Truth Social: Trump lässt Wall Street für Millisekunden zahlen - Golem.de


Bis zu 100.000 US-Dollar im Monat: Truth Social verkauft Börsenprofis einen Vorsprung von wenigen Millisekunden.

Donald Trump auf einem TV-Gerät im Briefing Room des Weißen Hauses am 16. Juli 2026 (Bild: Kent NISHIMURA / AFP via Getty Images)

Donald Trump auf einem TV-Gerät im Briefing Room des Weißen Hauses am 16. Juli 2026 Bild: Kent NISHIMURA / AFP via Getty Images

Wenige Millisekunden Vorsprung können an der Börse Millionen wert sein. Genau daraus will Trump Media jetzt ein Geschäft machen: Das Unternehmen plant, Investmentbanken, Hedgefonds und Hochfrequenzhändlern einen besonders schnellen Zugang zu den Beiträgen von US-Präsident Donald Trump auf Truth Social zu verkaufen.

Nach übereinstimmenden Medienberichten soll der Dienst bis zu 100.000 US-Dollar pro Monat kosten. Truth Social gehört mehrheitlich Donald Trump über dessen Medienunternehmen Trump Media & Technology Group. Von den Einnahmen profitiert der US-Präsident wirtschaftlich.

Im Mittelpunkt des Millisekunden-Angebots steht eine neue Programmierschnittstelle (API). Statt darauf zu warten, bis ein neuer Beitrag auf der Website oder in der App erscheint, erhalten zahlende Kunden ihn direkt von den Servern von Truth Social. Der entscheidende Vorteil: Die Informationen treffen minimal früher ein als bei normalen Nutzern.

Für Menschen spielt ein solcher Vorsprung praktisch keine Rolle. Im automatisierten Börsenhandel dagegen schon. Hochfrequenzhändler betreiben ihre Systeme möglichst nahe an den Rechenzentren der Börsen und optimieren Netzwerke, Software und Hardware auf kleinste Verzögerungen. Dort wird nicht mehr in Sekunden gerechnet, sondern in Milli- oder sogar Mikrosekunden.

Sobald Trumps Beitrag über die API eintrifft, analysieren Algorithmen dessen Inhalt automatisch. Erkennt die Software etwa Hinweise auf neue Zölle, Sanktionen, Militärschläge oder Unterstützung für bestimmte Unternehmen, kann sie Kauf- oder Verkaufsaufträge an die Börsen schicken – noch bevor andere Marktteilnehmer den Beitrag überhaupt gesehen haben.

Kritiker sehen Interessenkonflikt

Trump Media wirbt laut Berichten etwa von Reuters(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) damit, dass die Äußerungen des Präsidenten regelmäßig starke Kursbewegungen auslösen. Als Beispiele nennt das Unternehmen Reaktionen bei Aktienindizes, Ölpreisen und einzelnen Unternehmen nach Ankündigungen Trumps.

Das Geschäftsmodell ähnelt damit den besonders schnellen Datenfeeds, die Börsen und Finanzdatenanbieter seit Jahren an professionelle Händler verkaufen. Ungewöhnlich ist allerdings, dass hier die öffentlichen Äußerungen eines amtierenden US-Präsidenten selbst zum kostenpflichtigen Premiumprodukt werden.

Kritiker sehen deshalb einen Interessenkonflikt: Trump veröffentlicht als Präsident regelmäßig Aussagen, die Finanzmärkte bewegen können, während sein Unternehmen genau diesen Informationsvorsprung gegen hohe Gebühren verkauft.

Die Regierung weist entsprechende Vorwürfe zurück. Rechtlich ist die Lage ungewöhnlich, weil die in den USA geltenden Regeln zu Interessenkonflikten für Präsidenten deutlich weniger streng sind als für viele andere Regierungsmitglieder.