Fragen nach Bas-Rücktritt: Warum mit Frauen in der Politik so hart umgesprungen wird
AUDIO: Haben es Frauen in der Politik schwerer? (5 Min)
Konsequenzen aus Bas-Rücktritt
"Es liegt an uns allen": Warum mit Frauen in der Politik so hart umgesprungen wird
Stand: 14.10.2026 09:26 Uhr
Manuela Schwesig wurde angefeindet, Bärbel Bas auch – sie trat am Montag zurück. Gerade im ländlichen Raum werden Frauen in der Politik Studien zufolge häufiger beleidigt als Männer. Warum? Ein Gespräch mit Katrin Mahler Walther, Geschäftsführerin der "Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft".
von MDR AKTUELL
MDR AKTUELL: Haben es Politikerinnen schwerer?
Katrin Mahler Walther: Sowohl mein Gefühl als auch die empirischen Ergebnisse zeigen, dass es Frauen schwerer haben in der Politik. Dafür gibt es verschiedene Gründe.
Was sind denn die Gründe?
Zum einen erleben Frauen besonders häufig Beleidigungen bis hin zu Bedrohungen in der Politik. Wir haben vor zwei Jahren eine Studie gemacht zu Kommunalpolitikerinnen in Sachsen und es hat sich wirklich durch alle Interviews durchgezogen, dass die Kommunalpolitikerinnen gesagt haben, der Umgangston in den Räten ist deutlich rauer geworden. Sie werden teilweise beleidigt, es gibt Bedrohungen – bis hin zu Familienmitgliedern.
Das ist natürlich besonders in den ländlichen Räumen ein großes Problem und das alles vor dem Hintergrund, dass an Frauen ja ohnehin besondere Erwartungen gestellt werden: Wie sie auszusehen haben, wie sie sich geben, wie sie auftreten. Das fließt immer in die Bewertung ihrer politischen Arbeit mit hinein und all das bedarf zusätzlicher Energie.
Haben Sie eine Erklärung dafür, dass zum Beispiel die Stadträtin weniger Respekt erfährt von den Kollegen als der Stadtrat?
Ja. Im Grunde genommen blicken wir auf eine relativ junge Geschichte zurück, in der Frauen sich in die Politik gearbeitet und da mehr und mehr auch Rollen übernommen haben. Das zieht sich durch alle Bereiche unserer Gesellschaft. Wir haben immer noch einen sehr geringen Anteil von Frauen in Führungspositionen und das heißt, Frauen müssen sich aus einer Minderheitenrolle heraus behaupten und um Anerkennung kämpfen. Das führt auch dazu, dass die Leistungen, die Frauen einbringen, in der Tendenz schlechter bewertet werden als die von Männern.
Frauen müssen sich aus einer Minderheitenrolle heraus behaupten und um Anerkennung kämpfen. Katrin Mahler Walther
Also liegt es vor allen Dingen auch an den Männern, weil die damit nicht klarkommen, dass plötzlich auch Frauen in ihren Positionen auftauchen?
Ich würde sagen, es liegt an uns allen. Ich will da gar nicht nur auf die Männer zeigen. Also wir alle sind mit diesen Bildern aufgewachsen und kriegen sie auch immer wieder vorgesetzt durch Medien, durch Filme, durch Serien etc. Sich davon freizumachen und Frauen in diesen Rollen als gleichwertig zu sehen, ist eine Entwicklung, die uns allen ein bewusstes Vorgehen abverlangt.
Und deswegen ist es aus unserer Erfahrung auch so wichtig, dass zum Beispiel Parteien sich dafür klare Regelungen geben und sagen: "Wir wollen das aktiv verändern. Deswegen führen wir Frauenquoten ein."
Frauen, die in die Politik möchten oder jetzt schon ein Mandat haben und sich diesen Anfeindungen ausgesetzt sehen – wie können die sich noch besser davor schützen?
Das eine ist, wie man auf individueller Ebene damit umgeht: Sich ein gutes Unterstützungsnetzwerk aufzubauen, von Menschen, die einen sowohl privat als eben auch im politischen Kontext in solchen Momenten wirklich stützen und stärken. Und wenn es wirklich zu einem Shitstorm kommen sollte, also wenn es wirklich größere kampagnenartige Beleidigungen sind, dass dann andere Menschen den Social-Media-Account übernehmen.
Darüber hinaus sollte man sich vorher informieren, was man in solchen Fällen macht. Also wie lege ich rechtssicher Screenshots an von Beleidigungen, damit ich das auch zur Anzeige bringen kann. Ich denke, das ist sehr wichtig, damit klar wird, wenn ich so eine offensichtliche Bedrohung online abgebe, dass ich wirklich Gefahr laufe, strafrechtlich verfolgt zu werden
Haben Sie denn das Gefühl, dass Diskussionen wie jetzt um Bärbel Bas Frauen vielleicht bremsen oder auch abschrecken, sich politisch zu engagieren?
Für die einen heißt es vielleicht "jetzt erst recht" und für andere heißt es vielleicht "oh, wenn es so schwierig ist, dann überleg' ich mir das doch noch mal". Die Wirkung geht da in beide Richtungen, auch das hat unsere Studie über Frauen in der Kommunalpolitik in Sachsen gezeigt.
MDR (ewi)
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