Agent in Tigerpuschen: "00-Laschet" muss die Welt retten


Agent in Tigerpuschen"00-Laschet" muss die Welt retten

18.07.2026, 11:52 Uhr Thomas-BadtkeVon Thomas Badtke

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"I have to go for the little Königstiger!", sagt Tigerpuschenträger Armin, als er im Buckingham Palace auf die Toilette muss. (Foto: IMAGO/ULMER Pressebildagentur)

Ein Lachen kostet Armin Laschet die Kanzlerschaft. Traurig ist er darüber nicht. Im Gegenteil: In David Safiers "00-Laschet" ist er nun Bundespräsident und damit warten Bankette und Promi-Treffen auf ihn. Es gibt nur einen Haken: Der britische MI6 will ihn töten. Aber warum?

Armin Laschet ist kein Unbekannter. Ein Lachen, das ihm einst im Ahr-Tal versehentlich herausrutschte, hat ihn die Kanzlerschaft gekostet und stattdessen Olaf Scholz kurz die Geschicke der Bundesrepublik leiten lassen. Das Ende ist bekannt. Aber was wurde aus Laschet? Für den Bestsellerautor David Safier ist klar: Armin for President - Bundespräsident, um genau zu sein.

Und so zieht "Onkel Laschi", wie ihn die Nachbarstochter aus der Aachener Reihenhaussiedlung immer nennt, ins Schloss Bellevue ein. Laschet erhofft sich so einiges: gutes Essen, Bankette, Treffen und gute Gespräche mit Promis wie Meryl Streep, Glenn Close oder Madonna. Doch als er eines Nachts in der Schlossküche den Inhalt des prall gefüllten Kühlschranks bewundert und sich nicht entscheiden kann, welche der gut ein Dutzend Käsesorten er sich reinpfeifen soll, steht ein Mann im Anzug hinter ihm. Mit einer Waffe in der Hand, die auf ihn, Armin Laschet, zielt. Der englisch anmutende Typ will ihm ans Schlafittchen. Armin will noch nicht sterben. Er ist doch gerade erst 65 Jahre alt.

Dann bricht der Mann vor Armins Augen zusammen - und die Nachbarstochter Kimi offenbart ihm, dass sie eine Geheimagentin ist. Eine von vielen. Teil des "Bellevue Geheimdienstes" (BG). Top Secret. Vom Butler des Hauses, der sich als "Nummer 1" des BG entpuppt, erfährt Armin, dass er von nun an, wie auch schon seine diversen Vorgänger, als Türöffner für die BG-Spione fungieren und diese in die Welt der Reichen und Schönen einschleusen soll. Ein Bundespräsident kommt schließlich rum: Schloss Windsor, Weißes Haus, Gigafactorys.

The queen is not amused

Bleibt halt nur die Frage, weshalb man Armin um die Ecke bringen will - und wer dahintersteckt. Letzteres kriegt der BG schnell heraus: Der Mann mit Anzug und Pistole ist ein MI6-Agent. Also wollen die Briten den Bundespräsidenten tot sehen? Der kurze Dienstweg stellt klar: Die Spione seiner Majestät wissen von nichts, wollen der Sache aber nachgehen - ohne Einmischung aus Deutschland.

Doch da haben die Insulaner die Rechnung ohne den BG und Armin gemacht. "00-Laschet" wird mit Kimi ins Schloss Windsor geschickt, für Nachforschungen. Dort warten dann nicht nur Camilla und Charles, bei denen Armin einen bleibenden Eindruck hinterlässt, als er nach dem WC fragt ("I have to go for the little Königstiger!"), sondern auch Brad Pitt. Und wieder ist Armin plötzlich zur lebenden Zielscheibe degradiert. Was haben die nur alle gegen ihn? Den Reihenhausmann mit einem 17 Jahre alten Golf, der gerne Käse und Schokolade isst und zu Hause Tigerpuschen trägt. Nett, unschuldig aussehend, einfach liebenswert. "Isso!" Ein Bösewicht der ganz großkopferten Sorte - nein, nicht Markus Söder - will ihn ausschalten, um dann die Welt zu zerstören. Klingt hanebüchen?

Den Armin muss man einfach lieben

Naja … schalten wir einfach mal unser Gehirn für rund siebeneinhalb Stunden aus. Das ist die Spieldauer von "00-Laschet", erschienen bei Rowohlt und Argon. Glauben Sie mir, es ist besser - und der Spaß dadurch herrlich groß! Es wird gewitzelt, mal über, mal unter der Gürtellinie. Es darf geschmunzelt und laut herausgelacht werden. Man kommt nicht umhin, Armin sympathisch zu finden. Den kleinen Katholiken aus Aachen, der als Kind schon mal mit zwei Freunden zum Karneval die "drei Chinesen mit 'nem Kontrabass" nachstellt, zugibt, nicht kochen zu können, tierlieb ist und mit Mäusen und Schneekaninchen spricht.

Safier schickt Armin auf Geheimagententour, lässt ihn und Kimi um die Welt fliegen, einen Abstecher in den Vatikan machen, nach London oder auch nach Grönland. Er darf Madonna live "Erotica" singen sehen, muss sich aber auch mit stinkreichen Typen rumschlagen, die eine Mischung aus Elon Musk und Donald Trump verkörpern. Er darf beiwohnen, wenn der BG-Chefwaffenbauer neueste Gadgets à la Q aus James Bond präsentiert.

Die Figur des Armin lässt es menscheln. Das gelingt umso besser, wenn Stimmentausendsassa Thomas Nicolai jedem Protagonisten eine ganz persönliche Eigenheit verleiht: Und so klingen KI-Stimmen wie das erotische Gesäusel von Scarlett Johannson oder einer der Topbösewichte wie aus einem "James-Bond"-Streifen entsprungen.

Dazu wird über die deutsche Politprominenz abgelästert, vor allem Markus Söder und Friedrich Merz bekommen ihr Fett weg. Und wen das alles an eine andere Buch- und Hörbuchreihe erinnert, die da "Miss Merkel" heißt, dem sei gesagt: "Miss Merkel" und "00-Laschet" stammen beide aus dem wundersamen Gehirn von David Safier. Damit bleiben nur drei Fragen offen: Wann wird "00-Laschet" verfilmt? Wann wird es einen gemeinsamen Fall von Merkel und Laschet geben? Und vor allem: Wird es unserem tolpatschig-redegewandt-sympathischen Armin gelingen, die Welt zu retten?

Quelle: ntv.de