AIS.chat: Sachsen-Anhalt setzt KI-Chatbot an Schulen ein
An Sachsen-Anhalts Schulen kann seit Beginn des neuen Schuljahres der KI-Chatbot AIS.chat genutzt werden. Der Chatbot, der vor einigen Monaten noch Telli hieß, wurde bereits in einigen anderen Bundesländern eingeführt. Er soll Lehrkräften und Schülern einen geschützten Zugang zu Künstlicher Intelligenz im Unterricht ermöglichen. AIS.chat ist ein Teilprojekt des Adaptiven Intelligenten Systems (AIS). Das Angebot ergänzt den bereits bestehenden landeseigenen KI-Dienst emuKI.
Bildungsminister Jan Riedel (CDU) betonte anlässlich der Einführung, dass der Chatbot für die Vermittlung von KI-Kompetenzen eingesetzt werden soll. „Unsere Kinder sollen KI nicht nur benutzen können, sondern sie sollen auch verstehen, was sie kann und wo ihre Grenzen liegen“, erklärte er. Dazu gehöre „die Erkenntnis, dass eine überzeugend formulierte Antwort trotzdem falsch sein kann und dass eigenes Denken und Urteilsvermögen durch keine Technik ersetzt werden“.
Entwicklung nach Abstimmung der Länder
AIS.chat wurde im Auftrag der 16 Bundesländer von der FWU gGmbH als Open-Source-Lösung entwickelt. Sowohl die bisherige Auftragsvergabe als auch die Finanzierung – zum Teil aus DigitalPakt-Geldern – sind immer wieder in die Kritik geraten. Das FWU (Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht) setzt das Vorhaben gemeinsam mit technischen Dienstleistern um, während die angebundenen Sprachmodelle nach eigenen Angaben ausschließlich auf Servern innerhalb der EU laufen. Auch werden die bei der Nutzung von AIS.chat anfallenden Daten weder an Dritte weitergegeben noch zum Training der zugrundeliegenden Sprachmodelle verwendet.
Die Anmeldung erfolgt über den bundesweit genutzten Dienst VIDIS beziehungsweise in Sachsen-Anhalt über das Single Sign-on des Bildungsservers. Token-Budgets pro Lehrkraft werden zwischen FWU und den Ländern abgestimmt. Für die Nutzung stehen unter anderem Modelle von OpenAI, Meta und Mistral zur Verfügung. Welche Modelle konkret in Sachsen-Anhalt freigeschaltet sind, hat das Land bislang nicht veröffentlicht – die Bundesländer können individuell festlegen, welche Modelle sie nutzen wollen.
Kompetenzschulung auch für Lehrkräfte
Bevor Lehrkräfte AIS.chat nutzen können, müssen sie selbst erst eine KI-Kompetenzschulung absolvieren. Wer bereits für emuKI freigeschaltet ist, benötigt dem Bildungsserver Sachsen-Anhalt zufolge aber keine erneute Schulung. Lehrkräfte könnten AIS.chat dann beispielsweise einsetzen, um Unterrichtsentwürfe vorzubereiten oder Aufgaben an unterschiedliche Lernniveaus anzupassen.
Schülerinnen und Schüler benötigen für die Nutzung kein eigenes Konto. Zudem ist die Verwendung eines Klarnamens nicht erforderlich. Lehrkräfte können ihnen für konkrete Unterrichtssituationen einen entsprechenden Zugang zu einem vorbereiteten Lernszenario bereitstellen.
Markenrecht machte aus Telli AIS.chat
AIS.chat löst den früheren Projektnamen „Telli“ ab, der aus markenrechtlichen Gründen seit Mai 2026 nicht mehr verwendet wird. Niedersachsen hatte den Chatbot noch unter dem Namen Telli landesweit eingeführt, Berlin startete im Mai 2026 dann schon offiziell mit AIS.chat. Telli-Vorreiter war das Bundesland Bremen im Sommer 2025.
(kbe)