AfD will Bachelor und Master abschaffen: Uni-Rektor warnt – „Das würde uns schlicht den Stecker ziehen"


Stand: 05.10.2026, 13:33 Uhr

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Die AfD plant, das Bachelor-Master-System in Sachsen-Anhalt abzuschaffen. Der Rektor der Uni Magdeburg warnt vor einer Katastrophe für Hochschulen.

Magdeburg – Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit knapp 44 Prozent gewonnen – und plant offenbar, bewährte Studienstrukturen zu kippen. Jens Strackeljan, Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, schlägt Alarm: Eine Rückkehr zu alten Abschlüssen wäre für seine Hochschule eine Katastrophe.

Studierende in einem Hörsaal

Studierende in einem Hörsaal: Eine Abkehr von Bachelor und Master würde Universitäten wie Magdeburg nach Ansicht von Rektor Strackeljan hart treffen (Symbolbild). © Rolf Vennenbernd / dpa

Sollte die AfD in Sachsen-Anhalt tatsächlich von Bachelor- und Masterstudiengängen zu Diplom- oder Magisterprogrammen zurückkehren, wäre die Konsequenz für die Universität Magdeburg dramatisch. „Viele unserer internationalen Studierenden kommen nach ihrem Bachelor irgendwo auf der Welt gezielt für einen englischsprachigen Master nach Sachsen-Anhalt. Die würden nicht noch einmal in ein Diplom- oder Magisterprogramm einsteigen. Die kommen entweder zum Master – oder sie kommen gar nicht“, warnte Rektor Strackeljan in einem Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Sein Fazit: Das würde der Uni „schlicht den Stecker ziehen".

Weltoffenheit als rote Linie

Rund 5500 internationale Studierende seien derzeit an der Otto-von-Guericke-Universität eingeschrieben, allein 2200 aus Indien. Strackeljan macht deutlich, wo für ihn die Grenzen liegen: „Es kann sein, dass ich einen Dienstherrn oder eine Dienstherrin aus der AfD bekomme. Dann müssen wir miteinander sprechen. Aber für uns ist klar: Die Weltoffenheit unseres Campus ist eine rote Linie. An dieser Weltoffenheit lassen wir uns nicht verbiegen.“

Bislang gibt der Rektor jedoch Entwarnung: Wegen des AfD-Wahlerfolgs habe er noch keine Absagen internationaler Bewerber verzeichnet. Einige hätten sogar erklärt, „sie wollten gerade jetzt einen Beitrag dazu leisten, dass sich Sachsen-Anhalt positiv entwickelt“. Dennoch beobachtet die Universität den Umgang mit internationalen Studierenden im öffentlichen Raum aufmerksam – etwa mögliche verbale Anfeindungen im Bus oder in öffentlichen Einrichtungen. Im ZDF berichteten indische Studierende bereits von einer anderen Wahrnehmung seit der Landtagswahl: „Es ist nicht das gleiche Gefühl wie vor der Wahl. Ich bin schon besorgt, fühle eine gewisse Anspannung, was die Zukunft bringen wird“, sagt etwa Prathamesh Kadam.

Wissenschaftliche Isolierung als Risiko für Sachsen-Anhalt

Strackeljan warnt auch vor weitreichenderen strukturellen Eingriffen: Eine AfD-geführte Landesregierung könnte über Finanzierung und Professuren erheblichen Einfluss auf die Hochschulen nehmen – und das Land wissenschaftlich isolieren. Rund 85 Prozent des Uni-Budgets stammen aus Landesmitteln. „Uns würden Fachkräfte, Wissen und Ideen fehlen“, so der Rektor. „Es wäre töricht, wenn wir diesen Menschen die Tür zuschlagen.“

Wie ernst die Lage für Sachsen-Anhalts Hochschulen werden könnte, zeigt sich schon morgen: Am Dienstag, dem 6. Oktober, kommt der neue Landtag in Magdeburg zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung steht unter anderem die Wahl des Landtagspräsidenten – ein Posten, den die AfD als stärkste Fraktion für sich beansprucht. Das BSW hat bereits angekündigt, den AfD-Kandidaten Tobias Rausch zu unterstützen, womit dieser die absolute Mehrheit hätte, wie der MDR berichtet. Mehrere Bündnisse haben Proteste vor dem Landtag angekündigt, laut Polizei sind 2000 Teilnehmer angemeldet.

Für die Universitäten sind das keine abstrakten Machtspiele: Je mehr Einfluss die AfD in den Parlamentsgremien gewinnt, desto näher rückt der Tag, an dem hochschulpolitische Entscheidungen – von der Studienstruktur bis zur Finanzierung – auf dem Prüfstand stehen könnten.

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will sich im Dezember zum ersten AfD-Ministerpräsidenten wählen lassen – braucht dafür aber noch mindestens drei Stimmen aus anderen Fraktionen. CDU-Kandidat Schulze hat bereits zugesichert: Von der CDU soll Siegmund keine Stimmen bekommen. (Quellen: Die Zeit, dpa, ZDF heute) (ial)