Wahlgang enthalten. „Sollten die anderen Parteien unser Modell ablehnen, werden wir uns im dritten Wahlgang enthalten“, sagte Mohamed Ali. In Sachsen-Anhalt genügt in diesem Wahlgang eine einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen – Enthaltungen werden nicht mitgezählt. Das könnte AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund ins Amt des Ministerpräsidenten bringen.
Siegmund sagt, er wolle sich nicht durch BSW-Enthaltung wählen lassen
Auch Parteichefin Sahra Wagenknecht selbst hat sich dazu geäußert: Gegenüber ZDFheute sagt sie, sollte das BSW in den Magdeburger Landtag einziehen, könne sich ihre Partei im dritten und möglicherweise entscheidenden Wahlgang enthalten – und damit den Weg für Ulrich Siegmund als Nachfolger von Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) freimachen.
Siegmund selbst will davon jedoch nichts wissen. Er werde sich „selbstverständlich nicht“ durch eine BSW-Enthaltung wählen lassen, sagte er bei Welt TV. Sein Ziel ist eine Alleinregierung der AfD mit eigener Parlamentsmehrheit. „Was bringt es mir denn, ein formaler Ministerpräsident zu sein, ohne eine Mehrheit im Parlament? Ich brauche eine stabile Mannschaft über fünf Jahre hinweg, auf die sich dieses Bundesland verlassen kann.“
Sachsen-Anhalt-Wahl: Wagenknecht sieht in Siegmunds Zurückhaltung ein strategisches Kalkül
Laut ZDFheute sieht Wagenknecht in Siegmunds Zurückhaltung sogar ein strategisches Kalkül der AfD, die inzwischen selbst Angst vor einer „Entzauberung im Falle einer Regierungsübernahme“ habe. Dass Siegmund neuerdings gar nicht mehr mit relativer Mehrheit Ministerpräsident werden wolle, bedeute für die Wähler: „Wer Siegmund wählt, kann mit CDU-Schulze aufwachen“, sagte sie gegenüber ZDFheute. Zudem stellte Wagenknecht in Aussicht: „Wenn wir einziehen, ist Schulze weg und danach sehr wahrscheinlich auch Friedrich Merz.“
Politikwissenschaftlerin Andrea Römmele von der Hertie School ordnet den Vorstoß im Gespräch mit ZDFheute als vor allem PR-getrieben ein: Wagenknecht gehe es in erster Linie darum, mit dem Vorstoß die Schlagzeilen zu bestimmen und eine Machtoption für sich aufzuzeigen. Wagenknecht selbst weist diesen PR-Vorwurf zurück und verweist darauf, dass die AfD bei Wahlen bislang stets etwas schwächer abgeschnitten habe als in Umfragen.
Auch ZDF-Korrespondentin Andrea Maurer, die Wagenknecht und ihre Partei über längere Zeit begleitet hat, ordnet den Vorstoß ein: Es sei „Wagenknechts Markenkern und Selbstverständnis, Zünglein an der Waage zu sein“. Es sei ihr „nie ums Regieren selbst“ gegangen, „sondern eher darum, das Regieren der anderen zu stören“. Maurer sieht darin auch eine gewisse Nähe Wagenknechts zur AfD: Sie erkenne in der Partei die politischen Außenseiter, als die sie sich selbst auch sehe, und es gefalle ihr, dass die AfD bestehende Mehrheits- und Machtverhältnisse erschüttere. Deshalb überrasche es laut Maurer nicht, dass Wagenknecht lieber einem AfD-Ministerpräsidenten als einem CDU-Ministerpräsidenten zur Macht verhelfen würde.
Wahl in Sachsen-Anhalt: Das BSW kämpft ums politische Überleben
Zugleich kämpft das BSW ums politische Überleben: Noch sei nicht ausgemacht, ob die Partei in Sachsen-Anhalt überhaupt die Fünf-Prozent-Hürde schafft. Es ist deshalb durchaus denkbar, dass Wagenknecht mit ihrem Vorstoß gezielt auf AfD-Wähler abzielt, die strategisch wählen wollen. Sollte das BSW einziehen und sich im dritten Wahlgang enthalten, könnten laut Römmele am Ende „wenige hundert, vielleicht tausend Stimmen“ darüber entscheiden, ob der AfD-Kandidat Ministerpräsident wird.
Laut aktuellen Umfragen liegt die AfD in Sachsen-Anhalt bei rund 40 Prozent und damit weit vor der CDU. Das BSW hingegen kämpft noch darum, die Fünf-Prozent-Hürde zu überwinden und überhaupt in den Magdeburger Landtag einzuziehen. (Quellen: dpa, ZDF) (tt)